Finanzminister Schäuble: "Deutschland ist schockresistenter geworden"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobt die Politik seiner schwarz-gelben Regierung. Er sieht Deutschland in der Euro-Krise gut aufgestellt - und verspricht: Trotz Nachtragshaushalt werde er die für 2012 geplante Neuverschuldung einhalten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Zur Großansicht
dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Berlin - Deutschland wird weiterhin gut durch die Euro-Krise kommen - dieser Meinung ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Deutschland ist ein ganzes Stück schockresistenter geworden", sagte der Minister bei der Einbringung des Haushalts 2013 im Bundestag. Die Bundesregierung habe das Land gut durch die Krise geführt. "Sie hat mit ihrer Politik dazu beigetragen, dass es erstmals seit langer Zeit wieder zu echtem Wirtschaftswachstum in Deutschland gekommen ist."

Der Bundestag kam am Dienstagmorgen zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen. Die ganze Woche steht der Etat für das kommende Jahr im Mittelpunkt der Debatten. Der Regierungsentwurf sieht folgende Posten vor:

  • Die Ausgaben sollen bei 302,2 Milliarden Euro liegen.
  • Auf der Einnahmeseite sind 259,8 Milliarden Euro an Steuern eingeplant, aus sonstigen Einnahmequellen sollen weitere 23,6 Milliarden kommen.
  • Die Neuverschuldung liegt damit 2013 bei 18,8 Milliarden Euro, die Schäuble mit neuen Schulden bezahlen muss. Sie sinkt damit - nach rund 32 Milliarden Euro in diesem Jahr.
  • Für 2016 strebt Schäuble einen ausgeglichenen Etat ohne neue Schulden an - erstmals seit vier Jahrzehnten.

Die Neuverschuldung werde im Vergleich zu den vergangenen Jahren konsequent gesenkt, sagte Schäuble. Die Vorschrift der Schuldenbremse, ab 2016 maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukt als strukturelle Neuverschuldung einzuplanen, werde schon im kommenden Jahr erfüllt. "Damit gelingt uns nicht nur, die Vorgaben der Schuldenbremse im Grundgesetz einzuhalten, sondern wir übertreffen diese Vorgaben weit", sagte Schäuble.

Steuererhöhungen erteilte der Christdemokrat eine Absage. Die Diskussion über eine Reichensteuer sei eine "absurde Debatte". In der Opposition herrsche offenbar ein "eindimensionales Verständnis von Steuerpolitik". Deutschland habe kein Einnahmeproblem.

"Keine weiteren Spielräume" für Ausgaben

Die schwarz-gelbe Bundesregierung plant zudem einen zweiten Nachtragshaushalt für 2012. Eine konkrete Summe nannte Schäuble am Dienstag nicht, versprach aber, dass die für dieses Jahr geplante Neuverschuldung eingehalten werde. Die Nettokreditaufnahme von 32,1 Milliarden Euro werde nicht überschritten, sagte er.

In dem Nachtragsetat enthalten sind die zusätzlichen Bundesmittel von 580 Millionen Euro zum Ausbau von Ganztagsbetreuungseinrichtungen und der deutsche Anteil von 1,6 Milliarden Euro an der Kapitalerhöhung der Europäischen Investitionsbank. Es werde sich dann später zeigen, "ob und inwieweit wir trotz dieses Nachtragshaushalts am Jahresende im Ist noch besser abschneiden erneut wie in den vergangenen Jahren als im Soll", sagte Schäuble in der ersten Lesung des Haushaltsentwurfs für das Wahljahr 2013.

Zugleich räumte der Finanzminister ein, dass sich die gute Entwicklung der vergangenen Jahre zum Beispiel bei den Steuereinnahmen und auf dem Arbeitsmarkt abschwächen werde. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum werde wahrscheinlich nicht übertroffen. Es gebe daher "keine weiteren Spielräume" für Ausgaben.

