Familienpolitik Schröders Pflegezeit bleibt ein Flop

Das Modell von Ministerin Schröder sollte die Betreuung von Angehörigen attraktiver machen. Doch das Interesse an der Familienpflegezeit bleibt gering: In diesem Jahr wurden erst 71 Anträge gestellt.

Kristina Schröder: Flop statt Meilenstein
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Kristina Schröder: Flop statt Meilenstein


Berlin - Schon gegen die Pläne für eine Familienpflegezeit hatte es massiven Widerstand in der FDP und von Wirtschaftsvertretern gegeben. Ministerin Kristina Schröder (CDU) sprach dagegen bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs von einem "Meilenstein für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege".

Doch das Interesse an dem Modell bleibt auch seit der Einführung Anfang 2012 gering: In diesem Jahr wurden bislang erst 71 entsprechende Versicherungsanträge gestellt. Das geht aus einer Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. 2012 hatten 102 Menschen eine entsprechende Versicherung abgeschlossen.

Mit der Regelung können Beschäftigte für maximal zwei Jahre ihre Arbeitszeit reduzieren, um nahe Angehörige zu pflegen. In dieser Zeit erhalten sie von ihrem Arbeitgeber eine höhere Vergütung als ihnen aufgrund ihrer geleisteten Arbeitsstunden eigentlich zusteht. Nach Ende der Pflegezeit müssen die Betroffenen dafür so lange zu geringeren Bezügen arbeiten, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Zur Absicherung der Arbeitgeber müssen die Mitarbeiter die Versicherung abschließen.

Über die Anfrage des Linken-Fraktionspolitikers Jörn Wunderlich hatte zunächst die "Saarbrücker Zeitung" berichtet. Schröders Ministerium verwies in seiner Stellungnahme darauf, dass die Familienpflegezeit "erst nach einer Anlaufzeit die volle Wirksamkeit erreicht".

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz nannte die Familienpflegezeit dagegen einen "Flop mit Ansage" und forderte insbesondere einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit, den das bisherige Gesetz nicht vorsieht. Die Kosten dafür müsse der Bund übernehmen, erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

als/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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braintainment 16.07.2013
1. Dr.
Wow, 71 Anträge... Würde mich ja mal interessieren, welche Verschwendung von Steuermillionen zur Ausarbeitung dieses "Projektes" diesen Anträgen gegenübersteht... Wird da eigentlich im Vorfeld nicht mal eine Umfrage gemacht, wieviele Leute sich eine Teilnahme vorstellen könnten? Unglaublich dieser Bullshit!
karlhansbauer 16.07.2013
2. Die Idee selbst ist nicht schlecht,
aber die Umsetzung ist unmöglich. Das kann nur einer Beamtin oder einer Politikerin einfallen, die immer in Ihren Job zurückkehren kann. Die Ministerin ist ein Flop, höflich ausgedrückt.
eryx 16.07.2013
3.
Wenigstens wird diese Dame nach der Bundestagswahl keine Ministerin mehr sein. Egal, welche Parteien die Regierung bilden werden. Man ist schon fassungslos, wie unbeholfen ein erwachsener Mensch agieren kann und wie unfassbar dreist versucht wird, miese Politik auch noch als großen Wurf zu verkaufen.
sudiso 16.07.2013
4. optional
abgesehen von der Überschrift sind die ganzen Politischen Dinge sowieso ein Flop....., Energiewende, Biodinge, etc
fatherted98 16.07.2013
5. Stimmt zum Teil....
Zitat von karlhansbaueraber die Umsetzung ist unmöglich. Das kann nur einer Beamtin oder einer Politikerin einfallen, die immer in Ihren Job zurückkehren kann. Die Ministerin ist ein Flop, höflich ausgedrückt.
...das ganze ist recht akademisch angelegt...da muss man schon im Öffentlichen Dienst sein um das in Anspruch zu nehmen...aber immerhin ist es ein Weg in die richtige Richtung...vielleicht wird hier ja nochmals nachgebessert....und Frau Schröder deshalb zum Flop zu erklären halte ich für überzogen...was haben denn ihre Vorgänger so geleistet...da kann ich mich an nichts ausergewöhliches erinnern.
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