Mutmaßliches Mordkomplott: Polizei findet noch mehr gefährliche Chemikalien bei Salafisten

Von , Düsseldorf

Wohnort von Tayfun S. in Essen: "Sehr brisant" Zur Großansicht
dapd

Wohnort von Tayfun S. in Essen: "Sehr brisant"

Die Ermittler haben bei den festgenommenen Salafisten in Nordrhein-Westfalen noch mehr Chemikalien gefunden als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen stellten die Ermittler in Bonn eine zusätzliche Substanz sicher. Ein Beamter sprach von einem "sehr brisanten" Fund.

Bei einer zweiten Durchsuchung in Bonn hat die Polizei weitere Chemikalien sichergestellt. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hätte die Substanz die Sprengkraft des bereits am Mittwochmorgen entdeckten Ammoniumnitrats noch deutlich erhöhen können. Ein Beamter sagte, der Fund sei "sehr brisant". Der Stoff musste von einem Spezialisten kontrolliert gesprengt werden. Die Überprüfung der Wohnung im Bonner Stadtteil Tannenbusch dauerte bis in den Freitagabend. Art und Menge des Materials sind noch nicht bekannt.

In dem Appartement lebte der Konvertit Marco G., der zusammen mit seinen mutmaßlichen Komplizen Enea B., Koray D. und Tayfun S. in der Nacht zu Mittwoch in Bonn, Leverkusen und Essen festgenommen worden war. Dem Quartett wird vorgeworfen, Anschläge auf Kader der rechtsextremistischen Splitterpartei Pro NRW geplant zu haben. Die Salafisten sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Zwei der Männer, Enea B. und Marco G., waren in der Nähe des Hauses des Pro-NRW-Chefs Markus Beisicht in Leverkusen beobachtet worden. Sie waren unbewaffnet und wurden von einem Spezialeinsatzkommando gestellt.

Waffenarsenal und Sprengstoff sichergestellt

Bei Durchsuchungen in Bonn und Leverkusen fanden die Staatsschützer wenig später eine Liste, auf der die Namen von neun Pro-NRW-Aktivisten rot markiert worden waren. Zudem stellten sie in der Wohnung von Marco G. genau 616 Gramm Ammoniumnitrat, eine geladene Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter, drei Gasrevolver, einen Teleskopschlagstock und eine schusssichere Weste sicher. Ein Zünder sei allerdings bislang nicht gefunden worden, so Behördensprecher Henner Kruse am Freitag.

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft und die Polizei Essen hatten seit Monaten unter größtmöglicher Geheimhaltung gegen die Gruppe wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Dabei wurden Telefone überwacht und Autos verwanzt.

Die mutmaßlichen Mitglieder der Zelle schweigen zu den Vorwürfen. Woher sie sich kannten, sei noch unklar, so Kruse. Die vier Verdächtigen gehören nach allem, was man bisher weiß, nicht zu der ersten Riege der nordrhein-westfälischen Islamisten. Sie haben aber nach Angaben aus Ermittlerkreisen in den vergangenen Wochen regen Kontakt miteinander gehabt.

Das in Bonn entdeckte Ammoniumnitrat, ein Salz aus Ammoniak und Salpetersäure, wird für Düngemittel und Sprengstoffe verwendet. Zusammen mit einem Zünder ist es sehr explosiv. Ammoniumnitrat befand sich auch in der Tasche, die beim fehlgeschlagenen Anschlag im Dezember 2012 am Bonner Hauptbahnhof gefunden wurde.

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