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30. Dezember 2012, 08:56 Uhr

Deutsche Rüstungsindustrie

Saudi-Arabien verhandelt über neuen Panzerdeal

Saudi-Arabien hat offenbar schon wieder Interesse an einem Rüstungsgeschäft mit deutschen Firmen: Nun wolle das autoritär geführte Land laut einem Zeitungsbericht ABC-Spürpanzer des Typs "Dingo 2" in Deutschland kaufen. Die Bundesregierung soll bereits Zustimmung signalisiert haben.

Berlin - Zwischen der deutschen Rüstungsindustrie und Saudi-Arabien bahnt sich womöglich ein weiteres Geschäft an. Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, geht es um den Export von 30 ABC-Spürpanzern auf Basis des Typs "Dingo". Hersteller sind die deutsche Panzerschmiede Krauss-Maffei Wegmann sowie die Firma Bruker Daltonik aus Leipzig. Der Auftrag über die Lieferung von 30 "Dingos" soll demnach ein Volumen von rund 100 Millionen Euro haben.

Langfristig wolle die Regierung in Riad sogar bis zu 100 Modelle kaufen. Wie die Zeitung berichtet, stehen die Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Verteidigungsministerium kurz vor dem Abschluss. Der geheim tagende Bundessicherheitsrat habe laut Zeitungsbericht seine Zustimmung signalisiert und damit den Weg für Verhandlungen der Hersteller mit den Saudis freigemacht, das Geschäft aber noch nicht endgültig genehmigt.

Daraufhin habe das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen positiven Vorbescheid an Krauss-Maffei Wegmann geschickt. Auf "BamS"-Anfrage habe das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, dass die Bundesregierung "grundsätzlich keine Angaben zu Voranfragen über die Genehmigungsfähigkeit bestimmter Ausfuhrvorhaben" mache.

Eine Art rollendes Hightech-Labor

Die "Dingos" sollen der Zeitung zufolge die 36 "Fuchs"-Spürpanzer ersetzen, die Thyssen im Jahre 1991 nach Saudi-Arabien verkaufte. Der mit einem Maschinengewehr bewaffnete ABC-Spürpanzer "Dingo 2" gelte als eine Art rollendes Hightech-Labor und könne nach Angriffen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe erkennen sowie Boden- und Luftproben entnehmen. Schulungen der arabischen Soldaten sollen dem Bericht zufolge auch an einem Simulationsfahrzeug bei Bruker Daltonik in Sachsen stattfinden.

Deutsche Waffentechnologie steht bei der Regierung in Riad hoch im Kurs. Rüstungsgeschäfte mit dem autoritär geführten Land sind wegen der dortigen Menschenrechtsverletzungen höchst umstritten. Erst Anfang des Monats hatte der SPIEGEL über eine Anfrage Saudi-Arabiens nach mehreren hundert Radpanzern "Boxer" berichtet. Nach einem früheren Bericht des SPIEGEL ist Riad auch an bis zu 200 Kampfpanzern "Leopard" interessiert.

Trotz massiver Kritik der Opposition hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich zu Rüstungsgeschäften mit Ländern wie Saudi-Arabien bekannt. Aus Sicht der Bundesregierung sei das Königreich ein "Stabilitätsfaktor", hatte sie Regierungssprecher Steffen Seibert erklären lassen.

Im vergangenen Jahr wurden Kriegswaffen im Wert von 30 Millionen Euro aus Deutschland nach Saudi-Arabien exportiert. Genehmigt wurden sogar Ausfuhren für 140 Millionen Euro. Dazu gehören unter anderem Bodenstationen für unbemannte Fluggeräte, Kampfflugzeugteile und Munition etwa für Granatwerfer, Haubitzen oder Mörser. Solche Geschäfte werden bislang erst mit monatelanger Verzögerung im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung veröffentlicht.

son/AFP/dpa

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