Schröders umstrittene Äußerungen Forsch in die Feminismus-Falle

Sie ist jung, feminin, erfolgreich. Familienministerin Kristina Schröder steht für eine Generation von Frauen, die in Männerdomänen Karriere machen. Doch nun hat sich die CDU-Politikerin in eine Feminismus-Debatte mit Alice Schwarzer verheddert - zum Erstaunen sogar von Parteifreunden.

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dapd

Hamburg - Kann die das überhaupt? Diese Frage schwebte mit, als Kristina Schröder im November 2009 zur neuen Familienministerin berufen wurde. "Was qualifiziert Sie?" Solche Fragen konterte die Politikerin stets mit Verweisen auf ihre fachlichen Kompetenzen: ihr Studium und ihre politische Arbeit im Innenausschuss. Auf Geschlechterdebatten ließ sie sich nicht ein.

Schröder weiß, wie Politik funktioniert. "Man muss natürlich eine gewisse soziale Intelligenz haben", sagte sie dem Autor Thomas Leif für sein Buch "Angepasst und ausgebrannt. Die Parteien in der Nachwuchsfalle". Politiker entwickeln ein Feeling, sagte sie: "Wann hält man besser die Klappe, wann geht man nach vorn, wann bleibt man stehen?"

Nun ist sie nach vorne gegangen. Und hat ein ehrliches Interview gegeben.

Im SPIEGEL distanzierte sie sich vom Feminismus, rechnete mit einzelnen Thesen von Frauenrechtlerin Alice Schwarzer ab - und ging dabei mit viel Leidenschaft tief ins Detail der Geschlechterdebatte.

Ihr gehe die These zu weit, "dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau", sagte Schröder. "Sorry, das ist falsch."

Der Aufschrei folgte prompt. Politikerinnen der Opposition knöpften sich die Ministerin vor. Und die heftigste Kritik kam von Schwarzer persönlich. Die oberste Verfechterin der Sache der Frau zeigte einmal mehr, dass sie beim Einstecken reichlich zimperlich, aber beim Austeilen gnadenlos sein kann: "Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet. Zumindest für diesen Posten. Vielleicht sollten Sie Pressesprecherin der neuen, alten so medienwirksam agierenden, rechtskonservativen Männerbünde und ihrer Sympathisanten werden", schrieb die Frauenrechtlerin in einem Brief an Schröder. Die "Bild"-Zeitung destillierte daraus schlicht die Überschrift: "Ministerin Schröder und Alice Schwarzer: Bizarrer Sex-Streit."

Die Kanzlerin lobte Schwarzer

Auf Unterstützung aus der Union wartet Schröder bisher vergeblich. Dort fragt man sich: Warum arbeitet sich die 33-Jährige ausgerechnet an Schwarzer und am Feminismus ab? Gibt es keine anderen Probleme im Familienministerium?

Aus der Union in Berlin ist zu hören, dass die Ministerin die Debatte besser nicht eröffnet hätte. "So einen Frauenkrieg können wir nicht gebrauchen. Wir brauchen Ruhe in der Koalition", sagt ein Unionsmann. Mann, na klar.

Fest steht: Schröders Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen und auch Kanzlerin Angela Merkel agieren in Sachen Emanzipation weit geschickter. Sie reden nicht so viel darüber, sie leben sie einfach - machtvoll, effektiv. Frauendebatten meiden Merkel und von der Leyen und fahren gut damit.

Statt der Feministinnen knöpfte sich von der Leyen lieber die Männer vor. Sie ermahnte sie, mehr Verantwortung in Familien zu übernehmen. Merkel hat inzwischen gelernt, dass sie ihr Frausein weder bewusst verstecken noch bewusst in den Vordergrund spielen sollte. Sie lobte ausdrücklich die Verdienste von Feministinnen: "Die Generation von Alice Schwarzer hat für Veränderungen gestritten und neue Möglichkeiten für Frauen, die wir heute als selbstverständlich annehmen, erkämpft", sagte die Kanzlerin 2009 der "Zeit".

