Merkel und Schavan im Wortlaut: "Sehr schweren Herzens"

Ministerin Schavan (l.), Kanzlerin Merkel: "Außerordentliche Leistung" Zur Großansicht
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Ministerin Schavan (l.), Kanzlerin Merkel: "Außerordentliche Leistung"

Es war keine leichte Ansprache für die Kanzlerin: "Schweren Herzens" hat Angela Merkel am Samstag den Rücktritt von Annette Schavan als Bildungsministerin verkündet. Diese sprach von möglichen Schäden für das Amt. Lesen Sie hier beide Erklärungen im Wortlaut.

Die Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Wortlaut:

"Annette Schavan hat mir gestern Abend ihren Rücktritt vom Amt der Bundesministerin für Bildung und Forschung angeboten. Ich habe diesen Rücktritt sehr schweren Herzens angenommen. Ich habe heute Vormittag darüber auch den Bundespräsidenten unterrichtet.

Sehr schweren Herzens nur habe ich den Rücktritt angenommen, weil mit Annette Schavan eine der anerkanntesten und profiliertesten Bildungs- und Forschungspolitikerinnen unseres Landes, im Grunde die anerkannteste und profilierteste Bildungspolitikerin unseres Landes, die Bundesregierung verlassen wird. Sieben Jahre Bundesbildungsministerin, zuvor zehn Jahres Landeskultusministerin, insgesamt also 17 Jahre im Dienste für den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Das sucht seinesgleichen. Und man kann sagen, Annette Schavan lebt Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftspolitik.

Ihre Leistung als Ministerin in diesen wichtigen Ressorts ist außerordentlich. Bildung und Forschung in Deutschland, die Einrichtungen von Lehre und Wissenschaft verdanken ihr viel. Annette Schavan weiß, dass das beste an unserem Land die Köpfe und die Kreativität unserer Schüler, Studenten, Auszubildenden, Lehrer und Wissenschaftler sind. Mit ihrem Namen bleiben wegweisende Maßnahmen und Initiativen verknüpft, die diesen Schatz pflegen.

Sie hat früh erkannt, dass Bildungs- und Forschungspolitik beides leisten muss. Junge Menschen in unserem Land die bestmöglichen Chancen zu bieten, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, und einen entscheidenden Beitrag zu unserer weltweiten Wettbewerbsfähigkeit und damit Sicherung unseres Wohlstandes zu leisten. Sie weiß, dass gute Bedingungen im Studienalltag für die höchste Zahl an Studentinnen und Studenten, die wir in Deutschland je hatten, ebenso wichtig sind wie die Förderung von Exzellenz- und Spitzenleistungen im globalen Vergleich.

Und genau deshalb stellt sie jetzt in dieser Stunde ihr eigenes, persönliches Wohl hinter das Wohl des ganzen, hinter das Gemeinwohl. Diese Haltung macht Annette Schavan aus. Ich danke ihr von ganzem Herzen für alles, was sie bislang in ihrem beruflichen Leben für unser Land, für seine Bildung, seine Wissenschaft und Forschung geleistet hat."


Mit diesen Worten erklärte Annette Schavan (CDU) ihren Rücktritt vom Posten der Bundesbildungsministerin:

"Vielen Dank, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke zunächst der Bundeskanzlerin. Ich danke dir, liebe Angela, für deine Worte und deine Würdigung heute und für Vertrauen und für Freundschaft über viele Jahre. Freundschaft hängt nicht an Amtszeiten und wirkt über diesen Tag hinaus.

Meine Damen und Herren, am 2. Mai des vergangenen Jahres sind anonyme Plagiatsvorwürfe im Blick auf meine Dissertation von vor 33 Jahren öffentlich geworden. Ich habe am gleichen Tag den Rektor der Universität in Düsseldorf gebeten, diese Vorwürfe prüfen zu lassen. Die philosophische Fakultät hat am vergangen Dienstag die Ungültigkeit meiner Promotion entschieden. Ich werde diese Entscheidung nicht akzeptieren und dagegen klagen.

Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht. Die Vorwürfe, das habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach gesagt, treffen mich tief. Zugleich hatte ich nicht zuletzt in den Tagen der Delegationsreise in Südafrika Gelegenheit, gründlich über politische Konsequenzen nachzudenken.

Wenn eine Forschungsministerin gegen eine Universität klagt, dann ist das mit Belastungen verbunden für mein Amt, für das Ministerium, die Bundesregierung und auch die CDU. Und genau das möchte ich vermeiden, das geht nicht, das Amt darf nicht beschädigt werden.

Politische Ämter sind Ämter auf Zeit. Ich hatte eine lange Zeit, 17 Jahre als Kultusministerin in Baden-Württemberg und jetzt als Mitglied der Bundesregierung seit sieben Jahren, politisch gestalten zu können. Ich habe das gerne getan. Ich habe mich in all den Jahren auf die Loyalität und den hohen Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stuttgart und Berlin verlassen können. Auch deshalb waren es gute Jahre, für die ich sehr dankbar bin.

Ich möchte ausdrücklich den Mitgliedern der Bundesregierung, den Kolleginnen und Kollegen im Parlament quer durch die Fraktionen dafür danken, dass ich in den vergangenen Wochen und Monaten viel Fairness, Zuspruch und Solidarität erfahren habe. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, zumal wenn es quer durch die Fraktionen geht.

