Schlammschlacht Hannelore-Kohl-Stiftung wehrt sich gegen Kohl

Turbulenzen bei der Hannelore-Kohl-Stiftung: Helmut Kohl legt seine Ämter nieder und überzieht den Vorstand mit Vorwürfen. Im Gegenzug attackieren die Verantwortlichen den Altkanzler: Er wolle die Organisation so umbauen, dass er nach seinem Willen schalten und walten könne.


Berlin/Düsseldorf - "Was in dem Brief steht, stimmt absolut nicht." Der Vorstand der Hannelore-Kohl-Stiftung wehrt sich gegen die Attacke von Altkanzler Helmut Kohl. Stiftungsvorstand Klaus Mayer sagte der Nachrichtenagentur AP: "Wir fühlen uns Hannelore Kohl, ihrer Arbeit, ihrem Wirken verpflichtet und haben das - weiß Gott - in den vergangenen Jahren bewiesen."

Helmut Kohl (Archivbild): "Unfreundliche Übernahme"
DDP

Helmut Kohl (Archivbild): "Unfreundliche Übernahme"

Helmut Kohl hatte zuvor erklärt, alle Ämter in der Stiftung niederzulegen, und die Verantwortlichen aufgefordert, künftig auf den Namen seiner verstorbenen Frau zu verzichten. Die Stiftung repräsentiere nicht mehr die Interessen und den Willen seiner verstorbenen Frau, erklärte der Altkanzler in einem Brief.

Kohl begründete seinen Rückzug mit einer "unfreundlichen Übernahme" der Stiftung durch Personen, "die in keiner Beziehung zu meiner verstorbenen Frau standen". Gemeint zu sein scheint die Präsidentin Ute-Henriette Ohoven, Unesco-Sonderbotschafterin und Vertreterin der deutschen Schickeria. Ohoven, die 2002 nach dem Tod von Hannelore Kohl den Präsidentenposten übernahm, will die Stiftung jedoch im Sinne von Hannelore fortführen. "Was sie begonnen hat, ist für uns Herausforderung und Verpflichtung für die Zukunft", sagte Ohoven.

Der Altkanzler wirft der Stiftung vor, dass während seiner schweren Krankheit im vergangenen Jahr das Kuratorium um mehrere Mitglieder erweitert worden sei - ohne dies vorher mit ihm abzustimmen.

Die Stiftung wies die Vorwürfe des Altkanzlers nun entschieden zurück - und wirft Kohl im Gegenzug vor, er habe die bislang von einem weitgehend unabhängigen Kuratorium geleitete Stiftung in eine "klassische Familienstiftung" umwandeln wollen, in der er allein den Vorstand hätte einsetzen und absetzen können.

Kohls plötzlicher Eifer wirke umso verwunderlicher, weil sich der CDU-Politiker bislang nur wenig um die Stiftung gekümmert habe. Der frühere Bundeskanzler sei zwar Ehrenvorsitzender der Stiftung gewesen, habe aber keinerlei Funktion oder Weisungsrecht gehabt. "Um Einzelheiten des operativen Geschäfts hat er sich nicht gekümmert", sagte Mayer.

Von einer "unfreundlichen Übernahme" könne ohnehin keine Rede sein, beteuerte der Stiftungsvorstand. In den vergangenen eineinhalb Jahren seien lediglich zwei Ärzte neu in das Kuratorium aufgenommen worden. "Das sind ausgewiesene Fachleute, die immer in enger Beziehung zu Frau Kohl und ihrer Aufgabe standen." Beide seien von der Gründerin der Stiftung sehr geschätzt worden.

Die Stiftung, die sich um Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Verletzungen kümmert, war von Kohls im Juli 2001 gestorbener Frau gegründet worden. Sie verfügt nach eigenen Angaben über ein Stiftungskapital von 15 Millionen Euro. Seit 1983 flossen laut Mayer insgesamt 27 Millionen Euro in die Forschung und in die Förderung von Rehabilitationskliniken. Die Stiftung werde jedes Jahr von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüft und habe immer wieder die ordnungsgemäße Verwendung der Gelder bestätigt bekommen, sagte Mayer.

cte/AP/AFP



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