Landtagskandidatur in Niedersachsen: Schröder-Köpf hofft auf Last-Minute-Sieg

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Geht Doris Schröder-Köpf 2013 für die niedersächsische SPD ins Rennen? An diesem Mittwoch entscheidet sich in Hannover das parteiinterne Ringen um die Landtagskandidatur. Die Altkanzlergattin hofft auf einen Überraschungssieg - auch die Parteispitze in Berlin blickt gespannt auf den Ausgang.

Niedersachsen: Schröder-Köpfs Kampf Fotos
DPA

Berlin - Glaubt man ihrer Homepage, ist die Sache längst klar. Doris Schröder-Köpf hat dort ein paar Zahlen präsentiert, und die sprechen - natürlich - für Schröder-Köpf: 151 SPD-Mitglieder haben demnach bei der Ochsentour durch die Ortsvereine für die Gattin des Altkanzlers gestimmt, nur 121 für ihre Gegenkandidatin Sigrid Leuschner. Was, bitte schön, soll da noch schief gehen?

Wenn es nur so einfach wäre in der SPD. Ist es aber nicht und deshalb muss die 48-jährige Ex-Journalistin zittern, wenn an diesem Mittwochabend entschieden wird, ob sie im Januar 2013 für den niedersächsischen Landtag kandidieren darf oder nicht. Seit Monaten kämpft sie darum. Die Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder will selbst Politikerin werden, ein bisschen Licht ins Dunkel der Niedersachsen-SPD bringen. Aber es gibt da eben noch diese abschließende Kreisdelegiertenkonferenz. Und die ist nicht ganz so berechenbar, wie es die Stimmen nahelegen, die Schröder-Köpf bei den Urwahlen in fünf Ortsvereinen gesammelt hat. Da hilft auch der Promi-Bonus nichts.

Die Lage ist nämlich so: Auf dem Papier zählen bei der Endabstimmung nicht die einzelnen Voten aus den Vorstellungsrunden, sondern die Zahl der Delegierten, die beide Kandidatinnen bei den Urwahlen für sich gewinnen konnten. In dieser Kategorie liegt die 60-jährige Leuschner mit 21 zu 19 Delegierten knapp vorne. Und läuft es so, wie es nach der Theorie laufen müsste, wäre Schröder-Köpf am Mittwochabend aus dem Rennen.

Das Gute aus ihrer Sicht: Es ist nicht klar, ob die Wahlfrauen und -männer sich wirklich an die Empfehlung ihres jeweiligen Ortsvereins gebunden fühlen. Dazu verpflichtet sind sie nicht. Die Abstimmung in der Gesamtschule Mühlenberg ist geheim. Und weil einige Delegierte intern haben wissen lassen, dass sie frei entscheiden wollen, wem von beiden sie ihre Stimme geben, kann Schröder-Köpf doch noch auf die Kandidatur hoffen. Es braucht halt nur ein paar Umfaller.

Zwei Welten treffen aufeinander

Es wird eine heikle Abstimmung, so viel ist klar. Das Rennen zwischen den beiden Frauen spaltet die niedersächsische SPD seit Monaten. Denn zu besichtigen ist auch ein Kampf zweier Welten. Auf der einen Seite Leuschner: links, früher Gewerkschaftssekretärin, seit 42 Jahren in der SPD, seit knapp 20 Jahren im Landtag. Kurzum: eine staubtrockene Funktionärin und Gremienbewohnerin, bestens vernetzt in der Partei, aber eben alles andere als ein Wahlkampfmagnet.

Auf der anderen Seite Schröder-Köpf: Quereinsteigerin, Ex-Journalistin, seit 1997 in der SPD, dort bis vor kurzem aber eher unauffällig. Wo sie politisch steht, ist nicht allen in der SPD klar. Ihre Unterstützer glauben, dass sie der Niedersachsen-Partei ein wenig Weltläufigkeit verleihen und die Genossen bestenfalls auch für bürgerliche Schichten attraktiv machen könnte. Manche ihrer Kritiker vom linken Flügel meinen dagegen, sie sei inhaltlich eine weibliche Version von Gerhard Schröder und für das Gewerkschaftslager ähnlich abschreckend, nur weil sie mit dem Altkanzler verheiratet ist. Ihr Aufsichtsrat-Posten bei Karstadt ist einigen Parteifreunden ebenfalls verdächtig.

Von der Art her ist Schröder-Köpf vielen Sozialdemokraten sympathisch. Als Kanzlergattin ist sie in guter Erinnerung. Doch mit ihrem Auftreten bei den Urwahlen hat sie sich nicht nur Freunde gemacht. Als Sigrid Leuschner kürzlich die vierte von fünf Urwahlen verlor und anschließend vor dem Sitzungssaal über ihr angeblich gutes Verhältnis zur Rivalin Auskunft gab, stürmte Schröder-Köpf kurzerhand an ihr vorbei und diktierte den Reportern ihre Lesart in die Blöcke. Sie liege bei den Delegierten zwar hinten, habe aber in der Addition schon gut 20 Stimmen mehr geholt als ihre Konkurrentin, jubelte sie. Ihr knappes Fazit: "Vorne ist vorne." Dann war sie wieder weg. Leuschner blickte verdutzt drein, ihre Unterstützer fühlten sich vor den Kopf gestoßen.

