Geplante antipolnische Rede: Eklat vor Schlesiertreffen in Hannover

Pawelka bei dem Deutschlandtreffen der Schlesier 2009: Geplante Rede dient nicht der deutsch-polnischen Versöhnung Zur Großansicht
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Pawelka bei dem Deutschlandtreffen der Schlesier 2009: Geplante Rede dient nicht der deutsch-polnischen Versöhnung

Vor dem Schlesiertreffen in Hannover ist es zu einem Eklat gekommen. Die geplante Rede des Bundesvorsitzenden Rudi Pawelka enthält antipolnische Töne. Niedersachsens Innenminister Pistorius und Landtagspräsident Busemann sagten deshalb ihren Auftritt ab.

Hannover - Der Chef der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, sorgt für Unmut: Seine geplante Rede für das Deutschlandtreffen der Schlesier am Wochenende in Hannover enthält antipolnische Töne. Das geht aus Passagen hervor, die vorab bekannt geworden sind. Sowohl Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) als auch Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagten deshalb ihre Teilnahme an dem Treffen ab.

Hintergrund für die Absage ist nach Angaben des Innenministeriums die Rücktrittserklärung von Michael Pietsch. Dieser sei am Donnerstag vom Amt des Präsidenten der Bundesdelegiertenversammlung - Schlesische Landesvertretung - zurückgetreten. Anders als in den vergangenen Jahren stehe dieser damit nicht als Moderator des Deutschlandtreffens zur Verfügung.

Fehlender Versöhnungsgedanke

"Herr Pietsch gehört zu den Funktionsträgern der schlesischen Heimatvertriebenen, für die der Versöhnungsgedanke zwischen Deutschen und Polen im Vordergrund steht", heißt es in der Presseerklärung des Ministeriums. Dieser Gedanke sei auch der Landesregierung und dem Landtagspräsidenten besonders wichtig. "Er kommt in den intern bekannt gewordenen Redeentwürfen des Bundesvorsitzenden der schlesischen Landsmannschaft, Rudi Pawelka, nicht zum Ausdruck."

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten leider gezeigt, dass es entgegen der Ankündigung immer wieder zu rückwärtsgewandten Äußerungen durch Pawelka komme. Pistorius hatte eigentlich geplant, die Veranstaltung am Samstag zu besuchen, Landtagspräsident Busemann am Sonntag.

Dieser sagte, die geplante Rede Pawelkas diene nicht der deutsch-polnischen Versöhnung. Außerdem wolle dieser in seiner Rede Bundeskanzlerin Angela Merkel und auch die CDU ins Visier nehmen. Neben Pietsch hätten auch andere Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt angekündigt.

"Ungelöste Fragen aus der Vertreibung"

Der Innenminister und der Landtagspräsident setzen damit ein klares Zeichen gegen die revanchistischen Töne von Pawelka. Der hatte zum Beispiel 2011 auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier über eine polnische Beteiligung am Holocaust gesprochen - der damalige Ministerpräsident Niedersachsens David McAllister (CDU) verließ damals den Saal.

Auf der Homepage seines Verbandes schreibt Pawelka zu der Veranstaltung am Wochenende: "Das Deutschlandtreffen bietet auch die beste Gelegenheit, die nach wie vor ungelösten Fragen aus der Vertreibung anzusprechen."

Wegen antipolnischer Töne und dem Vorwurf einer mangelnden Abgrenzung von Rechtsextremisten standen die Landsmannschaft und Unterorganisationen immer wieder in der Kritik. Das alle zwei Jahre abgehaltene Deutschlandtreffen mit Zehntausenden Teilnehmern wird in Hannover organisiert, da Niedersachsen Partnerland der Schlesier ist. Die Mehrzahl dieser Vertriebenengruppe - insgesamt rund 70.000 - fand nach dem Krieg in Niedersachsen eine neue Heimat. Jeder vierte Niedersachse hat schlesische Wurzeln.

heb/dpa

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