Merkels Treffen mit Schavan: In aller Freundschaft

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Vertraute Schavan, Merkel (im Mai 2012 im Bundestag): "In Ruhe über alles reden"

Die Entscheidung über Annette Schavans politische Zukunft steht bevor. Spätestens am Wochenende will Angela Merkel mit der Bildungsministerin "in Ruhe über alles reden". Also auch über einen möglichen Rücktritt. Die beiden sind befreundet - es wird kein leichtes Gespräch.

Berlin - Annette Schavan hat am Freitag viel Zeit zum Nachdenken. Rund 13 Stunden dürfte sie brauchen, um die mehr als 9000 Kilometer Luftlinie zwischen Kapstadt und Berlin zu überwinden. Was wird aus ihr? Ist ihre politische Karriere wirklich vorbei? Diese Fragen werden der CDU-Politikerin an Bord der Regierungsmaschine wohl durch den Kopf gehen. Vielleicht überlegt sie noch. Vielleicht kennt sie die Antworten schon.

Wann genau die Öffentlichkeit erfährt, welche Antworten es sind, ist noch ungewiss. Noch am Freitag? Am Wochenende? Oder doch erst am Montagmorgen?

Noch ist nach dem Entzug von Schavans Doktortitel alles in der Schwebe. Am frühen Abend sollte die Bildungsministerin von ihrer Dienstreise aus Südafrika zurückkehren. Über den genauen Zeitpunkt schwieg sich ihr Ministerium aus. Ebenso wenig wurde ein Termin für das anstehende persönliche Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schavan mitgeteilt. Auch Merkel war noch unterwegs am Freitag, beim EU-Rat in Brüssel. Solche Gipfel können lange dauern, in der zurückliegenden Verhandlungsnacht hat die Regierungschefin nicht geschlafen.

Das Vieraugengespräch muss also nicht zwingend noch am Abend stattfinden, zumal die Kanzlerin keinen Eindruck von Eile oder gar Panik vermitteln will. Merkel und Schavan wollen "über alles in Ruhe" reden, hat der Regierungssprecher angekündigt. Über alles. Also auch über einen möglichen Rücktritt. Merkel hat es vermieden, Schavan eine Jobgarantie zu geben, und so gehen die meisten Beobachter, selbst in der CDU, davon aus, dass Schavan ihr Ministeramt abgeben muss. Längst werden die Namen möglicher Nachfolger gehandelt. Als eine Favoritin gilt die niedersächsische Noch-Wissenschaftsministerin Johanna Wanka.

Kein leichtes Treffen für Merkel und Schavan

Es geht am Ende nicht darum, ob Schavan wirklich schuldig ist. So findet sich kein Christdemokrat, der glaubt, dass sie bei ihrer Doktorarbeit vor 33 Jahren wirklich dreist geschummelt hat. Unverhältnismäßig sei das Urteil der Universität Düsseldorf, heißt es stets. Selbst der Opposition fällt es schwer, Schavan frontal anzugreifen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, ihm tue die Situation für Schavan leid, die eine "ausgesprochen kluge und anständige Kollegin" sei. Und auch etliche der Kommentatoren, die den Rücktritt für unausweichlich halten, vergessen nie, darauf hinzuweisen, dass die Höchststrafe der Hochschule zumindest fragwürdig sei.

Aber was hilft es? Eine Ministerin, der in einem formalen Verfahren der Titel entzogen wurde, kann schwerlich glaubwürdig für die Qualität der Wissenschaft eintreten. In zwei am Freitag veröffentlichten Umfragen sprach sich jeweils eine große Mehrheit der Deutschen für einen Rücktritt Schavans aus. Bliebe sie im Amt, um parallel in einem monatelangen Gerichtsverfahren um ihren Ruf zu kämpfen, wäre die Ministerin wohl eine zu große Belastung für die Bundesregierung. Und das acht Monate vor der Bundestagswahl. Merkel darf im Wahlkampf keine Angriffsfläche bieten. Schavan weiß: Sie muss Schaden von der Kanzlerin abwenden. Und das wird sie nur durch einen geordneten Rückzug tun können.

So ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Gespräch einen für beide nur schwer zu ertragenden Ausgang nehmen wird. Merkel und Schavan sind seit mehr als einem Jahrzehnt politische Weggefährten, seit acht Jahren dient Schavan Merkel als loyale und verlässliche Ministerin. Unaufgeregt und uneitel in ihrem Auftreten teilen sie das gleiche Image. Die Protestantin aus dem Osten und die Katholikin aus dem Westen gelten als Vertraute, ja als Freundinnen, ein Begriff, der im Berliner Polit-Betrieb nicht allzu häufig verwendet wird. Wenn sich die Freundinnen nun politisch voneinander trennen müssen, wird das bei allem Pragmatismus und Machtkalkül weder Merkel noch Schavan leichtfallen.

