Kiel - In Kiel kann Torsten Albig nach hochspannenden Minuten durchatmen: Der Landtag hat den Sozialdemokraten zum Ministerpräsidenten gewählt. Albig erhielt 37 Ja-Stimmen - das sind zwei Stimmen mehr als für seine Wahl nötig. Es gab nach Angaben des Senders NDR eine Enthaltung und eine ungültige Stimme.
Das Ergebnis wurde mit großer Spannung erwartet, weil SPD, Grüne und SSW nur ein Mandat mehr haben als CDU, FDP und Piratenpartei. Zusammen kommen SPD, Grüne und der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) auf 35 Sitze im Landtag.
Offen blieb bis zuletzt, ob Albig in der geheimen Wahl auch Stimmen von Piraten bekommen wird. Sie zeigten sich am Vorabend verärgert darüber, dass die Spitzenpolitiker Robert Habeck von den Grünen und Anke Spoorendonk vom SSW nicht an einem Gespräch mit Albig teilnahmen, zu dem die Piraten eingeladen hatten.
Albig hatte sich unmittelbar vor der Sitzung zuversichtlich gezeigt und bekräftigt, dass er anders als die 2005 an einem Abweichler gescheiterte Heide Simonis nur für einen Wahlgang zur Verfügung steht. "Geschichte wiederholt sich nicht", sagte Albig.
Der Sozialdemokrat will noch am Dienstagnachmittag den Mitgliedern der Vorgängerregierung ihre Entlassungsurkunden überreichen und die Minister seines eigenen Kabinetts ernennen. Anschließend soll die erste Kabinettssitzung erfolgen. Regierungserklärung und Vereidigung der Minister sind für Mittwoch geplant.
Mit Albigs Wahl stellt die SPD nach sieben Jahren Pause wieder den Ministerpräsidenten. 2005 war die damalige Regierungschefin Heide Simonis in vier Wahlgängen spektakulär gescheitert, weil ihr eine Stimme aus dem eigenen Lager fehlte. Sie wollte damals eine Minderheitsregierung mit den Grünen führen, toleriert vom SSW.
Die Sozialdemokraten besetzen in Albigs Kabinett vier, die Grünen zwei und der SSW ein Ressort. Für die SPD sind Andreas Breitner (Innen), Reinhard Meyer (Wirtschaft und Arbeit), Kristin Alheit (Soziales) und die parteilose Waltraud Wende (Bildung und Wissenschaft) Teil der Regierung. Außerdem werden ihr die beiden Grünen-Politiker Habeck (Energiewende) und Monika Heinold (Finanzen) sowie die SSW-Politikerin Spoorendonk (Justiz) angehören.
anr/dpa/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Torsten Albig | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH