Schwan-Porträt Professorin mit internationalem Profil

Die Politologie-Professorin Gesine Schwan ist Kandidatin von Rot-Grün für das Amt des Bundespräsidenten. Die Wissenschaftlerin gilt als Frau mit internationalem Profil.


Schröders Kandidatin: Gesine Schwan
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Schröders Kandidatin: Gesine Schwan

Hamburg - Schwan, 60, leitet seit 1999 die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. An der Uni sind 4400 Studierende immatrikuliert, darunter rund 40 Prozent Ausländer. Zuvor lehrte sie an der Freien Universität in Berlin und forschte am Woodrow Wilson Center in Washington sowie im englischen Cambridge. Außerdem war sie von 1977 bis 1984 Mitglied der Grundwertekommission der SPD.

Schwan wurde am 22. Mai 1943 als Tochter eines späteren Oberschulrats in Berlin geboren. Sie stammt aus einem sozial engagierten Elternhaus, das im Nationalsozialismus zu protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen gehörte und sich nach dem Krieg für die Freundschaft mit Polen einsetzte. Im letzten Kriegsjahr hatten die Eltern noch ein jüdisches Mädchen versteckt.

Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte sich die zweifache Mutter in der SPD. Ab 1977 wirkte sie als Mitglied der SPD-Grundwertekommission an der Ausarbeitung von Grundsatzpapieren mit. Schwans Arbeitsschwerpunkt war zunächst die Auseinandersetzung mit dem Marxismus, dem Kommunismus und dem Antiamerikanismus, später die politische Psychologie und Demokratietheorien. Zu diesen Themenbereichen hat sie zahlreiche Arbeiten - zum Teil gemeinsam mit ihrem 1989 gestorbenen Ehemann, dem Politikwissenschaftler Alexander Schwan - publiziert.

Als streitbare Vertreterin des rechten SPD-Flügels geriet sie in den Vordergrund, als die Gruppe um Bundeskanzler Helmut Schmidt nach dem umstrittenen Nato-Doppelbeschluss 1979 zur Minderheit in der SPD wurde. Weitgehende Beachtung fand 1982 ihre Studie "Sozialismus in der Demokratie? - Theorie einer konsequent sozialdemokratischen Politik".

Ausgesprochen kritisch äußerte sie sich wiederholt insbesondere in den achtziger Jahren über die Entspannungspolitik der eigenen Partei und wurde damit zur Gegnerin von Willy Brandt. 1984 wurde sie aus der Grundwertekommission der Partei abgewählt - ein bis dahin einmaliger Vorgang in der SPD-Parteigeschichte.

Anfang 1999 überraschte Schwan mit ihrer Kandidatur für die Präsidentschaft der Freien Universität Berlin. Sie unterlag jedoch damals ihrem Gegenkandidaten, dem Mediziner Peter Gaehtgens. Ein beherzter Wahlkampf bescherte ihr, bei Ämterbesetzungen dieser Art eher unüblich, bundesweite Aufmerksamkeit.

Mitte des Jahres wurde sie dann stattdessen vom Hochschulrat in Brandenburg einstimmig zur Präsidentin der Europa-Universität Viadrina nominiert und mit nur einer Gegenstimme gewählt. Ein entsprechendes Angebot hatte sie noch ein Jahr zuvor ausgeschlagen.



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