Seitdem ist das Misstrauen gegenüber Schröder-Köpf in Teilen der Niedersachsen-SPD gewachsen. Zum Anführer ihrer Kritiker hat sich Wolfgang Denia aufgeschwungen, seit Wochen arbeitet sich der Ex-Ver.di-Landeschef an ihr ab. Es sei ein "beklagenswerter Substanzverlust, wenn in der Partei mittlerweile an einigen Stellen das einzige Kriterium ist, die Frau von jemandem zu sein", giftet Denia. Er sieht die Schröder-Köpf-Kandidatur als Angriff auf all jene, "die sich über Jahre am Infostand den Hintern abgefroren haben". Viele traditionelle Genossen sehen das ähnlich.

Wie Gerhard Schröder im Haushalt hilft

Der Streit trägt Züge einer Lokalposse, sicher. Aber auch die Bundes-SPD blickt gespannt nach Hannover. Der Grund ist nicht nur, dass eine der Kandidatinnen einen Namen mitbringt, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. In der Berliner Parteizentrale verfolgen manche die Entwicklungen in Niedersachsen auch deshalb so genau, weil sie in dem Rennen einen Test dafür sehen, inwieweit die SPD bereit ist, die Parteireform zu verinnerlichen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles haben ihrer Partei einen Öffnungskurs verordnet, eine Abkehr von der "closed-shop"-Mentalität, wie das Duo es nennt. Es geht um die Frage, ob die SPD im Zweifel lieber alten Loyalitäten folgt oder auch mal bereit ist, Experimente einzugehen. Das Duell in Hannover ist da ein interessanter Laborversuch.

Bei aller Kritik - wenigstens einer scheint Schröder-Köpf die volle Rückendeckung zu geben: Der Altkanzler. Seit Wochen erzählt die Kandidatin über ihren Mann wahre Heldengeschichten. Liebevoll, weiß Schröder-Köpf zu berichten, kümmere sich Gerhard Schröder bereits um Kinder und Haushalt. Er helfe bei Mathe-Aufgaben, schmiere Pausenbrote und erledige den Familieneinkauf, sagte sie kürzlich dem "Stern".

Es ist nicht ganz leicht, sich das vorzustellen, aber für Schröder-Köpf ist die Hilfe eine Selbstverständlichkeit. "Ich habe viele Jahre für ihn gearbeitet", sagt sie. "Jetzt ist er dran."

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Wenn Matschmeier noch in paar Rubel für ne
herr_kowalski 21.03.2012
Zitat von sysopDPAGeht Doris Schröder-Köpf 2013 für die niedersächsische SPD ins Rennen? An diesem Mittwoch entscheidet sich in Hannover das parteiinterne Ringen um die Landtagskandidatur. Die Altkanzlergattin hofft auf einen Überraschungssieg - auch die Parteispitze in Berlin blickt gespannt auf den Ausgang. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822460,00.html
dicke Anzeigenkampagne spendiert, könnte das was werden. Gott ( wenn es einen geben sollte ) schütze uns.
2. Billiger wärs gewesen
bikersplace 21.03.2012
Zitat von sysopDPAGeht Doris Schröder-Köpf 2013 für die niedersächsische SPD ins Rennen? An diesem Mittwoch entscheidet sich in Hannover das parteiinterne Ringen um die Landtagskandidatur. Die Altkanzlergattin hofft auf einen Überraschungssieg - auch die Parteispitze in Berlin blickt gespannt auf den Ausgang. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822460,00.html
Hätt Gasgerd sie nicht gleich bei GazProm unterkriegen können? Muss Sie erst den Umweg über die Politik gehen und Steuergelder kassieren?
3. Was erwartet uns?
unixv 21.03.2012
Hartz V? Rentenkürzung? Zwangs Bürgerversicherung bei Maschmeyer? 10Cent jobs? Zeitarbeit für alle? NEIN, Danke!
4.
Gegengleich 21.03.2012
Zitat von sysopDPAGeht Doris Schröder-Köpf 2013 für die niedersächsische SPD ins Rennen? An diesem Mittwoch entscheidet sich in Hannover das parteiinterne Ringen um die Landtagskandidatur. Die Altkanzlergattin hofft auf einen Überraschungssieg - auch die Parteispitze in Berlin blickt gespannt auf den Ausgang. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822460,00.html
Da stellt sich mir nur eine Frage: WER ist Pausenbrote? Und für was steht er? Für die Neudefinition des Wortes "Demokratie" in Rußland? Der Nachfolger von G.Oettinger als EU-Kommissar? ;-)
5. Schröder-Köpf
endbenutzer 21.03.2012
Zitat von sysopDPAGeht Doris Schröder-Köpf 2013 für die niedersächsische SPD ins Rennen? An diesem Mittwoch entscheidet sich in Hannover das parteiinterne Ringen um die Landtagskandidatur. Die Altkanzlergattin hofft auf einen Überraschungssieg - auch die Parteispitze in Berlin blickt gespannt auf den Ausgang. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822460,00.html
Die Hannover-Connection Teil VIII demnächst in Ihrem Kino!
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