Schachpanne unter Genossen: Warum Steinbrück und Schmidt falsch spielten

"Zug um Zug" lautet das gemeinsame Buch von Peer Steinbrück und Helmut Schmidt. Doch auf dem Cover wirken die sozialdemokratischen Schachprofis wie ahnungslose Amateure: Das Schachbrett steht falsch, der schwarze Turm auch. Die Fotografin schiebt die Schuld auf den Altkanzler.

"Zug um Zug"? Auf ihrem Buchcover setzen die Sozis zeitgleich ihre Figuren Zur Großansicht
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"Zug um Zug"? Auf ihrem Buchcover setzen die Sozis zeitgleich ihre Figuren

Berlin - Die beiden gelten als Strategen, als unbequeme Denker, stets gedankenscharf. Und so sind sie auch auf ihrem Buchtitel zu sehen: Ernst und vertieft in eine Partie Schach - so präsentieren sich Altkanzler Helmut Schmidt und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück auf dem Cover des Buchs "Zug um Zug".

Nur: Die beiden SPD-Politiker spielen offensichtlich falsch.

Das Schachbrett auf dem Foto ist um 90 Grad gedreht. Schmidt und Steinbrück sitzen falsch, oder das Brett liegt falsch, jedenfalls stimmen die Winkel nicht. Zudem steht Steinbrücks rechter Turm auf einem schwarzen Feld - nach den Regeln müsste es jedoch ein weißes sein.

Die für das Cover engagierte Fotografin Ingrid von Kruse begründete den Fehler mit Zeitdruck. "Schmidt hatte nur noch an diesem Tag Zeit und Lust für das Foto. Da musste ich mich beeilen", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Das Schachbrett selbst habe sie aber nicht angerührt. Sie habe sich lediglich erlaubt, den Tisch näher ans Fenster zu rücken.

Wer war es dann? Das "Hamburger Abendblatt", das sich rühmt, den Fehler als erstes entdeckt zu haben, hakte beim Verlag nach: Iris Seidenstricker, Sprecherin des Verlags "Hoffmann & Campe", sagte: Es habe ein mehrteiliges Shooting für das Foto gegeben, bei dem das Schachbrett umgestellt worden sei. Mit Rücksicht auf die Gesundheit des Altkanzlers habe man sich allerdings beeilen wollen.

Wer das Brett verrückt hat, ist unklar. Offenbar geschah der Fehler beim Umsetzen des Tischs. Denn es gibt auch Bilder, auf denen die Figuren richtig stehen - und die Schachprofis an den korrekten Seiten des Bretts sitzen. Auf der Titelseite der Wochenzeitung "Die Zeit" vom Donnerstag ist plötzlich alles korrekt: Und dort ist auch nur Schmidt am Zug, während Steinbrück abwartet.

Beide seien"versierte Schachspieler", betont der Verlag

Auf dem Buchcover hingegen wollen beide Strategen anscheinend gleichzeitig ihre Figur ziehen. Normalerweise hat natürlich nur ein Spieler die Hand an der Figur, während der Kontrahent erst über die weiteren Züge nachdenken muss.

Die Sprecherin des Verlags versicherte auf Nachfrage noch einmal: Beide seien versierte Schachspieler. Und auch politisch haben sie einiges gemeinsam: Schmidt veröffentlichte nicht nur das Buch mit Steinbrück, er schlug den früheren Finanzminister auch als geeigneten Kanzlerkandidaten seiner Partei vor. Zuletzt im SPIEGEL und im Fernsehen in der Talkshow Günther Jauchs - aber auch das hielten manche nicht für den schlauesten Zug.