Schavans Worte über Guttenberg

Dabei ist es eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet das enge Vertrauensverhältnis der beiden den Rücktrittsbefürwortern zusätzliche Munition liefert. Denn es gibt da diese Fotos von Merkel und Schavan, entstanden im März 2011 auf der Computermesse Cebit in Hannover. Zu sehen ist, wie die Kanzlerin der Ministerin ihr Handy zeigt. Schavan guckt auf das Display, dann schauen sich die beiden an. Die Blicke, das wissende Lächeln, die wortlose Kommunikation - es gibt wohl keine Szene, die die Nähe zwischen Kanzlerin und Ministerin besser symbolisiert. Und das in dem Moment - diese Geschichte hält sich hartnäckig -, in dem Merkel per SMS vom Rücktrittsentschluss des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erfahren haben soll, der seinerzeit des Plagiats bei seiner Doktorarbeit überführt wurde.

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3  Bilder
Merkel und Schavan: Vertraute Blicke und eine legendäre SMS
Am Tag zuvor hatte Schavan in einem Interview zur Causa Guttenberg den inzwischen fast schon legendären Satz gesagt: "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich." Weil sie von Schavan kamen, wurden diese Worte als indirekte Botschaft Merkels verstanden, als verklausulierte Rücktrittsaufforderung. Und sie werden Schavan nun, da sie selbst unter Druck steht, immer und immer wieder unter die Nase gerieben - weil sie damit die moralische Messlatte für sich selbst gesetzt hat.

Die "Süddeutsche Zeitung", die das Interview damals führte, erinnerte in diesen Tagen aber auch daran, dass Schavan in jenem Gespräch auch noch ganz andere Sätze sagte, die heute gerne unterschlagen werden. Einer davon lautete: "Für einen Minister gilt das Gleiche wie für jeden Menschen: Er hat eine zweite Chance verdient."

Das sagte Schavan über Guttenberg, der seine Doktorarbeit ungeniert zusammenkopiert hat. Schavans Verstöße sind mit jenen Guttenbergs nicht zu vergleichen. Und doch sieht es nicht danach aus, als könne nun Schavan auf eine zweite Chance im Amt hoffen.

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1. Die Matrone wird abtreten.
Nabob 08.02.2013
Zitat von sysopdapdDie Entscheidung über Annette Schavans politische Zukunft steht bevor. Spätestens am Wochenende will Angela Merkel mit der Bildungsministerin "in Ruhe über alles reden". Also auch über einen möglichen Rücktritt. Die beiden sind befreundet - es wird kein leichtes Gespräch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schavan-trifft-merkel-tritt-bildungsministerin-am-wochenende-zurueck-a-882222.html
Daran kommt auch die angebliche Freundschaft nicht vorbei bzw. damit wird sie auch beendet sein, weil die Merkel sich nicht indirekt mit in diese Sache zum eigenen Nachteil hineinziehen lassen wird.
2. Ganz einfach...
fatherted98 08.02.2013
...Merkel muss Shavan nur das Video mit deren Kommentar zu Guttenberg vorspielen...dann kann sie sich jedes weitere Gespraech sparen.
3.
kfp 08.02.2013
Zitat von sysopdapdDie Entscheidung über Annette Schavans politische Zukunft steht bevor. Spätestens am Wochenende will Angela Merkel mit der Bildungsministerin "in Ruhe über alles reden". Also auch über einen möglichen Rücktritt. Die beiden sind befreundet - es wird kein leichtes Gespräch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schavan-trifft-merkel-tritt-bildungsministerin-am-wochenende-zurueck-a-882222.html
Womit bewiesen wäre, dass in D wirklich nur leere Titel zählen, nicht Inhalte. Geschummelt oder nicht ist unwichtig, Titel weg - Job weg...
4.
Zaunsfeld 08.02.2013
Die soll sich wegmachen aus dem Amt. Betrüger haben wir schon genug. Da muss man sie nicht auch noch in Amt und "Würden" lassen, wenn sie ausnahmsweise mal erwischt werden.
5.
spon-facebook-10000414607 08.02.2013
Och nö, bitte keine zweite Amtszeit für diese Frau.
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