Kandidatur für Landtagsmandat: Doris Schröder-Köpf setzt sich durch
Es war ein enges Rennen zwischen zwei Kandidatinnen, am Ende siegte - nicht unumstritten - Doris Schröder-Köpf. Die Ehefrau des Altkanzlers wird bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 für die SPD kandidieren. Dazu hat auch Joachim Gauck beigetragen.
Doris Schröder-Köpf hat ihn geschafft, den Einstieg in ihre eigene politische Karriere. Nächstes Jahr im Januar, bei der Landtagswahl in Niedersachsen, wird sie für die SPD im Wahlkreis Hannover-Döhren kandidieren. Dafür hat sie zwei Monate lang gekämpft. Die Frau von Altkanzler Gerhard Schröder hat sich durchgesetzt gegen Sigrid Leuschner. Die 60-Jährige ist verdiente Gewerkschaftlerin, gehört zum linken Parteiflügel und sitzt seit 18 Jahren für die SPD im niedersächsischen Landtag. Für sie ist es eine herbe Niederlage. Denn zunächst sah es nach einem Sieg für Leuschner aus.
Zwar konnte jede der beiden Kandidatinnen zwei der fünf Vorwahlen in den Ortsverbänden für sich entscheiden, einmal gab es ein Patt. Aber Sigrid Leuschner sicherte sich 21 der 40 Delegiertenstimmen - und hätte damit eigentlich gewinnen müssen.
Vor der Wahl hatten jedoch bereits vier Delegierte angekündigt, eventuell anders abzustimmen, als die Vorgabe aus den Vorwahlen war. Zwei davon aus dem Lager Schröder-Köpf, zwei aus den Reihen der Leuschner-Unterstützer.
Deshalb ist die Stimmung am Tag der Entscheidung ungewiss, niemand kann die Lage einschätzen. Viel hängt davon ab, wie sich die Kandidatinnen an diesem Abend noch präsentieren. Dafür haben sie zehn Minuten Zeit, in einem kleinen Raum im ersten Stock der Integrierten Gesamtschule Mühlenberg im Hannoveraner Südwesten. Es ist das Klassenzimmer der 11c. Zwischen alten Schulbänken mit Kritzeleien und einer schlecht gewischten Tafel mit x-Gleichungen muss die Altkanzler-Gattin die Delegierten überzeugen.
Leuschner ist wütend: "Ich mache auch meinen Ortsverein verantwortlich"
Sigrid Leuschner will mit ihrer Parteiarbeit punkten, zählt auf, was sie für die SPD im Landtag geleistet hat. Sie erntet dafür Anerkennung, aber keine Begeisterung.
Anders Doris Schröder-Köpf. Sie beginnt bei Joachim Gauck, dem neuen Bundespräsidenten, der zunächst der Kandidat der SPD gewesen sei. Dann spricht sie davon, dass die SPD in Niedersachsen gute Chancen bei der Landtagswahl haben werde. Das hören die Delegierten gerne. "Sie kann die derzeitige Stimmung einfach besser wiedergeben", sagen die Delegierten Christine Ranke-Heck und Petra Rudszuck. "Sie strahlt Hoffnung aus und macht deutlich, dass die SPD im Aufwind ist. Das ist frischer." Das finden auch Delegierte aus dem Leuschner-Lager - und wählen Schröder-Köpf, die mit 25 Stimmen überraschend deutlich gewinnt.
"Als ausgezählt war, gab es Beifall, aber keinen Jubel", erzählt der Delegierte Ludwig Meyer. "Auch große Empörung gab es nicht." Das ändert sich, als Sigrid Leuschner vor die Fernsehkamera tritt. Sie ist wütend. "Ich bin sehr enttäuscht und mache auch meinen Ortsverein verantwortlich", sagt sie. Gegen die Empfehlung aus den Vorwahlen zu stimmen, sei empörend. Sie werde ihrem Ortsverband nun den Rücken kehren und sich anderswo für die SPD einsetzen.
Gerhard Schröder? "Er ist auf dem Udo-Lindenberg-Konzert"
Ihre Konkurrentin, Doris Schröder-Köpf, ist glücklich. "Ich bin froh und erleichtert", sagt sie. Die Fernsehteams fragen sie nach ihrem Mann, dem Altkanzler. "Ich wollte Gerhard schon Bescheid sagen, habe ihn aber nicht erreicht. Er ist auf dem Udo-Lindenberg-Konzert." Dann lässt sie sich geduldig fotografieren.
Sie hat ihn geschafft, den Einstieg in die Politik. Trotz des Gegenwinds aus der eigenen Partei. Vor allem der Gewerkschaftsflügel der SPD hatte gegen sie Stimmung gemacht und ihr einen Promi-Bonus unterstellt. Genau davon, von ihrer Bekanntheit, wollen andere jetzt aber profitieren.
Einige in der Hannoveraner SPD erhoffen sich ein wenig Glanz und viel Aufmerksamkeit. Schröder-Köpf soll für die Partei vor allem bürgerliche Wählerschichten gewinnen. Manche halten sogar einen Platz im Schattenkabinett der Niedersachsen-SPD für möglich - öffentlich sagen will das aber noch niemand. Klar ist, dass die Erwartungen hoch sind, sogar eine bundespolitische Zukunft scheint möglich.
Bevor Doris Schröder-Köpf daran denken kann, stehen aber noch andere Dinge an. "Ich werde jetzt Gespräche mit den Ortsvereinvorsitzenden führen, ein Team bilden, ein Bürgerbüro anmieten, meinen VW-Bus bekleben und dann geht's los." Die Ochsentour geht weiter.
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