Euro-Krise: Schäuble bedrängt Athener Oppositionschef Tsipras

Vom Sparkurs seines Landes hält Alexis Tsipras nicht viel, bei seinem Besuch in Berlin konnte der griechische Oppositionschef aber seine Position nicht vermitteln. Finanzminister Schäuble machte klar, dass der eingeschlagene Weg der Athener Regierung alternativlos sei.

Griechenlands Oppositionchef Tsipras: Treffen mit Finanzminister Schäuble Zur Großansicht
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Griechenlands Oppositionchef Tsipras: Treffen mit Finanzminister Schäuble

Berlin - Das Treffen dauerte eine halbe Stunde, und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte für den griechischen Oppositionsführer Alexis Tsipras vom radikalen Linksbündnis Syriza eine klare Botschaft: Schäuble forderte Tsipras auf, den Sparkurs der konservativen Regierung in Athen mitzutragen. Nach einem Treffen der beiden Politiker am Montag in Berlin hieß es in Kreisen des Bundesfinanzministeriums, Schäuble habe gegenüber Tsipras unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die Umsetzung des wirtschaftlichen Anpassungsprogramms "alternativlos" sei: "Schäuble hat Herrn Tsipras aufgefordert, den eingeschlagenen Weg mitzutragen."

Die Begegnung war auf Tsipras' Wunsch zustande gekommen. Er steht der größten griechischen Oppositionspartei vor, die den mit hoher Arbeitslosigkeit und Einkommensverlusten verbundenen Konsolidierungskurs strikt ablehnt.

Im Finanzministerium hieß es, die Gesundung Griechenlands sei ein nationales Anliegen. Griechenland habe in den vergangenen Monaten große Reformanstrengungen unternommen. "Reformen sind der einzige und notwendige Weg, um Griechenland wieder auf den Weg zu wirtschaftlicher Gesundung zu bringen", hieß es im Umfeld Schäubles. Erfolge wie die Heraufstufung des Länder-Ratings und die Verbesserung der aktuellen Haushaltsdaten bestätigten dies.

hen/Reuters

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Schäuble und Vernunft -
Baikal 14.01.2013
das sind zwei sich gegenseitig auschließende Begriffe, störrisch und alternativlos - das ist Schäuble in Reinkultur.
2. .
frubi 14.01.2013
Zitat von sysopAPVom Sparkurs seines Landes hält Alexis Tsipras nicht viel, bei seinem Besuch in Berlin konnte der griechische Oppositionschef aber seine Position nicht vermitteln. Finanzminister Schäuble machte klar, dass der eingeschlagene Weg der Athener Regierung alternativlos sei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaeuble-trifft-griechischen-oppositionschef-tsipras-a-877405.html
Aussagen, die mit dem Wort "alternativlos" gewürzt werden, haben doch schon längst ihre Bedeutung verloren. Wie oft haben sich die Meinungen geändert und wie häufig wurde aus einem "alternativlos" schon ein "ja .. können wir doch machen"?
3. Warum sollte er auch den Sparkurs mittragen?
VirgoA 14.01.2013
der öffentliche Sektor und die wirtschaftliche Kultur des Landes schreien definitiv nach einer Sanierung. Leider wird zugleich massiv an Sozialleistungen gekürzt (und hier sprechen wir nicht von erfundenen Familienangehörigen um die Rente zu verdoppeln) und das bedeutet Krankenhäuser, Schulen und Sozialprojekte werden zusammengestrichen. Das ist gut für die Bilanz und den IWF, denn die Polizei und das Militär erfährt keine Kürzungen, das System muß im Zweifel verteidigt werden. Gleichzeitig wird leider nicht investiert, die Zinsen für die Zinsen für die Schulden werden dadurch auch nicht bezahlt. Von den "Hilfstranchen" verschwinden wie auch in Spanien um die 90% bei Großbanken, die meist nicht in GR oder Spanien sitzen, sondern bei uns oder in UK, F oder USA. Es wird quasi unser Steuergeld zur "Rekapitalisierung" von Banken und großen Versicherungen dahin umgeleitet. DAS versucht Tsipras zu erklären und zu stoppen. Niemals wird er damit bei dem ehrenwerten (siehe seine Unregelmässigkeiten Mitte der 90er) Dr.Schäuble durchkommen.
4.
garfield 14.01.2013
Zitat von sysopAPVom Sparkurs seines Landes hält Alexis Tsipras nicht viel, bei seinem Besuch in Berlin konnte der griechische Oppositionschef aber seine Position nicht vermitteln. Finanzminister Schäuble machte klar, dass der eingeschlagene Weg der Athener Regierung alternativlos sei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaeuble-trifft-griechischen-oppositionschef-tsipras-a-877405.html
Und Schäuble meint ernsthaft, er könne den Griechen mit der dümmlichen Phrase von der "Alternativlosigkeit" beeindrucken? Diese Art, mit Gegenpositionen umzugehen, stellt nur den Deutschen Michel ruhig. Wann werden bei uns endlich Journalisten und "politische Gegner" wach und quittieren die Äußerung dieses Unworts - gerade auf dem Felde politischer Entscheidungen - mit schallendem Gelächter?
5. alternativlos?
tjivi 14.01.2013
Ich kann es nicht mehr hören. Man kann nicht die ganze Mittelschicht eines Landes wegsparen und wirtschaftlichen Aufschwung erwarten. Das griechische Volk leidet genug. Wann werden Banken,Hedgefonds, Derivatehandel, Überschuldung aller EU Länder usw. endlich als Problem öffentlich genannt und entsprechend gehandelt?
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.