Schleswig-Holstein CDU für Recht auf Schweinefleisch in öffentlichen Kantinen

Immer diese Vegetarier! Und dann noch die Muslime! Die CDU Schleswig-Holstein fordert: Schluss mit "falschverstandener Rücksichtnahme" beim Speiseplan.

Schulkantine (Archivbild)
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Die Meldung sorgte im Januar für Schlagzeilen: Die dänische Stadt Randers verdonnerte öffentliche Einrichtungen dazu, Schweinefleisch auf den Speiseplan zu setzen. Auch die CDU in Schleswig-Holstein beschäftigt das Thema - und sie sieht Handlungsbedarf.

"Immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen nehmen Schweinefleisch aus ihrem Angebot, um auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen. Die CDU hält das für falsch", sagt der Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Daniel Günther.

In einem Antrag hat die Fraktion die SPD-geführte Landesregierung deshalb nun aufgefordert, sich für den Erhalt von Schweinefleisch im Nahrungsmittelangebot öffentlicher Kantinen einzusetzen. "Der Minderheitenschutz - auch aus religiösen Gründen - darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird", heißt es darin.

Oberstes Ziel müsse eine gesunde Ernährung sein. "Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch", sagt Günther.

Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich die Sache etwas anders dar: Zwar enthält Schweinefleisch wichtige Proteine und Eisen - doch die finden sich auch in anderen Nahrungsmitteln. Unverzichtbar ist Schweinefleisch daher nicht.

Konkrete Zahlen, wie viele Kitas, Schulen oder Kantinen in Schleswig-Holstein Schweinefleisch vom Speiseplan gestrichen haben, hat die CDU-Fraktion nicht. Sie verweist lediglich auf Zeitungsberichte, wonach unter anderem Einrichtungen in Kiel, Neumünster, Flensburg und Norderstedt auf entsprechende Lebensmittel verzichten.

Von einer Schweinefleisch-Pflicht will in der Nord CDU jedoch niemand sprechen. "Wer dies - aus welchen Gründen auch immer - nicht essen möchte, muss dies nicht tun", sagt der Fraktionsvorsitzende. Man wolle aber auch nicht, dass die Mehrheit deshalb auf Schweinefleisch verzichten müsse.

"Toleranz bedeutet in einer pluralistischen Gesellschaft auch die Anerkennung und Duldung anderer Esskulturen und Lebensweisen", schreibt die CDU im Antrag, über den zunächst die "Lübecker Nachrichten" berichtet hatten. In den sozialen Medien sorgte die Meldung über eine angebliche Schweinefleisch-Pflicht für Aufsehen.

Der Verzicht auf Schweinefleisch hat auch wirtschaftliche Folgen für Schleswig-Holstein. In dem Bundesland spielt Schweinezucht nach wie vor eine große Rolle. Rund 17 Prozent der Erlöse in der Landwirtschaft stammen nach Angaben der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holsteins aus der Schweinehaltung, die Zahlen sind jedoch rückläufig.

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brk



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