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Lost in Translation: Saudis verteidigen sich mit seltsamer Zeitungsanzeige

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Anzeige in der FAZ: Bei der Übersetzung geknausert Zur Großansicht

Anzeige in der FAZ: Bei der Übersetzung geknausert

Saudi-Arabien sieht sich in Sachen Terrorbekämpfung am Pranger. Nun wurde eine Anzeige in der "FAZ" geschaltet - mit etlichen Übersetzungsfehlern.

Es kommt sehr selten vor, dass deutsche Journalisten aus der saudi-arabischen Botschaft eine E-Mail bekommen. Jüngst war das der Fall, nachdem Meldungen über einen angeblichen massenhaften Bau von Moscheen in Deutschland die Runde machten und auch noch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in einem Zeitungsinterview das Königreich davor warnte, den religiösen Extremismus in Deutschland zu unterstützen.

Noch am Tag, als Gabriels Interviewäußerungen in der "Bild am Sonntag" erschienen, schrieb die Botschaft in Berlin eine empörte Mail an mehrere Redaktionen und dementierte den massiven Moscheenbau: "Wir sind wie Deutschland Teil der Anti-Isis-Koalition und kämpfen Seite an Seite gegen den Terror. Derartige bewusst lancierten Meldungen schaffen ein Klima des Hasses gegenüber dem Königreich Saudi-Arabien. Dafür darf es keinen Raum geben", hieß es in der Mail, die auch an SPIEGEL ONLINE ging.

Das war ziemlich unverblümt. Und zeigt, wie angespannt zwischen Riad und Berlin die Beziehungen sind, nicht zuletzt befeuert durch einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes (BND), der sich kritisch mit dem Königshaus beschäftigt. Die Führung in Riad sucht nun offenbar weiter die mediale Offensive. In einer ganzseitigen Anzeige, die am Freitag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) erschien, wurden "Initiativen und Aktionen zur Bekämpfung von Terrorismus" vorgestellt. Der Text weist zwar eine Firma namens "Orbit Eight LLC" in Riad als Urheber auf, kommt aber in der Überschrift ("Das Königreich Saudi-Arabien") als quasi-offizielles Kommuniqué daher.

Auf sechs Spalten, ohne Foto, hebt der Text den Kampf des wahhabitischen Königreichs gegen radikalisierte Muslime hervor. Der aufmerksame Leser wundert sich, denn der Text kommt stellenweise in recht holprigem Deutsch daher. Offenbar haben die Verantwortlichen in dem steinreichen Öl-Land ausgerechnet bei der Übersetzung geknausert.

König Salman bin Abdulaziz in Mekka: Verärgerte Reaktionen aus Riad über die BND-Kritik aus Berlin Zur Großansicht
REUTERS

König Salman bin Abdulaziz in Mekka: Verärgerte Reaktionen aus Riad über die BND-Kritik aus Berlin

In dem Text ist die Rede von "taillierten Strategien" gegen Radikalismus. An anderer Stelle geht es reichlich konfus um "Bemühungen so wie zur Bekämpfung des Extremismus und, um saudische Bürger an das Leben in der globalen Gemeinschaft zu gewöhnen". Oder es wird festgehalten: "Imame wurden verboten zu Anstiftungen und Gespräche über Intoleranz zu halten."

Es wird ein "Rehabilitierungsprogramm" vorgestellt, über das es heißt: "Dieses Programm umerzieht gewalttätige Extremisten und Extremismus-Sympathisanten durch intensive religiöse Debatten und psychologische Beratung." Leicht missverständlich wirkt im Schlussteil der Anzeige ein Satz, der offenbar einer englischen Version angelehnt ist: Die saudi-arabische Regierung sehe "Terrorismus als seriöse, laufende Bedrohung".

Steinmeier lobt Rolle des Könighauses auf Konferenz in Riad

Der Text in der FAZ mag in Teilen auf deutsche Leser erheiternd wirken, der Hintergrund aber ist ernster Natur. Nicht zuletzt sorgte dafür das Papier des BND, das der deutsche Auslandsgeheimdienst an Journalisten verteilt hatte und in dem König Salman und seinem Sohn, dem Verteidigungsminister, attestiert wurde, sie wollten sich "mit einer starken militärischen Komponente" als "Anführer der arabischen Welt profilieren". Vor allem ein psychologisierender Satz ließ dort aufhorchen: "Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt."

