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Schuldenkrise: Europa fürchtet Invasion der Euro-Chinesen

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Klingt nach einer guten Idee: Die Euro-Länder brauchen Geld, China hat es. Also flog der Chef des EFSF-Rettungsfonds zu Gesprächen nach Peking. Doch Milliardenhilfen könnten der Volksrepublik massiven Einfluss auf künftige internationale Verhandlungen verschaffen.  

EFSF-Chef Klaus Regling auf Pressekonferenz in Peking: Auf der Suche nach Chinas Kapital Zur Großansicht
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EFSF-Chef Klaus Regling auf Pressekonferenz in Peking: Auf der Suche nach Chinas Kapital

Berlin - Es sind gewaltige Devisenreserven, die das boomende Land in den letzten Jahren angehäuft hat. Über 3,2 Billionen Dollar stehen in den Büchern der Volksrepublik China. Ein Teil dieser gewaltigen Summe könnte schon bald zur Stützung des Euro eingesetzt werden. Schon jetzt ist das Reich der Mitte an europäischen Anleihen beteiligt. Künftig könnte es noch mehr Papiere halten. Denn kaum hatte der EU-Gipfel das Rettungspaket verabschiedet, da saß Klaus Regling, Chef des Rettungsfonds EFSF, auch schon im Flieger, um in China auszuloten, was möglich ist.

In Peking gab es am Freitag zunächst vorsichtige Reaktionen. Vor zusätzlichen Investitionen wolle China abwarten, wie die technischen Details des geplanten neuen Investment-Vehikels aussehen, sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao nach seinem Treffen mit dem EFSF-Chef.

Es ist ein risikoreiches Unterfangen der angeschlagenen Euro-Länder, sich ausgerechnet im kommunistischen China Geld zu holen.

Denn das Engagement der Ein-Parteien-Herrschaft wird wohl nicht ohne Gegenleistungen erfolgen. Dass Chinas Führung den Euro stützen will, hat sie wiederholt beteuert. Aus Eigeninteresse, denn der Euro-Raum zählt mit zu den wichtigsten Absatzmärkten. Längst ist China im Euro-Raum aktiv: In Italien soll die Volksrepublik an rund vier Prozent der Gesamtschulden beteiligt sein, das sind 76 Milliarden Euro, dafür soll sie Anteile am Versorger Enel und dem Öl- und Gaskonzern Eni bekommen haben.

In Spanien, Portugal und Griechenland liegen die Beträge jeweils im einstelligen Milliardenbereich. In Piräus wird mit chinesischer Hilfe ein Containerterminal betrieben und ein neuer gebaut. Angeblich wurde das Engagement möglich, nachdem Peking angekündigt hatte, Staatsanleihen zu erwerben.

Euro weiter unter Druck

Der Euro steht, trotz der Erleichterung der Märkte über das Ergebnis von Brüssel, weiter unter Druck. Um ihn künftig besser abzuschirmen, soll mehr Geld aktiviert werden. Zwei Modelle sind beim EFSF nach dem jüngsten EU-Gipfel im Gespräch, um die bisherige Garantiesumme von 440 Milliarden auf eine Billion Euro aufzublähen:

  • Über eine Versicherung, die der EFSF für einen Teil des Risikos bei Anleihen übernimmt. Von 20 Prozent ist die Rede, doch wird in Regierungskreisen in Berlin davon gesprochen, es könne, je nach Land, auch eine Risikobeteiligung durch den EFSF von bis zu 40 Prozent an Staatsanleihen des Euro-Raumes geben.
  • Das zweite Modell: ein internationaler Sonderfonds, an dem sich wiederum der Internationale Währungsfonds ( IWF) und andere ausländische Staatsfonds beteiligen.

Noch ist nicht klar, in welcher Form die Modelle angewandt werden. Bis November werden Vertreter der Euro-Gruppe und des EFSF weltweit Gespräche führen, um den Marktwert der beiden Varianten zu testen.

Bekommt China mehr Rechte im IWF?

Doch die Debatte darüber, ob Chinas Hilfen gewünscht sind, hat längst begonnen. Die chinesische Zeitung "China Daily" berichtete unter Berufung auf EU-Kreise, dass eine Beteiligung Chinas möglich sei, wenn im Gegenzug die Abstimmungsrechte des Landes im Internationalen Währungsfonds gestärkt würden.

