Schmuggel-Verdacht Deutsche Firmen sollen Atom-Technik nach Pakistan geliefert haben

Zwei deutsche Unternehmen stehen im Verdacht, sich durch die illegale Lieferung von Nuklear-Technik nach Pakistan am Atom-Programm des Landes beteiligt zu haben. Nach intensiven Ermittlungen durchsuchten die Behörden am Montag die Firmen-Niederlassungen.

Von Georg Mascolo und


Marburg - In einem Fall geht es um die Lieferung von so genannten Alpha-Gamma-Spektrometriesystemen sowie Kalibrierquellen. Obwohl das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle den Export Ende 2002 ausdrücklich untersagt hatte, soll der Geschäftsführer einer Firma in Süddeutschland erfolglos versucht haben, die Kalibrierquellen auszuführen.

Im November vergangenen Jahres erfolgte schließlich die Lieferung der Alpha-Gamma-Spektrometriesysteme an ein Unternehmen in Islamabad. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft machte der Geschäftsführer bei der Lieferung "falschen Angaben", um die Genehmigung zu erhalten

Offiziell sollten die deutschen Teile an eine medizinische Einrichtungen in Pakistan gehen. Die Empfänger-Firma in Islamabad soll jedoch als Zwischenhändler für die Khan-Labore aufgetreten sein, die maßgeblich an der Entwicklung des pakistanischen Atombombenprogramms beteiligt ist. Pakistan besitzt seit 1998 einsatzfähige Atombomben.

Der so genannte "Vater der pakistanischen Bombe", Abdul Qadir Khan, hatte kürzlich gestanden, auch anderen Ländern Zugang zu der Technologie verschafft zu haben. Internationale Atom-Fahnder gehen seitdem der Spur der Technik von Pakistan aus nach. Unlängst hatten sie beispielsweise aus Unterlagen, die das libysche Regime übergeben hatten, eine Spur von Pakistan nach Libyen aufgedeckt.

Der Wert der illegalen deutschen Lieferung soll rund 100.000 Euro betragen haben. Am vergangenen Montag durchsuchten Fahnder die Firmen-Zentralen der beiden verdächtigten Unternehmen und stellten Beweismaterial sicher, das nun ausgewertet wird. Der Haftbefehl gegen den Geschäftsführer des süddeutschen Unternehmens wurde mittlerweile unter Auflagen außer Kraft gesetzt.

Bei den aus Deutschland gelieferten Geräten handelt es sich um so genannte "dual use"-Technik. Sowohl die Alpha-Gamma-Spektrometriesysteme sowie die Kalibrierquellen können, müssen aber nicht für die Herstellung von Atombomben genutzt werden. Die Kalibrierquellen werden zum Beispiel auch in der medizinischen Forschung genutzt.

Gleichwohl ist die Ausfuhr nach deutschen Gesetzen genehmigungspflichtig. Oberstaatsanwalt Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Wölk sagte am Mittwoch, es gebe "Anhaltspunkte" für eine Verwendung der deutschen Technik im pakistanischen Atomwaffenprogramm.

Im zweiten deutschen Fall geht es um den Versuch des Exports einer größeren Menge Graphit. Der pakistanische Geschäftsführer einer in Deutschland ansässigen Handelsfirma soll versucht haben, trotz ausdrücklicher Warnungen der Behörden das Material an eine pakistanische Firma zu liefern, die im Verdacht steht, für das Atombombenprogramm des islamischen Landes einzukaufen.



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