Schlagabtausch Stoiber und Schröder finden einander hirnrissig


Hamburg - Im Streit um die Verlegung des Nationalfeiertages sind Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CSU-Chef Edmund Stoiber hart aneinander geraten. Schröder sei "offensichtlich von seiner parteiinternen Niederlage schwer getroffen, wenn er von seiner eigenen Fehlentscheidung durch persönliche Angriffe abzulenken versucht", sagte Stoiber der "Bild"-Zeitung.

Der Ministerpräsident Bayerns reagierte damit auf eine Äußerung des Bundeskanzlers, der mit Blick auf den CSU-Vorsitzenden erklärt hatte: "Offenbar ist es so, dass die Hirnrisse eher bei ihm zu finden sind als bei anderen." Diese Äußerung Schröders bezog sich auf die Kritik Stoibers, der Pläne zur Streichung des 3. Oktober seinerseits als "hirnrissig" bezeichnet hatte. Stoiber sagte: "Schröders Entscheidung ist und bleibt hirnrissig." Der CSU-Chef fügte hinzu: "Die Reaktion des Kanzlers spricht für sich."

Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kritisierte Schröder scharf. Auf einer Regionalkonferenz ihrer Partei in Lübeck sprach Merkel heute von einem "Durcheinander und Hickhack", das niemand in Europa und der Welt verstehen könne. Die inzwischen zurückgenommenen Regierungspläne bezeichnete sie als eine "absurde Idee".

"Dieser 3. Oktober ist einer der schönsten Teile unserer deutschen Geschichte", rief Merkel unter dem Beifall der Konferenzteilnehmer. Außer in Nepal und einem karibischen Staat gebe es keine rollenden Nationalfeiertage. Schröder selbst habe noch 1989 die Frage der Deutschen Einheit als die Lebenslüge des deutschen Volkes bezeichnet. "Das lassen wir mit uns nicht machen", betonte die Parteichefin.

Weiteres Thema der Regionalkonferenz war der Antrag "Wachstum, Arbeit und Wohlstand" des Bundesvorstandes der CDU für den Parteitag am 6. und 7. Dezember in Düsseldorf. Zu dem Dauerstreit mit der bayerischen Schwester um die Gesundheitsreform sagte Merkel: "Ich hoffe, dass die Gespräche mit der CSU bald zum Abschluss gebracht werden." Allerdings warnte die Parteichefin davor, "der Diskussion aus dem Weg zu gehen, wenn es in Deutschland vorangehen soll".

Nach Informationen des "Tagesspiegel" haben sich Merkel und Stoiber auf das weitere Vorgehen im Gesundheitsstreit verständigt. Wie das Blatt erfuhr, sprachen sie in Berlin eine gute Stunde miteinander. Dabei bekräftigten sie laut Zeitung den Willen, noch vor dem CSU-Parteitag Ende November einen Kompromiss zu erzielen. Die Details sollten zwischen den Fachleuten geklärt werden. Die CDU lehnte eine Stellungnahme zu dem Treffen und dessen Inhalt ab.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.