Die Reaktionen waren heftig. Im Auswärtigen Amt meldete sich Abdel Dschubair, der Amtskollege von Minister Frank-Walter Steinmeier. Es wurde ein deutliches Telefonat zwischen beiden Außenministern, in Riad bekam die Botschaft und das dort stationierte BND-Personal den Ärger ab.

Nach einer Intervention im Kanzleramt, dem der BND untersteht, distanzierte sich eine Regierungssprecherin von der BND-Analyse. Das Problem für Berlin ist offenkundig: Saudi-Arabiens streng-konservative Ausprägung des sunnitischen Islam passt nicht zu westlichen Werten von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten, doch ist das Land ein wichtiger Partner, nicht nur ökonomisch. Zuletzt gelang es dem Westen, die miteinander verfeindeten Staaten Iran und Saudi-Arabien in Wien auf zwei Syrien-Konferenzen mit an den Tisch zu bringen.

In diesen Tagen ging in Riad ein Treffen der tief zerstrittenen syrischen Opposition zu Ende. Außenminister Steinmeier (SPD) war am Freitag voll des Lobes über die saudischen Gastgeber. Ihnen sei es "mit kluger Moderation gelungen, eine konstruktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 178 Beiträge
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1. Wichtig
Ossifriese 11.12.2015
"...Saudi-Arabiens streng-konservative Ausprägung des sunnitischen Islam passt nicht zu westlichen Werten von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten, doch ist das Land ein wichtiger Partner, nicht nur ökonomisch. ..." Na denn - dürfen auch Körperteile von oben bis unten abgehackt werden, darf ausgepeitscht und weggesperrt werden. Und das bisschen Krieg mit den Nachbarn tolerieren wir auch noch. Denn es handelt sich ja um einen wichtigen Partner... wenn auch um einen diktatorischen.
2. Kurz zusammengefasst:
drui 11.12.2015
Rüstungsgeschäfte sind der Bundesregierung wichtiger als Terrorismusbekämpfung. Die Regierungsparteien gehören und werden finanziert von deutschen Rüstungsunternehmen, die über Saudi-Arabien auch an Daesh Waffen liefern. Das wurde dem BND jetzt noch mal ganz ganz klar gemacht, der kürzlich seltame Anfälle von Wahrheit und sogenannter Verantwortung hatte.
3. Schreibfehler ...
hasimen 11.12.2015
Das war nicht die FAZ ... sondern die SAZ, die Saudi-Arabische Zeitung. Oder heisst das etwa "Faudi-Arabische Zeitung" ( = FAZ ) ??? Auf jeden Fall ist es schon erstaunlich das die ökonomische Misere der FAZ sie schon soweit getrieben hat sich zum Sprachrohr der Wurzel vielen Übels machen zu lassen. Adieu Freie Presse ... tschüss Journalisten mit Rückgrat ... vergesst die Unabhängigkeit und Hoheit über die eigene Meinung. Wenn ihr das schon Drucken müsst, dann ist es aber nicht mehr weit bis die Euch aufkaufen!
4. Nicht das erste mal
Datenscheich 11.12.2015
Leider ist es schwer, unter den Übersetzern in den arabischen Ländern Kollegen zu finden, welche die deutsche Sprache tatsächlich fehlerfrei beherrschen. Schon mehrfach mußten aufwendig (ja, und nicht aufwändig!) gedruckte Broschüren wieder eingestampft werden, weil sie vor Fehlern nur so strotzten. Wir Übersetzer hier in Deutschland sind tatsächlich beträchtlich teurer, dafür aber auch in der Lage Qualität zu liefern. Es sieht allerdings so aus, als müßte jede Generation der Verantwortlichen immer wieder von neuem lernen, daß die Auftragsvergabe an den in Deutschland studierten Vettern doch nicht das Gelbe vom Ei ist...
5. Google ist (nicht) dein Freund
Untertan 2.0 11.12.2015
Vielleicht hat es sich noch nicht bis nach Riad herumgesprochen, dass eine billige Maschinenübersetzung nicht gerade die Glaubwürdigkeit erhöht. Vielleicht klappt es auch bei arabisch-englisch besser als bei englisch-deutsch und niemand hielt es für nötig das Resultat noch mal zu überprüfen. Wie auch immer, ich bin froh, dass wenigstens die terroisitische Bedrohung "seriös" ist...
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