Schorlemmer "Sie wissen nicht, was sie tun"

Der Friedenspreisträger Friedrich Schorlemmer hat den Militärschlag der USA gegen Afghanistan verurteilt. Der politische Schaden sei nicht abzusehen, sagte der Theologe.


Schorlemmer: "Wahnsinnsangst" vor Einsatz von Atomwaffen
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Schorlemmer: "Wahnsinnsangst" vor Einsatz von Atomwaffen

Wittenberg - Ein solches Eingreifen laufe auf Eskalation und nicht auf die Lösung des Problems hinaus, sagte der frühere Bürgerrechtler aus Wittenberg mit Blick auf die Bekämpfung des Terrorismus. "Sie wissen nicht, was sie tun", kommentierte er die Attacken der Briten und Amerikaner. "Es trifft vorerst nicht die Schuldigen, sondern ein bettelarmes und bereits zerbombtes Land", sagte er.

"Die USA haben zweifelhafte Verbündete. Jetzt werden sogar Militärdiktaturen zu Verbündeten und der Völkermord in Tschetschenien gerechtfertigt", sagte Schorlemmer. Der politische Schaden sei nicht abzusehen. Es sei der "Fluch der bösen Tat", wenn die Amerikaner jetzt ihre eigenen Raketen fürchten müssten, die sie einst während des Afghanistan-Krieges an die Gegner der Russen geliefert hätten. "Ich habe eine Wahnsinnsangst", sagte Schorlemmer unter Hinweis auf die Existenz von atomaren Waffen.

Entscheidend wird nach Ansicht des Friedenspreisträgers sein, was die moslemischen Volksmassen tun werden. "Ob die Solidarisierung mit dem Moslem Osama Bin Laden oder ein gemeinsames Konzept gegen den Terrorismus die Oberhand gewinnen wird", sagte Schorlemmer. Er appellierte an die Vernunft zur Völkergemeinschaft. "Wenn wir sagen, wir stehen zum amerikanischen Volk, dann kommt es auf den Nachsatz an, in dem wir sagen, wir müssen auch mit der Nato, der EU und der Uno abstimmen, welche Weltordnung wir gemeinsam schaffen", sagte Schorlemmer.



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