Schröder bei Stoiber "Wann kommt unsereiner schon zu einem warmen Essen"

Von , Wolfratshausen

2. Teil: Stoiber versucht Schröder mit Gazprom zu ärgern


Schröder kriegt einen ganz roten Kopf: "Leute, was ist da passiert? Warum lasst Ihr zu, dass die anderen so tun, als hätten sie es erfunden?" Ob man denn nicht auch in einer Koalition mal sagen könne: "Herzlichen Glückwunsch, Ihr übernehmt unser Konzept." Schröder brüllt jetzt: "Das kann man doch mal sagen!" Dies hört sich nach Kritik am Führungsstil des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck an. Aber Schröder widerspricht: "Macht mir dem Parteivorsitzenden Kurt Beck nicht noch mehr Schwierigkeiten, als er ohnehin schon hat." Der Mann quäle sich, strenge sich an. Schröder sagt das alles sehr leise jetzt. Im Oktober sei Bundesparteitag in Hamburg, da solle man bitte mal dran denken: "Wir haben nicht mehr so viele Leute, also schießt mir nicht auf den Klavierspieler, es kann sein, dahinter gibt es keinen mehr."

"Die Stoibers – das war Bundesliga"

Und Edmund Stoiber? Natürlich kommt der auch vor in Schröders halbstündiger Rede. "Viele wollen wissen, was da so geredet wird", errät Schröder die Gedanken der Genossen. Aber er werde nichts sagen. Nur soviel: "Die Stoibers, und damit meine ich auch seine Frau Karin, das war für die Politik schon Bundesliga – was jetzt kommt, die Seehubers, das ist bestenfalls Kreisklasse." Sie sollten "keine Steine in den Rücken eines Pensionärs werfen", rät Schröder seinen Parteifreunden, "denn wir Pensionäre halten zusammen". Rentnersolidarität in der Politik, Harmonie zwischen Stoiber und Schröder.

Das mit den CSU-Vorsitz-Kandidaten Erwin Huber und Horst Seehofer hat Schröder zuvor auch Stoiber schon so ähnlich gesagt. Draußen, beim Abschied in der Gartenstraße ist das gewesen. Stoiber hat darauf den Oberkörper zurück gebogen und ein gedehntes "Naa-haa" in die Luft gerufen. So, wie er das immer macht, wenn ihm etwas ein bisschen peinlich ist. So, wie das Menschen machen, die sagen: Hey, das ist jetzt aber zu viel der Ehre – und sich im Stillen freuen übers Kompliment.

Auch Stoiber sucht Schröder auf freundliche Art zu piesacken. Dessen Engagement beim Ostsee-Pipelinebau des russischen Gaskonzerns Gasprom bietet sich da natürlich an. Stoiber hatte bereits vor Wochen verkündet, in seinen neuen Jobs werde es ihm nicht ums Pekuniäre gehen. Und als Schröder ihm heute zu seiner Berufung zum ehrenamtlichen EU-Bürokratie-Chefbekämpfer gratuliert, da entgegnet Stoiber: "Das ist ein Null-Dollar-Job." Darauf der Ex-Kanzler: "Das ist der Unterschied zwischen uns beiden, ich kann es mir nicht leisten, für umsonst zu arbeiten."

Und weil an diesem Samstag in der Bundesliga ausgerechnet Schalke gegen Bayern München spielt, schiebt Stoiber, der Bayern-Fan, noch ein Späßchen über den von Gasprom gesponserten Ruhrpott-Klub hinterher: "Herr Schröder, deshalb sind Sie für Schalke." Als Schröder längst im SPD-Festzelt sitzt, die Journalistenmeute abgezogen und die Nachbarskinder ihren Kampf mit den Plastikschwertern ausgekämpft haben, da öffnet Stoiber die Tür und strebt seinem Dienstwagen zu.

Wo es denn hingehe, fragt ein zurückgebliebener Journalist. "Zum Fußball", sagt Stoiber, er schaffe gerade noch die zweite Halbzeit Bayern-Schalke in der Münchner Allianz-Arena. Was er denn tippe? Edmund Stoiber grinst: "Bayern gewinnt." Das Spiel geht dann schließlich 1:1 aus. Ganz im Sinne der neuen Harmonie zwischen den Pensionären Stoiber und Schröder.



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