Rocker-Razzia in Bayern NPD-Spitzenfunktionär in Haft

NPD-Funktionär Sascha Roßmüller sollte in einigen Wochen neuer Bundesvize der rechtsextremen Partei werden. Jetzt sitzt er nach einer Razzia in Untersuchungshaft.

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NPD-Funktionär Sascha Roßmüller: "Herr Roßmüller muss sich jetzt um die Vertretung seiner Interessen kümmern."
Robert Andreasch

NPD-Funktionär Sascha Roßmüller: "Herr Roßmüller muss sich jetzt um die Vertretung seiner Interessen kümmern."


Hamburg/Regensburg - Ihm sei egal, was Sascha Roßmüller in seiner Freizeit mache. Das sagte noch vor wenigen Wochen der NPD-Funktionär Frank Franz, als er seine Kandidatur als Bundeschef der rechtsextremen Partei ankündigte. Roßmüller, so sein Wunsch, sollte Stellvertreter werden - trotz Mitgliedschaft in einem Rockerclub. "Die Partei wäre dumm, wenn sie auf einen politisch intelligenten Mann verzichten würde", sagte Franz zur Begründung. Roßmüller ist führender Kopf der Rockergruppe Bandidos MC in Regensburg.

Einige in der NPD ärgert dies schon länger, stellt sich die rechtsextreme Partei doch gern als Law-and-Order-Partei dar. Da passt der NPD-Rocker Roßmüller, der derzeit stellvertretender Landeschef in Bayern ist, kaum ins Bild. Den Bandidos und anderen Rockergangs werden Verbindungen zum Rotlichtmilieu, zur organisierten Kriminalität und zum Drogenhandel nachgesagt.

Die Kritiker Roßmüllers dürften sich nun bestätigt sehen. Denn der 41-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Das berichtet die "Mittelbayerische Zeitung", in der NPD wird dies bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft Roßmüller dem Blatt zufolge vor, im Dezember 2010 an einer Auseinandersetzung zweier rivalisierender Rockerbanden beteiligt gewesen zu sein. Roßmüller soll damals mit mehreren Rockerkollegen vor dem Straubinger Vereinslokal der anderen Gruppe aufgetaucht sein. Zwei Menschen wurden verletzt, sie erlitten Stich- und Schnittwunden. Ermittlungen gegen Roßmüller waren zunächst eingestellt worden, laut Staatsanwaltschaft liegen nun aber neue Erkenntnisse vor.

"Endgültig Mafia-Niveau erreicht"

Roßmüller wurde im Zuge einer Razzia in der Rockerszene verhaftet, wie die "Mittelbayerische Zeitung" weiter meldet. Am Mittwoch waren Beamte in Niederbayern, in Nordrhein-Westfalen und in Österreich gegen das organisierte Rockermilieu vorgegangen. Sie hatten 20 Gebäude in den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau, Deggendorf und Regen durchsucht. Gefunden wurden laut Polizei unter anderem illegale Waffen, Munition, Drogen und eine größere Menge Arzneimittel. Neben Roßmüller wurden bei der Razzia fünf weitere Männer verhaftet. Insgesamt drei Beschuldigte sollen dem Rockerclub Bandidos angehören.

Roßmüllers Kandidatur für den NPD-Bundesvorstand dürfte sich mit seiner Verhaftung erledigt haben, er dürfte für Franz kaum noch tragbar sein. Franz, der auch Sprecher der NPD ist, sagte auf Anfrage: "Derzeit liegen uns keine näheren Erkenntnisse vor. Herr Roßmüller muss sich jetzt um die Vertretung seiner Interessen kümmern." Weiter wollte er sich nicht äußern.

Roßmüllers Verhaftung dürfte für einigen Wirbel bei den Rechtsextremisten sorgen, nicht nur Franz hatte sich für den Bayern stark gemacht. Auch der jetzige NPD-Chef Udo Pastörs und der sächsische Landesvorsitzende Holger Szymanski standen hinter dessen Kandidatur für die Parteispitze, wie es aus Kreisen der Partei zu hören ist.

Bayerns NPD-Vorsitzender Karl Richter tat seinen Unmut bereits auf seiner Facebook-Seite kund: "Man könnte den Eindruck haben, die NPD, die angeblich für Ordnung, Werte und Sauberkeit eintritt, hat endgültig Mafia-Niveau erreicht", schreibt er. Und weiter: "Nein, mit solchem Personal kann man der Öffentlichkeit nicht unter die Augen treten. Alle Solidarität hat eine Grenze. Alle, die vor der 'Bandido'-Falle warnten, wurden abgewiegelt. An unserem Mißerfolg sind wir restlos selber schuld."

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