Ihre Meinung zum Thema Feminismus erklärte Merkel so verschwurbelt, dass daraus kaum eine Schlagzeile werden konnte: "Wenn man sich zum Feminismus bekennen muss, ist das für manche so, als wolle man sagen, dass man einen strukturellen Nachteil spürt. Viele Frauen empfinden es heutzutage aber nicht mehr als Nachteil, eine Frau zu sein, obwohl es unbestritten noch Nachteile oder Erschwernisse gibt."

Wespentaille und Betonfrisur

Noch in den fünfziger Jahren durften Ehemänner das Geld der Gattin allein verwalten. Die Herren durften nach gerichtlicher Genehmigung auch den Job ihrer Frau kündigen, wenn sie meinten, dass die Berufstätigkeit die "ehelichen Interessen" störe. Strahlende Kinder, hübsch gedeckte Tische und glücklich lachende Hausfrauen mit Wespentaille und Betonfrisur - diese Bilder prägen die Wirtschaftswunderjahre. Eine Fernsehwerbung von Dr. Oetker aus dieser Zeit fasst das Ideal so zusammen: "Sie wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen", verkündet ein männlicher Sprecher.

Schön, dass sich das geändert hat - auch dank der Feministinnen. Das erkennt Kristina Schröder dann doch an. Die Ministerin lobt schließlich Schwarzer, ohne dass diese es gemerkt hat. "Hätte es eine Karriere wie Ihre ohne den Feminismus in Deutschland gegeben?", wird sie in dem Interview gefragt. "Nein", antwortet Schröder. "Das wäre in der Zeit vor dem Feminismus nicht möglich gewesen."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
stesoell 09.11.2010
1. oo
Vllt. sollte sie einfach nur ihren Job machen. Ich stelle mich schließlich auch nicht auf den Dortmunder Marktplatz und schwadroniere über Atomphysik oder Gehirnchirurgie. Auch wenn mich beides durchaus interessiert. Angekommen Frau Schröder?
nahal, 09.11.2010
2. verhedert?
Zitat von sysopSie ist jung, feminin, erfolgreich. Familienministerin Kristina Schröder steht für eine Generation von Frauen, die in Männerdomänen Karriere machen. Doch nun hat sich die CDU-Politikerin in eine Feminismusdebatte mit Alice Schwarzer verheddert - zum Erstaunen eigener Parteifreunde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728201,00.html
"Ihr gehe die These zu weit, "dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau", sagte Schröder. "Sorry, das ist falsch." Auch die kluge Frau Schwarzer sollte inzwischen wissen, dass die Frau auch oben sein kann. Und das sogar beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr. :-)
HuFu 09.11.2010
3. Nutzen
Frau Schröder ist Nutznießerin des sog. "Feminismus". Sie sollte den nicht mit Füßen treten sondern dankbar sein für die Errungenschaften.
sprechweise, 09.11.2010
4. Seltsame Medien
Zitat von sysopSie ist jung, feminin, erfolgreich. Familienministerin Kristina Schröder steht für eine Generation von Frauen, die in Männerdomänen Karriere machen. Doch nun hat sich die CDU-Politikerin in eine Feminismusdebatte mit Alice Schwarzer verheddert - zum Erstaunen eigener Parteifreunde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728201,00.html
Warum fragt man Politiker (innen) wenn man hinterher ihre Antworten nicht mag? Und gleichzeitig unterstellt man den Politikern Lügen, sie würden nicht ehrlich antworten. Tja, mit solchen Medien und Bürgern wird es auch keine ehrlichen Politiker geben, die werden ja tot geschrieben.
maxmovie77 09.11.2010
5. Eine Frage zunächst
Ich habe diese Debatte nicht verfolgt und habe nun gar keine Ahnung, worum es geht. Ist die CDU (außer Frau Schröder) nun der Ansicht, dass die Frau zum Zwecke des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs unterworfen werden muss?
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