Politiker in Europa beobachten die Werbetour der Euro-Europäer zwiespältig. In Frankreich erklärte der Sozialist Michel Sapin, ehemaliger Wirtschaftsminister: "Glauben Sie, dass China Europa ohne Gegenleistung unterstützen wird?" In Deutschland verläuft die Grenze zwischen Zustimmung und Ablehnung mitten durch die CDU. Der Europapolitiker Elmar Brok sagte, er habe zwar nichts gegen Hilfe aus Fernost. "Gefährlich könnte es aber werden, wenn eine bestimmte kritische Größe überschritten wird. Das muss man verhindern", so der CDU-Abgeordnete mit Blick auf Euro-Hilfen aus China. Peking verfolge schließlich kühle strategische Interessen, das müsse der EFSF im Hinterkopf behalten.

Der Chef-Haushälter der Unionsfraktion im Bundestag, Norbert Barthle, betonte hingegen: "Wenn sich ein staatlicher oder privater chinesischer Fonds über die EFSF an europäischen Staatsanleihen beteiligt, ist das zunächst mal nichts Ehrenrühriges." Eine endgültige Bewertung könne man aber erst vornehmen, wenn die konkreten Pläne bekannt sind, sagt er.

Gelassen reagierte Frank Schäffler, der schärfste Euro-Kritiker in der FDP, der in der eigenen Partei einen Mitgliederentscheid gegen den permanenten Rettungsschirm ESM auf den Weg gebracht hat. Dass Peking größeren Einfluss im Euro-Raum erhält, glaubt der FDP-Finanzexperte nicht: "Diese Sorge halte ich für übertrieben. China muss aus eigenem Interesse seine Abhängigkeit vom amerikanischen Anleihemarkt reduzieren und diversifizieren."

Einfluss auf Klima und Ökoverhandlungen befürchtet

Beim Besuch des EFSF-Chefs Regling in Peking stand die Frage von Konzessionen nicht im Raum."Es gibt keinen speziellen Handel", so Regling. Doch war der Besuch Reglings noch keine offizielle Verhandlung. Ernst dürfte es erst in der nahen Zukunft werden, wenn die Konditionen des Rettungsmodells klarer sind. Sicher ist: China drängt seit längerem darauf, endlich den Status einer Marktwirtschaft vom Westen anerkannt zu bekommen.

Doch diesem Ansinnen verweigern sich Washington, London, Paris, aber auch Berlin - schließlich herrschen für ausländische Investitionen in China immer noch nicht die gleichen Rechte wie für inländische; zudem werden Dumpingpreise chinesischer Unternehmen über staatliche Subventionen finanziert. Die Statusfrage ist also ein Instrument, das der Westen - noch - besitzt. Wird er nun in der Euro-Krise fallen? Das ist eine der - vielen - offenen Fragen. Die Forderung Chinas nach diesem speziellen Zugeständnis dürfte auch auf dem kommenden G-20-Treffen in Cannes wieder eine Rolle spielen.

Der Europa-Abgeordnete der Grünen in Brüssel, Daniel Cohn-Bendit, hält es für eine Gefahr, sich über den Rettungsfonds verstärkt auf China einzulassen. Anstatt eine europäischen Lösung über Euro-Bonds zu suchen, hätten die EU-Staats- und Regierungschefs "leichtfertig auf eine chinesische Lösung gesetzt". Wer sich chinesisches Geld für die Euro-Rettung beschaffe, hole sich auch den politischen Einfluss Chinas nach Europa, glaubt er.

Der mögliche Einfall chinesischer Milliardenhilfen in den Euro-Raum hat aus seiner Sicht einen hohen Preis. "Bei Gipfeln und Verhandlungen zu Klima-, Ökologie- und Wirtschaftsfragen kann China nun wesentlich leichter die Ziele der Europäer ausbremsen", befürchtet der Grüne.

Mit dpa

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1. Vision 2211!
MaxiScharfenberg 28.10.2011
Zitat von sysopKlingt nach einer guten Idee: Die Euro-Länder brauchen Geld, China hat es. Also flog der*Chef des EFSF-Rettungsfonds*zu*Gesprächen nach Peking. Doch Milliardenhilfen könnten*der Volksrepublik*massiven Einfluss auf künftige internationale Verhandlungen verschaffen. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794574,00.html
[QUOTE=sysop;9017790]Klingt nach einer guten Idee: Die Euro-Länder brauchen Geld, China hat es. Also flog der*Chef des EFSF-Rettungsfonds*zu*Gesprächen nach Peking. Tendenziell, so mal für mehr als 200 Jahre gerechnet, müssen die Chinesen hier alles kaufen, denn rein demographisch betrachtet, muss ja irgendwer den ganzen Kram hier verwalten und betreiben, wenn die Bevölkerungshochrechnungen stimmen. Dass sie stimmen, steht ausser Frage, höchstens, dass sie politisch immer noch ein wenig schön gerechnet werden. Aber viel bleibt von den Deutschen in 200 Jahren nicht übrig, wenn die Bevölkerungsentwicklung mathematisch schlüssig von 20050 auf 2211 hochgerechnet wird. Es könnte höchstens alles noch viel schneller gehen. Deshalb ist es grosser Quatsch, dass unsere Urenkel unsere Schulden tilgen werden. Das könnten sie schon zahlenmässig nicht. Wir sind einfach zu wenige für die einfache Reproduktion und wir sollten endlich lernen, damit umzugehen. Also, lasst die Chinesen alles kaufen, später bekommen sie es umsonst. Maxi S.
2. Na so was
blob123y 28.10.2011
....schließlich herrschen für ausländische Investitionen in China immer noch nicht die... dann fangt mal in Thailand an dort haben naemlich Auslaender (Farang genannt) ueberhaupt keine Rechte, dies ist de facto und nicht de bla bla. Ausgenommen Firmen wie Toyota etc. da die staerker sind.
3. Was soll das?
bodenseekind 28.10.2011
Was soll hier eigentlich diskutiert werden - die Sache ist doch ganz einfach: jahrelang - besser: jahrzehntelang wird jeder billige Mist, made in China, begeistert gekauft, weil der Deutsche Michel gerne ein Schnäppchen macht. Milliarden von Schnäppchen, made in China, zahlen sich aus - nämlich in China. Ob blödsinnigstes Kinder-Plastik-Spielzeug, die stonewashed Markenjeans (vermeintlich aus den USA, versteht sich) oder "Unterhaltungselektronik"... der Deutsche greift zu. Geiz ist g... "Ja, da habe ich ein Schnäppchen gemacht!" ...Da wünscht man weiterhin frohe Unterhaltung, demnächst unter Chinas Diktat. Der Deutsche Michel ist seines Wesens nach bekanntlich vor allem: naiv.
4. Nur Konsequenzen...
rafkuß 28.10.2011
Zitat von sysopKlingt nach einer guten Idee: Die Euro-Länder brauchen Geld, China hat es. Also flog der*Chef des EFSF-Rettungsfonds*zu*Gesprächen nach Peking. Doch Milliardenhilfen könnten*der Volksrepublik*massiven Einfluss auf künftige internationale Verhandlungen verschaffen. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794574,00.html
Tja, liebe Politiker, Zocker und Bürger... ...alles hat eben seinen Preis und seine Konsequenzen. Bitteres Ende.
5. Deutsche Wucher Grosshändler
mitbestimmender wähler 28.10.2011
Zitat von bodenseekindWas soll hier eigentlich diskutiert werden - die Sache ist doch ganz einfach: jahrelang - besser: jahrzehntelang wird jeder billige Mist, made in China, begeistert gekauft, weil der Deutsche Michel gerne ein Schnäppchen macht. Milliarden von Schnäppchen, made in China, zahlen sich aus - nämlich in China. Ob blödsinnigstes Kinder-Plastik-Spielzeug, die stonewashed Markenjeans (vermeintlich aus den USA, versteht sich) oder "Unterhaltungselektronik"... der Deutsche greift zu. Geiz ist g... "Ja, da habe ich ein Schnäppchen gemacht!" ...Da wünscht man weiterhin frohe Unterhaltung, demnächst unter Chinas Diktat. Der Deutsche Michel ist seines Wesens nach bekanntlich vor allem: naiv.
Nun was sagen Sie dann dazu, zum Deutschen Grosshändler, Importeur der die vom Chinesen an ihn als Billigstramsch verkauften Ware um Faktor 5-10 verteuert und ohne Qualitätskontrolle und Schuldgefühle an sie verkauft ? Die die Sie wirklich Schröpfen und über den Tisch ziehen als Endverbraucher sind die wehrten Unternehmer in Deutschland. Den der Chinese kauft nicht mal selber diesen Schund. Apropos. Holzspielsachen vom Nobelkinderladen, Teuerst Sportschuhe, ETA Uhrwerke für nicht Schweizer Uhren, Teure Reisetaschen etc pipi alles Europ.Traditionsmarken mit Made in China Etikett. In Londons HighEnd HIFI Boutiquen sind Chinesische HIFI Anlagen ab 3500-10000Euro im Trend. Der Chinesischen Oberer Mittelschicht liebste Schmuckfirma (ab 150 euro), Modefirma (Boss Preisklasse), Damenschuh Marke (ab 150 euro), Sportartikelhersteller (Aigle,ANDA, LiNing) etc sind Allesamt Chinesischen Marken auf hohen Qualitätsniveau die sich vor Deutschen oder Weltsmarken nicht fürchten müssen. Bitte zuerst sich über den chinesichen Markt informieren als grossmäulig naiv zu Posaunen bis die Chinesen einem vorbei ziehen.
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Ist der Euro jetzt gerettet?


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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fakten zur Euro-Zone

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