Schleswig-Holstein Ermittler heben mutmaßliche Terrorzelle aus

Sie lebten als Flüchtlinge in Schleswig-Holstein - und bereiteten offenbar einen tödlichen Anschlag vor. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft wollten drei Iraker aus Silvesterraketen einen Sprengsatz bauen.

Einsatzkräfte vor einem Haus in Meldorf in Dithmarschen
DPA

Einsatzkräfte vor einem Haus in Meldorf in Dithmarschen


Drei Flüchtlinge aus dem Irak sollen einen Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Nach SPIEGEL-Informationen nahmen Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) sie am Mittwochmorgen im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein fest.

Der Generalbundesanwalt wirft Shahin F. und Hersh S. die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor, Rauf S. die Beihilfe dazu. Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatten sie bereits eine Bombenbauanleitung im Internet heruntergeladen und damit begonnen, aus Silvesterraketen Schwarzpulver zu gewinnen. Zudem hatten sie eine Zündvorrichtung in Großbritannien bestellt.

Konkret soll einer der Verdächtigen geäußert haben, möglichst viele "Ungläubige, aber keine Kinder" treffen zu wollen. Als Alternative zu einem Sprengstoffanschlag hätten die Männer auch einen Anschlag mit Waffen diskutiert, heißt es.

Waffenkauf erwies sich als zu teuer

Die Anschlagspläne, so verlautet aus Ermittlerkreisen, seien islamistisch motiviert gewesen. Ihr Vorhaben sollen sie erst nach ihrer Ankunft im Herbst 2015 in Deutschland entwickelt haben. Hilfe dafür hätten sie dabei von einem Unbekannten über den verschlüsselten Messenger Telegram erhalten. In der Staatsschutz-Abteilung des BKA übernahm Mitte Dezember die Ermittlungsgruppe "Boje" den Fall.

In Sicherheitskreisen heißt es, die mutmaßlichen Terroristen seien bei ihren Vorbereitungen noch nicht besonders weit gewesen. Nach ersten Experimenten mit Schwarzpulver hätten sie sich überlegt, sich doch eine Waffe zu besorgen. Damit soll Rauf S. beauftragt worden sein. Er sei auch fündig geworden. Allerdings sei den beiden anderen die angebotene Waffe zu teuer gewesen.

Shahin F. habe sich daher überlegt, so glauben die Ermittler, einen Anschlag mit einem Auto zu begehen. Er habe dafür bereits Fahrstunden genommen, heißt es.

fis/jdl



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