"Glänzende Außenfassade"

Die Sozialdemokraten sprachen von "Schönfärberei". Schäuble schmücke seine Haushalts- und Steuerpolitik mit einer glänzenden Außenfassade, sagte der SPD-Finanzexperte Joachim Poß. "Damit wollen Sie die Grundlage für den Wahlkampf im nächsten Jahr legen", fügte er hinzu. Die Regierung habe vor allem bei den sozial Schwachen gespart und die soziale Schieflage verschärft.

Die Opposition wirft der schwarz-gelben Koalition vor, die Neuverschuldung ohne eigenes Zutun zu senken und die guten Jahre nicht zur schnelleren Sanierung des Haushalts genutzt zu haben.

Poß kritisierte in der Haushaltsdebatte des Bundestages auch die Euro-Politik der Regierung: Kanzlerin Angela Merkel schiebe die Verantwortung für die Stabilisierung des Euro der Europäischen Zentralbank zu, weil sie für ihren Kurs keine Mehrheit in der Koalition habe. "Sie suchen immer den Ausweg für Feiglinge statt sich zu stellen. Das ist ein historisches Versagen", sagte der Sozialdemokrat. An Schäuble gewandt sagte er: "Das ist schamlos, das ist verantwortungslos. Sie haben in ihrer Aufgabe als Bundesfinanzminister versagt."

Die Haushaltsdebatte wird am Dienstagnachmittag mit den Einzelplänen für Umwelt, Bildung und Gesundheit fortgesetzt. In der sogenannten Generaldebatte am Mittwoch wird dann Merkel sprechen. Die Schlussabstimmung über den Etat 2013 ist für den 25. November geplant.

heb/AFP/dapd/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 17 Beiträge
mischpot 11.09.2012
vergessen! Ja Deutschland ist schockresistenter gegen solche Politiker geworden.
vergessen! Ja Deutschland ist schockresistenter gegen solche Politiker geworden.
hanfiey 11.09.2012
Herr Schäuble, ich glaube Ihnen nicht!
Herr Schäuble, ich glaube Ihnen nicht!
radeberger78 11.09.2012
für die wie bluten müssen. Anstatt Schulden zu tilgen verteilen Sie es in ganz Europa, obwohl wir schon riesige Summen an EU Beiträgen zahlen. Irgendwo muss auch mal Schluß sein.
Zitat von sysopBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobt die Politik seiner schwarz-gelben Regierung. Er sieht Deutschland in der Euro-Krise gut aufgestellt - und verspricht: Trotz Nachtragshaushalt werde er die für 2012 geplante Neuverschuldung einhalten. Schäuble: "Deutschland ist schockresistenter geworden" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,855146,00.html)
für die wie bluten müssen. Anstatt Schulden zu tilgen verteilen Sie es in ganz Europa, obwohl wir schon riesige Summen an EU Beiträgen zahlen. Irgendwo muss auch mal Schluß sein.
gruenbonz 11.09.2012
was uns da mit der Euro-Schuldensuppe serviert wird, kann durch nichts mehr übertroffen werden. Die Pleite unseres Wohlfahrtstaates ist auch schon einkalkuliert.
was uns da mit der Euro-Schuldensuppe serviert wird, kann durch nichts mehr übertroffen werden. Die Pleite unseres Wohlfahrtstaates ist auch schon einkalkuliert.
Da sprudeln die Steuergeld wie verrückt, unsere Schulden bekommen wir fast zu Null Prozent Zinsen finanziert und diese Bande schämt sich nicht, noch immer keinen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Wenn nicht jetzt, wann denn ? [...]
Da sprudeln die Steuergeld wie verrückt, unsere Schulden bekommen wir fast zu Null Prozent Zinsen finanziert und diese Bande schämt sich nicht, noch immer keinen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Wenn nicht jetzt, wann denn ? Das ist eine ganz schlechte Haushaltsführung. Das Dumme daran ist nur dass die Opposition es auch nicht besser machen würde.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Haushaltspolitik

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 11.09.2012 – 12:49 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare






TOP



TOP