fab/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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1.
günter1934 27.10.2011
Zitat von sysop"Zug um Zug" lautet das gemeinsame Buch von Peer Steinbrück und Helmut Schmidt. Doch auf dem Cover wirken die*sozialdemokratischen*Schachprofis wie ahnungslose Amateure: Das Schachbrett steht falsch, der schwarze Turm auch.*Die Fotografin schiebt die Schuld auf den Altkanzler. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794490,00.html
Peinlich ist ja wohl, dass die beiden schon einige Züge in der falschen Stellung absolviert haben! Mein Enkel ist 5 Jahre alt, aber der würde sagen: Opa, was soll das!
2. Hier mein Tipp
abominog 27.10.2011
Ich empfehle den beiden Herren folgendes Schachprogramm: http://www.shredderchess.de Es gehört zu den stärksten Schachprogrammen der Welt. Wer sich mal so richtig die Zähne ausbeissen will, der kann sich gerne "shreddern" lassen... Die Shareware ist 30 Tage kostenlos, also Bescheid. PS: Mein erster Sieg gelang mir erst nach 13 Spielen, innerhalb von etwa 30 Matches habe ich dann insgesamt 4x gewinnen können und 5x Remis geschafft. Zwar nur mit den Standardeinstellungen und ohne Zeitlimit, aber wer mir das nicht glaubt, ich habe natürlich ein Screenshot meiner Bilanz. Also los, Herr Schmidt und Herr Steinbrück - ich stehe für eine Partie Schach jederzeit zur Verfügung!
3. Das Brett steht schon richtig; der Bauer zeigts an.
Yabanci Unsur 27.10.2011
Das ein Turm in der Endphase eines Spiels noch in seiner Ausgangsstellung steht, ist eher ungewöhnlich. Der Turm ist als Indikator ungeeignet. Dafür zeigt der Bauer rechts vorne im Bild (H7), dass alles seine Ordnung hat. Denn würde man das Brett um 90 Grad drehen, würde der Bauer auf der Grundlinie stehen. Das kann er aber niemals. Denn ein Bauer auf der Grundlinie wird IMMER zu einer anderen Figur. Irritierend ist das gleichzeitige Ziehen. Beim Schnellschach oder bei Standardsituationen ist aber auch das keine Seltenheit. Man ist ja unter Freunden.
4. *
günter1934 27.10.2011
Zitat von abominogIch empfehle den beiden Herren folgendes Schachprogramm: http://www.shredderchess.de
Sind Sie irgendwie mit dem Vertrieb dieses Programms befasst? Es mag ja super sein, hat aber mit dem Artikel eigentlich nichts zu tun! Soweit ich weiss, beherrschen die Beiden zumindest die Grundregeln des Schachs.
5.
warum_nicht 27.10.2011
Zitat von günter1934... Soweit ich weiss, beherrschen die Beiden zumindest die Grundregeln des Schachs.
Dann sind sie wohl falsch informiert, denn das Bild sagt genau das Gegenteil. Die Schachregeln sind nach zu lesen hier: http://www.schachbund.de/intern/ordnung/FIDE_Regeln05.pdf und im englischen hier: http://www.fide.com/FIDE/handbook/LawsOfChess.pdf. Zum Thema Schachbrett siehe Artikel 2.1.
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Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist mit einer Zahnärztin verheiratet.
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Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.
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Kraft, 1961 geboren, ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Regierung in Düsseldorf - die ersten beiden Jahre als Minderheitsregierung, seit der Landtagswahl im März 2012 mit einer deutlichen Mehrheit.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.
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Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei.

Wowereit, Jahrgang 1953, ist der Senior innerhalb der SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."
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Bis Herbst 2009 war Scholz, geboren 1958, Bundesarbeitsminister. Aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Im Februar 2011 holte er bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg die absolute Mehrheit und ist seitdem Erster Bürgermeister in der Hansestadt.

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Die Hamburgerin, Jahrgang 1967, mit türkischen Wurzeln hat einen steilen Aufstieg in der SPD hinter sich. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, im Dezember 2011 übernahm sie einen der Posten als Bundes-Vize. Vorher arbeitete sie unter anderem als Intergrationsbeauftragte der SPD-Fraktion. Für Aufsehen sorgte sie 2010 mit dem Appell, die Is­lam­kon­fe­renz von Bun­desin­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Friedrich (CSU) zu boy­kot­tie­ren. Sie hatte dem Minister vorgeworfen, einen pauschalen Terrorverdacht gegen Muslime zu unterstellen. Özoguz ist mit einem Hamburger SPD-Politiker verheiratet und lebt in Oldenfelde sowie einer Berliner Dienstwohnung.
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Nahles, geb. 1970, ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Liiert ist sie mit einem Bonner Kunsthistoriker.