Scheidender Regierungssprecher Merkel wegen Wilhelm-Nachfolge unter Druck

Angela Merkel hat noch immer keinen Nachfolger für den scheidenden Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gefunden. Mit ihrem Zögern schade sie der Glaubwürdigkeit des designierten BR-Intendanten, sagte SPD-Politiker Oppermann dem SPIEGEL. Die Staatsferne des Öffentlich-Rechtlichen müsse gewahrt werden.

Designierter BR-Intendant: Ulrich Wilhelm
ddp

Designierter BR-Intendant: Ulrich Wilhelm


Berlin/München - Die ungelöste Nachfolge des bereits als Intendant des Bayerischen Rundfunks bestellten Regierungssprechers Ulrich Wilhelm (CSU) wird für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zunehmend zum Problem. "Die Bundeskanzlerin hätte die Nachfolge längst klären müssen", kritisiert der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Mit ihrem Zaudern bei der Entscheidung über die Nachfolge bringe die Kanzlerin Wilhelm in einen unnötigen Konflikt.

Hintergrund ist die auch in Regierungskreisen verbreitete Befürchtung, der Regierungssprecher könne schon jetzt bei jeder Entscheidung als künftiger Senderchef wahrgenommen werden. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss staatsfern bleiben", sagt Oppermann.

Bei ihrer Suche gerät Merkel zunehmend unter Zeitdruck, da Wilhelm demnächst ausscheidet. Wie in Regierungskreisen zu hören ist, hat Merkel die Sache lange vor sich hergeschoben, weil sie Wilhelm am liebsten behalten hätte. Auch in der Koalition wird nun mit Sorge darauf hingewiesen, dass sich Merkel gerade in diesen Krisenzeiten keine Vakanzen in der öffentlichen Darstellung erlauben könne.

Merkel hat drei Namen im Kopf. Der Kandidat soll zwar eine eigene Meinung haben, aber keine eigene politische Agenda. Damit scheiden viele der derzeit genannten Kandidaten aus dem publizistischen Raum aus. Am liebsten würde Merkel ihre langjährige enge Vertraute im Kanzleramt, Eva Christiansen, zur neuen Regierungssprecherin machen. Dagegen sprechen aber private Gründe. Christiansen ist alleinerziehende Mutter eines kleinen Kindes, was mit dem Amt des Regierungssprechers kaum vereinbar ist.



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