Berlin - Er ist jetzt für ein paar Tage der wichtigste Mann im Staat: Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (SPD) hat nach dem überraschenden Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler dessen Amtsgeschäfte übernommen. "Ich habe ihm meinen Respekt für seine Entscheidung ausgedrückt", sagte Böhrnsen am Montag in Bremen.
Köhler habe ihm erklärt, "dass er vor dem Hintergrund der öffentlichen Interpretation seiner Äußerungen zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan den Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten für unvermeidlich gehalten hat", erklärte Böhrnsen. Als Bürger sei er "traurig" über Köhlers Schritt.
Maximal 30 Tage wird Böhrnsen in der Funktion tätig sein, da bis dahin die Bundesversammlung zur Neuwahl eines Bundespräsidenten zusammengetreten sein muss.
17 Jahre lang war Böhrnsen Richter. Anschließend saß er für die SPD in der Bremischen Bürgerschaft, 1999 wurde er Fraktionschef. Am 8. November 2005 wurde Böhrnsen mit 62 Stimmen zum Präsidenten des Senats und Bürgermeister Bremens gewählt. Bei der Bürgerschaftswahl wurde er wiedergewählt. Seit dem 1. November 2009 ist er turnusgemäß Präsident des Bundesrates und damit nach Artikel 57 des Grundgesetzes Vertreter des Bundespräsidenten, wenn dieser verhindert ist.
Hintergrund für den Rücktritt Köhlers sind umstrittene Äußerungen des Staatsoberhaupts über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler am Montag in Berlin. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen.
Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil
hen/ddp/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Jens Böhrnsen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH