Anschlag in Salzhemmendorf bei Hameln "Eine feige und widerwärtige Tat"

Nach dem Anschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern in Niedersachsen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf schwere Brandstiftung. Der Landrat spricht von "versuchtem Mord".

Feuerwehrleute in Salzhemmendorf: Brandsatz durch das Fenster
DPA/ Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont

Feuerwehrleute in Salzhemmendorf: Brandsatz durch das Fenster


Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Fall des Brandanschlags auf eine Wohnung von Asylbewerbern im niedersächsischen Salzhemmendorf wegen des Verdachts auf schwere Brandstiftung gegen Unbekannt. Auch wird geprüft, ob noch weitere Straftatbestände vorliegen. Dazu könnte etwa ein Kapitalverbrechen wie versuchter Mord gehören.

In der Nacht zum Freitag hatten Unbekannte in dem Dorf einen Molotowcocktail durch ein geschlossenes Fenster in die Wohnung im Erdgeschoss geworfen. Anschließend flohen die Täter laut Zeugenaussagen mit einem Auto. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr gingen mit schwerem Atemschutz in das zweistöckige Gebäude, brachten die Hausbewohner in Sicherheit und löschten den Brand.

Die Bewohner der Wohnung, eine Mutter und ihre drei Kinder (4, 8 und 11 Jahre), die aus Simbabwe stammen, hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags in einem Nebenzimmer auf. Sie wurden vom Rettungsdienst versorgt, blieben aber körperlich unverletzt. Sie werden psychologisch betreut und kommen in eine Ersatzunterkunft.

"Es hätte viel mehr passieren können"

"Das war eine feige und widerwärtige Tat", sagte Staatssekretär Stephan Manke auf der Pressekonferenz: "In dem betroffenen Zimmer schlafen normalerweise Kinder. Es hätte viel mehr passieren können." Die Tat sei von "einzelnen Idioten" verübt worden. Auch der Bürgermeister von Salzhemmendorf, Clemens Pommerening, sprach von einer Einzeltat.

Die Polizei hat eine Sonderkommission mit 30 Mitarbeitern eingerichtet, der Spezialisten des Staatsschutzes sowie Brandexperten angehören. Erste Zeugen seien vernommen worden, man gehe nun den Spuren nach. In der Vergangenheit habe man keine Kenntnisse über eine gefestigte rechte Szene in der Gegend gesammelt, auch im Internet habe es keine Aufrufe zu einer solchen Tat gegeben.

In dem betroffenen Haus leben laut Polizeiangaben 40 Menschen, darunter Asylbewerber aus Afrika und Syrien, aber auch Deutsche. "Diese Gewalt löst Traumata bei den Betroffenen aus, die noch lange anhalten werden", sagte Tjark Bartels, 2013 Landrat im Landkreis Hameln-Pyrmont: "Das war versuchter Mord."

Bartels kündigte eine für 17 Uhr geplante Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit vor dem Rathaus von Salzhemmendorf an. Die Anreise mit der Bahn von Hannover und Hameln aus ist demnach eineinhalb Stunden vor der Veranstaltung und nach dem Ende kostenfrei.

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Quelle: Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl / Polizei / eigene Recherchen / dpa
Stand: 7. Januar 2016

bka



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