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Streit über Euro-Krise: Schäuble nimmt Altkanzler Kohl in Schutz

Beide sind seit langem zerstritten. Trotzdem hat jetzt Finanzminister Schäuble Helmut Kohl Rückendeckung gegeben gegen Vorwürfe, dieser sei mitverantwortlich für die Euro-Krise. Der Altkanzler sei nie sein Freund gewesen, sagte Schäuble zugleich der "Bild am Sonntag". Genauso wenig wie Angela Merkel.

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Finanzminister Schäuble: In der Politik nur einen einzigen Freund

Hamburg/Berlin - Zuletzt hat es wiederholt Kritik am ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gegeben: Er trage eine "maßgebliche Mitverantwortung" für die heutige Euro-Krise, sagte beispielsweise Kohl-Biograf Hans-Peter Schwarz im "Focus". Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf warf dem Altkanzler schwere Versäumnisse bei der Vorbereitung der Gemeinschaftswährung vor. "Helmut Kohl war der Zeitplan letztlich wichtiger als die Stabilität", sagte er dem Magazin.

Nun hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Altkanzler in Schutz genommen. "Die Kritik ist nicht begründet. Die Entscheidung, die D-Mark abzuschaffen, war nicht leicht, aber richtig", sagte er der "Bild am Sonntag" ("BamS"). Die Einführung des Euro bezeichnete Schäuble als eine der bedeutendsten geschichtlichen Erfolge Helmut Kohls.

Die beiden CDU-Politiker sind seit der Spendenaffäre der Partei vor mehr als zehn Jahren zerstritten. In einem SPIEGEL-Gespräch hatte Schäuble dazu erklärt: "In gewisser Weise kann ich ihn sogar verstehen, er war in einer verzweifelten Lage. Er hat geglaubt, sein ganzes Lebenswerk, seine historische Leistung, würde von der Spendenaffäre überdeckt. Ich habe damals gesagt, unsere persönliche Beziehung ist beendet."

Schäuble bestritt jetzt, dass es jemals freundschaftliche Beziehungen zu Kohl gegeben habe: "Wir waren enge politische Vertraute, aber keine Freunde. Er war Bundeskanzler, ich war ein zehn Jahre jüngerer politischer Mitstreiter. Kohl hatte andere Freunde."

Auch zu Bundeskanzlerin Angela Merkel bestehe keine persönliche Freundschaft: "Zu Angela Merkel habe ich in der heutigen Bundesregierung ein gutes und enges Vertrauensverhältnis, aber wir sind keine persönlichen Freunde."

Überhaupt habe er in der Politik nur einen einzigen Freund: den letzten Ministerpräsidenten der DDR. "Freundschaften und Politik sind eigentlich zwei verschiedene menschliche Lebensbereiche. Lothar de Maizière ist mir ein echter Freund geworden, aber die meisten meiner Freunde sind nicht aus der Politik", zitiert die Zeitung den Minister.

Gelassen sieht Schäuble, dass er weder Kanzler noch Bundespräsident wurde: "Es gibt 80 Millionen Deutsche. Wenn Sie es unter die ersten zehn schaffen, ist das doch nicht schlecht."

aar

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insgesamt 155 Beiträge
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1. und?
elizar 09.09.2012
sein schwarzgeld hat er trotzdem angenommen ...
2. Das Schicksal der Deutschen
Pinin 09.09.2012
- Warum laufen alle deutschen EU-Mandatsträger immer sofort von Deutschland zum in ihren Augen mächtigeren Europa über, während ihre Kollegen aus anderen Ländern immer noch an ihre Heimat-Nationen denken? - Warum verfolgen die Politiker aller deutschen Parteien nicht die Interessen Deutschlands sondern des in ihren Augen künftig mächtigeren Europas? - Warum stehen die deutschen Bürger, Wähler und Parlamentarier in Gegensatz zu den Bürgern und Wählern anderer Länder zu allen Zeiten unkritisch zur jeweils stärksten politischen Führungsgestalt? Da gibt's doch wohl nur einen Grund: Tragischerweise ist die Mehrzahl der Deutschen unverbesserlich kritiklos obrigkeitshörig (das sind die Leute "unten") oder begierig an der Macht der Mächtigsten teilzuhaben (das sind die Leute "oben"). Das erklärt übrigens auch die deutsche Standard-Tugend Disziplin. Und genau aus diesem Grund wird Deutschland auch in regelmäßigen Abständen von einer Katastrophe in die nächste stürzen – wie die Lemminge hinter ihren Leit-Tieren.
3.
eurogegner 09.09.2012
Natürlich ist es die Schuld von Helmut Kohl , von wem den sonst ? Etwa die Schuld der deutschen Bevölkerung die nicht gefragt wurden ist ?
4.
Philosophie 09.09.2012
Ein treuer vertrauensvoller Sachpolitiker.Es ist hämisch einen der erfolgreichsten Kanzler der Deutschen verantwortlich zu machen für die Zockereien der Banker.
5. Und die Kritik an Kohls überhasteter Euro-Einführung ist doch berechtigt!
Jasro 09.09.2012
Kurt Biedenkopf und die anderen Kohl-Kritiker haben doch - offensichtlich - völlig recht, wenn sie Kohls übereilte Euro-Einführung kritisieren. Warum musste Kohl die Euro-Einführung so schnell unbedingt "durchdrücken"? (Und mittlerweile muss auch mal die Frage gestattet sein: Warum war die Abschaffung der D-Mark und die Einführung des Euro überhaupt notwendig?)
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