K-Frage in der SPD: Schröder für Steinbrück als Kanzlerkandidat

Im Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD bekommt Peer Steinbrück prominente Unterstützung. Altkanzler Schröder rät seiner Partei, mit dem Ex-Finanzminister an der Spitze in die Bundestagswahl zu ziehen. Allerdings empfiehlt er diesem, noch an seinen Auftritten zu feilen. 

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dapd

Altkanzler Schröder: Votum für Steinbrück

Berlin - Vor wenigen Wochen noch wollte sich Gerhard Schröder nicht festlegen. Nun äußert er sich doch dazu, wer sein Favorit für den Job des Kanzlerkandidaten bei der nächsten Bundestagswahl ist: "Mich würde es freuen, wenn Peer Steinbrück Kanzlerkandidat der SPD würde. Er hat alle Aussicht auf Erfolg", wird Schröder in einer Steinbrück-Biografie des Journalisten Daniel Friedrich Sturm zitiert, die in der kommenden Woche erscheint.

Weiter sagte Schröder über Steinbrück, er habe dessen Kanzlerkandidatur "stets für möglich gehalten", berichtet die "Welt am Sonntag", die vorab Teile der Biografie veröffentlicht. Für seine Wahlkampfauftritte müsse Steinbrück jedoch an sich arbeiten, rät ihm Schröder: "Peer Steinbrücks Schwäche liegt in seiner häufig missverstandenen Ironie, die manchmal als Arroganz daherkommt. Mit Blick auf die Massenwirkung müsste er das korrigieren." Ironie sei "in großen Sälen nicht vermittelbar", sagte Schröder.

Der Ex-Kanzler rechne es dem Finanzexperten hoch an, dass er die Agenda 2010 stets unterstützt und gefördert habe. Auch als Minister in der Großen Koalition zwischen 2005 und 2009 sei Steinbrück "die eigentlich führende Figur in der Finanzkrise" gewesen. Zudem sei der 65-Jährige ein eigener Kopf und unabhängiger Geist: "Daher habe ich hohen Respekt für ihn."

Das Votum des Altkanzlers kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Debatte über den SPD-Kanzlerkandidaten ohnehin neue Dynamik entwickelt hat. Dass Frank-Walter Steinmeier in dieser Woche eine Abstimmungsniederlage in der Fraktion erlitt, wurde als Beleg dafür gewertet, dass die Partei sich einen konfrontativeren Kurs mit der Bundesregierung wünscht. Dafür steht am ehesten Parteichef Sigmar Gabriel.

Noch Anfang April hatte Schröder ein Votum für einen der drei möglichen SPD-Kanzlerkandidaten vermieden. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" begründete Schröder seine Zurückhaltung damals folgendermaßen: "Ich möchte die Personaldebatte nicht unnötig befeuern."

Abgekühltes Verhältnis

Sein Vorpreschen nun für Steinbrück ist zwar politisch nachvollziehbar. Denn der Ex-Finanzminister gilt innerhalb der sogenannten Troika als klarster Verteidiger der Schröderschen Agenda-Politik. Dennoch kommt es überraschend, weil Fraktionschef Steinmeier und Schröder eine lange Freundschaft verbindet. Allerdings soll das Verhältnis der beiden nicht mehr das beste sein.

Parteichef Gabriel dürfte am ehesten damit leben können, dass Schröder sich für Steinbrück ausspricht. Zwar galt der Ex-Kanzler während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident als Förderer Gabriels. Schröder hält ihn nach wie vor für ein großes politisches Talent - aber dass sich Gabriel als SPD-Chef immer mehr von der Agenda-Politik distanzierte, hat das Verhältnis offenbar belastet.

ler/flo/syd

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insgesamt 62 Beiträge
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1. xxxx
Dramidoc 11.05.2012
Zitat von sysopdapdIm Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD bekommt Peer Steinbrück prominente Unterstützung. Altkanzler Schröder rät seiner Partei, mit dem Ex-Finanzminister an der Spitze in die Bundestagswahl zu ziehen. Allerdings empfiehlt er diesem, noch an seinen Auftritten zu feilen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,832651,00.html
Wie ich schon öfters gesagt habe, bedeutet Steinbrück für die SPD das Todesurteil. Wenn Schröder nun Steinbrück noch fördert, dann ist er eh schon desouviert. Letztlich kann die SPD wirklich froh sein, wenn sie 2013 auf 25% kommt.
2. Überraschung
pepito_sbazzeguti 11.05.2012
"Schröder für Steinbrück als Kanzlerkandidat" Na, das ist aber mal eine Überraschung. Übrigens: Ist es für irgendjemanden von Bedeutung zu erfahren, für wen Herr Schröder votiert? Bei den circa 20 Prozent, die die SPD im nächsten Jahr noch holt?
3. Einzig sinnvolle Kandidatin!
doc 123 11.05.2012
Zitat von sysopdapdIm Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD bekommt Peer Steinbrück prominente Unterstützung. Altkanzler Schröder rät seiner Partei, mit dem Ex-Finanzminister an der Spitze in die Bundestagswahl zu ziehen. Allerdings empfiehlt er diesem, noch an seinen Auftritten zu feilen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,832651,00.html
Schröder will wohl seiner Partei im Nachheinein noch schaden, als ab er dies nach der Bundestagswahl 2005 nicht schon genug getan hätte, sonst würde er keinen derartigen Unsinn von sich geben. Wie sollte irgendein Mensch Steinbrück, den ehemaligen Merkel-Adlatus und ausweislichen Freund der Finanzmärkte, wählen, dann kann man doch gleich bei Merkel bleiben. Die einzig sinnvoll und wählbare Kanzlerkandidatin kann ausschließlich Frau Kraft sein, kenntnisreich, empathisch und sozial kompetent. Ihr als qausi einziges Manko die Landesschulden der SPD- und CDU-Vorgängerregierungen vorhalten zu wollen, ist an Absurdität nicht zu überbieten, selbst ein Röttgen kann außer hohle Gelabere keine ernsthaften und sinnvollen Sparmaßnahmen vorweisen. Nach einem übrzeugenden Gewinn der NRW Wahl kann wird Frau Kraft die alternativlose SPD-Kanzlerkandidatin sein, alles andere wäre zum massiven Schaden dieser Partei.
4.
juharms 11.05.2012
Zitat von sysopdapdIm Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD bekommt Peer Steinbrück prominente Unterstützung. Altkanzler Schröder rät seiner Partei, mit dem Ex-Finanzminister an der Spitze in die Bundestagswahl zu ziehen. Allerdings empfiehlt er diesem, noch an seinen Auftritten zu feilen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,832651,00.html
Peer Steinbrück, der Retter des deutschen und weltweiten Finanzsystems, der ein resolutes Vorgehen gegen Zocker gefordert und angeblich auch durchgesetzt hat. Der Peer Steinbrück, der ..... danke JPMorgan für die Unterstützung.
5. Putin hat sich also festgelegt
genia249 11.05.2012
Na dann kanns ja losgehen, Wladimir Putin hat sich also auf einen Kanzlerkandidaten festgelegt. Rot Front!!!!
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