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Scanner-Flashmob: Piraten springen aus der Hose

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Die Piraten planen einen Flashmob gegen Nacktscanner. Die Partei will gegen die Verletzung der Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte durch die neue Technologie protestieren - und dafür bundesweit an deutschen Flughäfen die Hüllen fallen lassen.

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Ganzkörper-Scanner: Abtasten mit Wellen
Berlin - An mehreren deutschen Flughäfen will die Piratenpartei nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Sonntag um 14 Uhr gegen die Einführung der Nacktscanner protestieren. Dabei planen die Aktivisten, sich an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen bis auf die Unterwäsche auszuziehen. "Unser Motto ist: 'Ihr braucht uns nicht scannen - wir sind schon nackt'", erklärte der Sprecher der Bundespartei, Simon Lange.

Offen ließ er, an welchen Flughäfen und in welchen Städten die Aktionen genau stattfinden werden. Bislang hätten sich acht Landesverbände der Idee angeschlossen, sagte Lange. Als sicher gilt demnach, dass die Piraten an den Flughäfen Berlin-Tegel und Düsseldorf protestieren wollen. Die Idee zu diesem sogenannten Flashmob, einem kurzfristig über das Internet organisierten Protest, sei spontan entstanden, sagte Lange.

Die Piratenpartei lehnt die Einführung der Nacktscanner ab, weil sie "die Intimsphäre und die Persönlichkeitsrechte der Passagiere" verletzten. "Details wie ein künstlicher Darmausgang, Herzschrittmacher oder Körperschmuck bleiben nach wie vor sichtbar", schrieb die Partei, die bei der Bundestagswahl im vergangenen September überraschend 2,0 Prozent der Stimmen erreichen konnte, zu Beginn der Woche auf ihrer Internetseite.

Für den Parteivorsitzenden Jens Seipenbusch ist die Einführung des Nacktscanners vor allem eine "Steigerung der gefühlten und nicht der tatsächlichen Sicherheit". Seipenbusch kritisierte den Scanner für die Bekämpfung von Terrorismus als "den falschen Weg" und als "Interesse von Leuten, die ihn verkaufen".

Ort und Zeit werden via Twitter verkündet

Der Spitzenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Nico Kern, will mit dem Flashmob das Thema Nacktscanner "auf die Schippe nehmen". Sobald der genaue Ablauf feststehe, wollen die Piraten über den Kurznachrichtendienst Twitter im Internet, über Telefon und durch Mundpropaganda Teilnehmer mobilisieren.

Die Sprecherin des Berliner Landesverbandes, Lena Rohrbach, sagte, sie könne nicht einschätzen, wie viele Teilnehmer sich beteiligen werden. "Wie das so ist mit Flashmobs - man weiß nicht, was passiert", sagte Rohrbach. Als Alternative zu dem Unterwäscheprotest überlegt sie, durch Interviews an den Sicherheitskontrollen die Passagiere auf die Veränderungen durch den Nacktscanner aufmerksamzumachen. Sie kritisierte, die Debatte über die Scanner würde momentan "zu hysterisch" geführt.

Auch der ehemalige SPD-Abgeordnete und Neu-Pirat Jörg Tauss unterstützt den kreativen Protest. Es sei richtig, durch auffällige Aktionen "wie Greenpeace" auf das Thema aufmerksam zu machen. Tauss hatte sich bereits Anfang der Woche in einem Brief an Bundesforschungsministerin Annette Schavan die Einführung des Scanners kritisiert und von "Innenpolitparanoikern von Union, FDP und SPD" gesprochen.

Als Alternative schlägt Tauss, gegen den Anklage wegen des Besitzes von Kinderpornografie erhoben wurde, die Einführung einer elektronischen "Sprengstoffschnüffelnase" vor. Diese würde es seiner Ansicht nach ermöglichen, auf die Einführung des Nacktscanners zu verzichten und sei "ethisch unproblematisch", so Tauss.

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Forum - Flugsicherheit - ist der Einsatz von Nacktscannern ethisch vertretbar?
insgesamt 595 Beiträge
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1.
inci 30.12.2009
Zitat von sysopIm Zuge der Sicherheitsdebatte ist auch die Diskussion um die so genannten Nackrtscanner wieder entbrannt. Abgesehen von der Effizienz der Geräte - ist ihr Einsatz Ihrer Meinung nach ethisch vertretbar?
kurz und knapp: NEIN!
2. Keine Effizienz
Christian Bechmann 30.12.2009
Zitat von sysopIm Zuge der Sicherheitsdebatte ist auch die Diskussion um die so genannten Nackrtscanner wieder entbrannt. Abgesehen von der Effizienz der Geräte - ist ihr Einsatz Ihrer Meinung nach ethisch vertretbar?
....Ethisch und Gesundheitlich vertretbar?, müßte eigentlich die Frage lauten. Für Dauerflieger wäre so eine täglich verabreichte Röntgenstrahlung-Dosis ein Ticket für eine Krebserkrankung. Im Übrigen glaube ich nicht an die 100% Sicherheit, selbst wenn man die Kontrolle auf Darmspülung und Urinprobe ausweiten würde , die Gefahr eines Anschlags besteht immer.
3. Nacktheit
Was-weis-Duden 30.12.2009
Zitat von sysopIm Zuge der Sicherheitsdebatte ist auch die Diskussion um die so genannten Nackrtscanner wieder entbrannt. Abgesehen von der Effizienz der Geräte - ist ihr Einsatz Ihrer Meinung nach ethisch vertretbar?
Der Mensch ist von Natur aus nackt. Daher kurz und knapp: selbsverständlich Ja!
4.
Olaf 30.12.2009
Zitat von sysopIm Zuge der Sicherheitsdebatte ist auch die Diskussion um die so genannten Nackrtscanner wieder entbrannt. Abgesehen von der Effizienz der Geräte - ist ihr Einsatz Ihrer Meinung nach ethisch vertretbar?
Kommt auf die Umstände an. Auf jeden Fall ist mir so ein Ding lieber als eine Leibesvisitation.
5.
Kryoniker 30.12.2009
Zitat von incikurz und knapp: NEIN!
Ob der "Nacktscanner" gesellschaftlich gewollt und gesundheitlich unbedenklich ist, darüber kann man ja diskutieren. Diese neue Scannergeneration aber schon aus ethischen oder religiösen Gefühlen abzulehnen, halte ich für falsch. Manche hielten es ja auch für falsch, einen nackten Mann und eine nackte Frau auf der Pioneer-Plakette abzubilden. Der Protest kam, dreimal darf man raten, natürlich aus der christlich-fundamentalistischen Ecke.
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Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.


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