Meine Entscheidung resultiert aus genau der Verantwortung, aus der heraus ich mich bemüht habe, mein Amt zu führen. Einer Verantwortung, die verbunden ist mit der Überzeugung, die Erwin Teufel oft formuliert hat in den Worten: Zuerst das Land, dann die Partei und dann ich selbst. Und deshalb denke ich, der heutige Tag ist der richtige Tag, aus dem Ministeramt zu gehen und mich auf mein Bundestagsmandat zu konzentrieren. Vielen Dank."

jok/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Liebe SPONis,
motzklotz 09.02.2013
Zitat von sysopEs war keine leichte Ansprache für die Kanzlerin: "Schweren Herzens" hat Angela Merkel am Samstag den Rücktritt von Annette Schavan als Bildungsministerin verkündet. Diese sprach von möglichen Schäden für das Amt. Lesen Sie hier beide Erklärungen im Wortlaut. Schavans Rücktritt: Merkels Erklärung im Wortlaut - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schavans-ruecktritt-merkels-erklaerung-im-wortlaut-a-882404.html)
tränenverschleierte Augen hinderten mich am Lesen dieser weltbewegenden news. Lassen Sie mich Ihnen meine tiefe Erschütterung über diesen, fast unersätzlichen Verlust deutschen Wesens in Bildung und Kultur aussprechen. Was wird Deutschland nur ohne diese Leuchte in Bildung, Anstand und Ehrenhaftigkeit machen. So gehen wir sehenden Augen den Bach runter, wie ich betrübt konstatieren muss. Aber wie es immer heißt: jeder ( diesmal Deutschland ) bekommt was er verdient hat.
2.
lab61 09.02.2013
Zitat von sysopEs war keine leichte Ansprache für die Kanzlerin: "Schweren Herzens" hat Angela Merkel am Samstag den Rücktritt von Annette Schavan als Bildungsministerin verkündet. Diese sprach von möglichen Schäden für das Amt. Lesen Sie hier beide Erklärungen im Wortlaut. Schavans Rücktritt: Merkels Erklärung im Wortlaut - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schavans-ruecktritt-merkels-erklaerung-im-wortlaut-a-882404.html)
Es war ja wohl zu erwartetn. Wenn irgendetwas oder irgendwer im Wahlkampf eine Gefahr für Mutti auch nur ansatzweise darstellen könnte, muss derjenige über die Klippe springen... Da führt kein Weg dran vorbei. ABgeshen von diesem Machtmechanismus habe ich Frau Schavan nach diesem Entzug des Doktortitels als Bildungsministerin eben auch für nicht mehr tragbar gehalten... Vor allem auch nach den hohen Masstäben, die sie (sich selbst) im Verlauf der Affaire Guttenberg auferlegt hat.
3.
sirisee 09.02.2013
... der Spruch ist falsch, aber Schavan-typisch, ein echter freudscher Versprecher: Das Motto lautet "Erst das Land, dann die Partei", d.h. es geht nur darum, dass das Gemeinwohl vor der Parteiräson steht. Bei Frau S. kommt das "ich selbst" bereits dort, wo bei vielen anderen noch ganz anderes käme, z. B. das Gewissen, die Häme gegenüber Guttenberg, oder wissenschaftliche Redlichkeit. Kennt Frau Schavan offenbar nicht. Glücklich ist, wer kein Gewissen hat und sich als drittwichtigtes nach Land und Partei ansieht....
4. Wann wackelt Merkel?
Ausfriedenau 09.02.2013
Das Phänomenale an Merkel ist, dass nahezu alles, was Merkel zu verantworten hat, irgendwann zusammenbricht, ohne dass die Medien und die Öffentlichkeit es ihr anlasten. Ein Vielzahl der unrühmlich gescheiterten Personen sind von Merkel selbst in diese Positionen gehievt worden, oftmals gegen den Widerstand selbst ihr nahestehender Mit- und Zuarbeiter. Merkel besitzt weder die Fähigkeit, geeignetes Personal auszuwählen, noch ist sie in der Lage, Perspektiven aufzuzeigen und unsere Demokratie weiterzuentwickeln. Es gibt nichts Visionäres mehr in diesem Merkelstaate!! Im Ggegenteil: Unter Merkel werden die gesellschaftlichen Errungenschaften Schritt für Schritt abgebaut, der Sozialstaat gebeutelt und ein Großteil der Bürger um ihre Verdienste gebracht. Sie ist die risikoscheue Verwalterin eines immer brüchiger werdenden, langweiligen Staatsgebildes. Mindestens wäre von einer ehemaligen überzeugten DDR-Staatsbürgerin zu erwarten gewesen, dass sie sich vehement gegen nationalsozialistische Entwicklungen stemmt und dieses neoliberale Marktgefasel der FDP einbremst. Aber nichts, nichts, nichts. Sie ist eine politische Nullnummer, ohne dass der Durchschnittswähler es merkt. Wie lange noch???
5. Merkels Promotion ist womöglich auch getürkt!
Doppelklicker 09.02.2013
Als promovierte Physikern behauptet sie bis heute, die drei Türme 1,2 und 7 des WorldTradeCenter seien durch Flugzeugeinschläge (WTC1 und 2) bzw. "weiß nicht warum" (WTC 7) eingestürzt. Lebt eigentlich ihr Doktorvater noch, und was meint der zu diesem Unsinn?
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