Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schäuble über Varoufakis: "Er hat sich mir gegenüber völlig korrekt verhalten"

Schäuble und Varoufakis (r., Archivbild): "Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität" Zur Großansicht
DPA

Schäuble und Varoufakis (r., Archivbild): "Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität"

In der Sache hart, im persönlichen Urteil freundlich: Finanzminister Schäuble gibt sich gegenüber seinem griechischen Kollegen Varoufakis versöhnlich - und spricht der Athener Regierung sein Vertrauen aus.

Berlin - Über die Verlängerung des griechischen Hilfspakets gab es viel Streit, doch jetzt schlägt Finanzminister Wolfgang Schäuble versöhnliche Töne an. Er habe großes Vertrauen in die griechische Regierung, ihre Reformversprechen zu erfüllen, sagte er der "Bild am Sonntag". "Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität", man müsse einer neu gewählten Regierung erst mal etwas Zeit geben.

Für seinen griechischen Amtskollegen gab es statt Kritik nun sogar Lob, der Ärger über Giannis Varoufakis scheint verflogen. Für ihn seien "Verträge wichtiger als Statements oder Aussagen", sagte Schäuble. "Mein griechischer Kollege hat genauso viel Anspruch auf Respekt wie jeder andere. Er hat sich mir gegenüber völlig korrekt verhalten." Varoufakis und Ministerpräsident Tsipras seien "gut ausgebildet und kenntnisreich".

Schäuble bot erneut an, Athen bei der Reform des griechischen Steuersystems zu unterstützen: "Ich habe Varoufakis gesagt, dass mein Angebot noch steht, dass deutsche Steuerbeamte Griechenland helfen."

Zugleich blieb Schäuble aber in der Sache hart und machte deutlich, dass die griechische Regierung die Auflagen der Euro-Gruppe ohne Abstriche erfüllen müsse: "Herr Tsipras ist im Wort. Wenn Griechenland sich daran nicht hält, wird es keine weiteren Hilfen geben." Schäuble weiter: "Wir wollen keinen Grexit. Wir sind solidarisch, aber nicht erpressbar. Niemand hat den Griechen das Hilfsprogramm aufgezwungen. Es liegt also ganz in der Hand der Regierung in Athen."

Auch bei einem eventuellen dritten Hilfspaket für Griechenland Mitte des Jahres will Schäuble harte Auflagen machen: "Ob Griechenland weitere Hilfen braucht, wird man sehen, wenn das zweite Programm beendet ist. Egal was kommt, wir werden sehr strenge Maßstäbe anlegen."

Tsipras hat am Freitag vor seinem Kabinett jedoch ausgeschlossen, ein weiteres Hilfspaket zu beantragen: "Das griechische Volk hat die Programme abgewählt", sagte er.

Griechenland hatte sich nach wochenlangen Verhandlungen am Dienstag mit der Euro-Gruppe auf Reformzusagen geeinigt, im Gegenzug wird das zweite Hilfsprogramm um vier Monate bis Juni verlängert. Der Bundestag hatte dem Plan am Freitag mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Verlängerung bedeutet zunächst kein zusätzliches Geld für Athen, sondern die Auszahlung bereits vereinbarter Notkredite zu einem späteren Zeitpunkt.

sun

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nun ja,
winnetou16 01.03.2015
hat nicht Schäuble der griechischen Regierung vor 4 Jahren auch schon sein Vertrauen ausgesprochen? War es nicht auch Schäuble der den Satz gesagt hat " Griechenland ist auf einem guten Weg " ? Also wenn Schäuble jenabd das Vertrauen ausspricht, kostet uns das meistens Geld und ändern tut sich überhaupt nichts, nur der Schuldenstand für den deutschen Steuerzahler.
2. Was soll der Herr Schaeuble
andreasposter 01.03.2015
sonst sagen ? Nachdem er schoen brav die Verlaengerung des Dramas mit absehbarem Ausgang abgenickt hat ? Und die Regierung sich angesichts Putins Vorgehen und Drohungen einen Knalleffekt in der EU / in der Eurozone nicht leisten kann ?
3. Schäuble braucht auch Varoufakis
raber 01.03.2015
Ob Herr Varoufakis auch meint,dass Herr Schäuble sich ihm gegenüber völlig korrekt verhalten hat? Warum sollte nur Herr Varoufakis diesbezüglich eingeschätzt werden? Beim Verhandeln, besonders in der Aussenpolitik, haben schon mehrere "hochkarätige" deutsche Politiker kläglich versagt. Hoffen wir, dass Herr Schäuble diesen Eindruck nicht verstärkt. Er weiss auch, dass der Hauptbegünstigte der EU Deutschland ist.
4. profi
asedky 01.03.2015
schauebele ist und bleibt ein hervorragender deutscher politiker. er gehoert zu den eminenzen des gescaeftes. einer der global besten.
5. MAn muß unterscheiden zwischen Vertrauen in die Person
analyse 01.03.2015
und Vertrauen in die Politik ! Da der Sozialismus im Prinzip nicht funktioniert und in der Realität auch noch nie funktioniert hat,kann sich Herr Varoufakis noch so sehr ehrlich bemühen,es wird nicht gelingen,es sei denn,er betreibt vernünftige statt sozialistische Politik,da hat er es schon schwer genug. Dann aber,sind seine linken Wähler unzufrieden !Ein Dilemma ! Das geringste Üebel und auch noch schwer genug:Zurück zur Drachme,neu wählen und dann soll Europa,voran Deutschland den Griechen mit EUROS helfen !Egal,ob das auch für uns teuer wird,das griechische Volk hätte es verdient !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: