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Schwarz-gelbe Projekte Kanzlerin sucht Kontur

Kanzlerin Merkel (bei einer Rede im Mai): Wie gewinnt die Koalition Kontur?Zur Großansicht
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Kanzlerin Merkel (bei einer Rede im Mai): Wie gewinnt die Koalition Kontur?

3. Teil: Was Merkel noch erledigen muss

  • Reform der Bundeswehr. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat eine große Reform der Bundeswehr angekündigt. Das Problem: Nach wie vor sind zentrale Fragen offen. Vor allem ist ungeklärt, ob die Wehrpflicht erhalten wird oder nicht. Guttenberg hat Kanzlerin Merkel am Dienstag diverse Modelle zur Zukunft der Streitkräfte vorgelegt . Gemein ist ihnen, dass die Truppenstärke von bisher rund 250.000 Soldaten deutlich reduziert werden soll. Auch eine externe Kommission unter dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, arbeitet an Strukturvorschlägen. Dabei geht es unter anderem um eine Stärkung der Position des Generalinspekteurs.
  • Laufzeiten der Atomkraftwerke. Im Herbst will die Bundesregierung ein Energiekonzept vorlegen, in dem auch die neuen Laufzeiten vorkommen. Derzeit formulieren Experten auf Wunsch von Union und FDP Szenarien mit Verlängerungen auf eine Gesamtlaufzeit von bis zu 60 Jahren. Das würde einen maximalen Weiterbetrieb der Atommeiler um aktuell 28 Jahre bedeuten. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) allerdings setzt eher auf eine moderate Laufzeitverlängerung zwischen acht und zehn Jahren. Es ist unklar, ob er sich gegen seine Parteifreunde durchsetzen kann. Zweiter Knackpunkt: Wie können die zu erwartendenden Milliarden-Zusatzgewinne der Stromkonzerne in Teilen abgeschöpft werden? Die Koalition hat in ihrem Sparpaket schon eine Brennelementesteuer vorgesehen, die pro Jahr 2,3 Milliarden Euro bringen soll. Über weitergehende Abgaben ist Schwarz-Gelb uneins. CSU-Chef Horst Seehofer zum Beispiel lehnt sie strikt ab.
  • Finanzmarktregulierung. Selbst die FDP ist inzwischen für ein schärferes Vorgehen. Die schwarz-gelbe Koalition unternimmt sogar nationale Alleingänge wie beim Verbot sogenannter ungedeckter Leerverkäufe, also bestimmter Börsenwetten. Beschlossen wurden auch schärfere Bonusregeln für Manager in Banken und Versicherungen sowie klarere Vorschriften für Finanzinstitutionen - doch die wirklich großen Projekte sind offen: Was ist mit der von Kanzlerin Merkel lange angekündigten Transaktionssteuer - von der die Koalition plötzlich nichts mehr wissen will? Und warum versucht die Bundesregierung nicht offensiver, internationale Standards zur Finanzmarktregulierung durchzusetzen?
  • Reformen am Arbeitsmarkt. Fachministerin Ursula von der Leyen hat manches durchgesetzt, zum Beispiel den Erhalt der Jobcenter. Damit ist die Betreuung von mehr als 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfängern und ihren Familien gesichert. Auch beim Sparen engagiert sich die CDU-Politikerin besonders - das Budget ihres Hauses soll 2011 um acht Prozent auf 131 Milliarden Euro schrumpfen, allerdings vor allem auf Kosten der Schwachen. So will sich der Bund die Beiträge zur Rentenversicherung für Hartz-IV-Empfänger sparen. Endgültig beschlossen ist das aber noch nicht. Und so gibt es bei von der Leyen noch einige Baustellen - zum Beispiel die Neuregelung der Zeitarbeit, der verfassungswidrigen Hartz-IV-Sätze für Kinder oder der Zuschüsse für die Bundesagentur für Arbeit. 2010 bekommt die Bundesagentur einen Milliardenzuschuss, 2011 soll es aus haushalterischen Gründen nur noch ein Darlehen sein.
  • Bildungsausgaben. Zwar haben sich Bund und Länder geeinigt, möglichst bis 2015 zehn Prozent der Bruttosozialprodukts für Bildung und Forschung auszugeben - doch wünschen sich manche Ministerpräsidenten eine Verschiebung dieses Zieldatums. Kosten von 13 Milliarden Euro sind zu erwarten; der Bund will 40 Prozent davon tragen. Die Bundesländer verlangen fürs Zehn-Prozent-Ziel mehr Geld aus dem Mehrwertsteueraufkommen, die Kanzlerin lehnt dies bisher ab. Ein höheres Bafög, das der Bundesrat genehmigen müsste, ist ebenfalls wegen Finanzierungskonflikten vorerst gestoppt. Konkret verständigt haben sich Bundesministerin Annette Schavan (CDU) und Länder bloß auf Elitestipendien und auf einen Qualitätspakt für bessere Hochschullehre; beides zahlt großteils der Bund.
  • Außenpolitik. Die Kanzlerin war zuletzt in China, Russland und Kasachstan - und hat damit einmal mehr deutlich gemacht, dass Außenpolitik auch für die Regierungschefin ein wichtiges Feld ist. Minister Westerwelle muss sich mit anderen Feldern bescheiden, die eigentlich nicht weniger wichtig sind. Vor allem in Sachen Afghanistan bemüht sich der Liberale, den Anspruch auf eine Abzugsperspektive für die Bundeswehr zu konkretisieren. Die deutsche Truppe soll die erste von neun Provinzen im Norden des Landes schon 2011 den Afghanen zur Eigenverantwortung übergeben - tatsächlich bestehen im Krieg gegen die Taliban aber so große Probleme, dass realistische Planungen schwierig sind. Ein anderes Thema des FDP-Chefs ist die Abrüstungsfrage. Eine von ihm mit Kollegen gestartete Initiative zum Abzug der letzten taktischen US-Atomwaffen aus Europa wird nun in der Nato diskutiert. Der Ausgang ist offen - wie so vieles in der Außenpolitik.
  • Kampf gegen Kinderpornografie. Die Möglichkeit zur Sperrung von Internetseiten wurde noch unter der Großen Koalition durchgesetzt, auf Druck der damaligen Familienministerin von der Leyen. Schwarz-Gelb steuerte um, vor allem auf Druck von FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Jetzt sollen Problemseiten verstärkt gelöscht werden. Doch dies macht mehr Probleme als erwartet: Ein erster Zwischenbericht des Innenministeriums ergab jüngst, dass von Januar bis Juni nur 20 Seiten gelöscht wurden - und 40 Prozent noch eine Woche lang zugänglich waren, nachdem die Löschung beauftragt wurde. Das Bundeskriminalamt soll nun eine Statistik erstellen, bis zum Jahresende wird man mehr wissen. Mindestens so lange ist das Thema auch politisch nicht erledigt.
  • Datenschutz. Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wurde im Frühjahr vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben. Hier muss die Koalition nun ein Gesetz erstellen, das die Freiheitsrechte der Bürger stärker berücksichtigt. Fast ebenso umstritten ist das Großprojekt Elena ("Elektronischer Entgeltnachweis"), dem zufolge seit Jahresbeginn jeder Arbeitgeber für jeden seiner Beschäftigten einmal pro Monat einen Datensatz übermitteln muss. Elena wurde mittlerweile auf Druck der FDP ausgesetzt - offizielles Argument: Die Kosten liefen aus dem Ruder. Parallel dazu läuft aber auch eine Klage beim Bundesverfassungsgericht.
  • Embryonenschutz. Darf durch Präimplantationsdiagnostik (PID) eine Auswahl von erblich unbelasteten Embryonen vorgenommen werden? Ein neues, eher liberales Urteil des Bundesgerichtshofs hat eine Debatte entzündet. Einige Unionspolitiker fordern schärfere Regeln, Leutheusser-Schnarrenberger will es dagegen Frauenärzten künftig erlauben, nach dem PID zu verfahren - und Schavan findet es noch zu früh, um über Änderungen am PID-Gesetz zu beraten. Unionsfraktionschef Volker Kauder will seine Abgeordneten nach der Sommerpause über ein PID-Verbot beraten lassen. Ein Thema, das alle Parteien spaltet.

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insgesamt 44 Beiträge
Roueca 22.07.2010
Entweder war die Dame high oder sie sieht die Realität verzerrt. Da sitzt die und lacht und weis wahrscheinlich nicht einmal warum. Vielleicht sollte sie mal dran arbeiten und nicht mehr ihre Nägel abbeißen ist äußerst peinlich [...]
Entweder war die Dame high oder sie sieht die Realität verzerrt. Da sitzt die und lacht und weis wahrscheinlich nicht einmal warum. Vielleicht sollte sie mal dran arbeiten und nicht mehr ihre Nägel abbeißen ist äußerst peinlich solche Finger in der Öffentlichkeit präsentieren. Ansonsten redet sie alles schön, betrachte durch ihrer rosarote Brille.
Monsieur Rainer 22.07.2010
Nur, was hat die deutsche Bevölkerung damit zu tun? Wo sind die Grundsatzthemen, die das Volk interessieren? Wann spart der Staat an sich selbst? Wann werden die 50 parlamentarischen Staatssekretäre abgeschafft? Wann wird der [...]
Nur, was hat die deutsche Bevölkerung damit zu tun? Wo sind die Grundsatzthemen, die das Volk interessieren? Wann spart der Staat an sich selbst? Wann werden die 50 parlamentarischen Staatssekretäre abgeschafft? Wann wird der Zweitwohnsitz der Regierung in Bonn abgeschafft? Wie kann man Behörden einsparen? Welche Gesetze sind verzichtbar? Welche Ministerien sind verzichtbar? Wann wird die Mehrwertsteuer vereinfacht? Wann werden die vielen Ausnahmeregelungen im Steuerrecht abgeschafft? Wann werden Deutsche endlich nach ihrem Pass und nicht an ihrem Wohnsitz in Steueroasen besteuert? Wann werden unsere Soldaten aus Afghanistan abgezogen? Usw.Usw. Fragen über Fragen, die die das Volk berühren. Nichts davon wird angepackt. Diese Regierung verwaltet, aber sie regiert nicht! Sie ist eine Verwaltungsbehörde, mehr nicht!
semipermeabel 22.07.2010
Peinlicher als die Nägel fand ich den gesamten Auftritt. Die Kanzlerin spasst und wiegelt ab. Arbeitsanreiz durch Kürzungen schaffen und bei Phönix läuft das Nachrichtenband unten lang und verkündet: die Rentenkassenbeiträge [...]
Zitat von RouecaEntweder war die Dame high oder sie sieht die Realität verzerrt. Da sitzt die und lacht und weis wahrscheinlich nicht einmal warum. Vielleicht sollte sie mal dran arbeiten und nicht mehr ihre Nägel abbeißen ist äußerst peinlich solche Finger in der Öffentlichkeit präsentieren. Ansonsten redet sie alles schön, betrachte durch ihrer rosarote Brille.
Peinlicher als die Nägel fand ich den gesamten Auftritt. Die Kanzlerin spasst und wiegelt ab. Arbeitsanreiz durch Kürzungen schaffen und bei Phönix läuft das Nachrichtenband unten lang und verkündet: die Rentenkassenbeiträge werden nicht gesenkt...
deppvomdienst 22.07.2010
Mir ist noch in Erinnerung, dass sie in Anbetracht der Finanzkrise einräumte, nach Sicht zu fahren. Heißt: wir haben keinen Plan. War zwar im Herbst 2008 bedauerlich, aber vielleicht sogar unvermeidlich. Jetzt, 20 Monate später, [...]
Mir ist noch in Erinnerung, dass sie in Anbetracht der Finanzkrise einräumte, nach Sicht zu fahren. Heißt: wir haben keinen Plan. War zwar im Herbst 2008 bedauerlich, aber vielleicht sogar unvermeidlich. Jetzt, 20 Monate später, schaut sie wieder, diesmal „nach vorn“. Stellt sich nur die Frage, wo nach 20 Monaten Irrfahrt vorne ist. In der to-do-Liste fehlt aber genau dieser Teil! Der Kapitän hat sich nicht um die Reparaturen zu kümmern, sondern hat die allgemeine Richtung vorzugeben. Es geht nicht darum, ob jemand mit 40.000 Euro Einkommen im Jahr 2012 evtl. 3.573 Euro oder 3.988,50 Euro Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen hat, ob sein Anteil hieraus 52 oder 51% beträgt und ob sich sein Spitzensteuersatz dann auf 38 oder 41% beläuft. Das ist nicht mit der „Richtlinienkompetenz“ des Bundeskanzlerwesens (m/w) nach Art. 65 GG gemeint! Ja, Ihr Amtsvorgänger Gerhard Schröder ist genau dafür abgestraft worden, dass er eine kraftvolle Agenda, weit über den Tellerrand hinaus, durchgeboxt hat. Aber die geschönt niedrigen Arbeitslosenzahlen, auf denen sich Frau Dr. Merkel ausruht, gehen ja genau hierauf zurück. Und am Horizont zeichnet sich das nächste Gewitter ab: *Kein wirtschaftlicher Aufschwung kann so groß werden, dass sich hieraus die Staatsfinanzen sanieren lassen und die Kosten der Sozialsysteme bezahlbar bleiben!* Trotz vglw. niedriger Arbeitslosigkeit sind die Krankenkassen und die Arbeitslosenversicherung hoch defizitär. Die Pflegeversicherung hat ihre Belastungsspitze noch vor sich, die jetzt vereinbarten Mindestlöhne dort werden das Problem ebenso verschärfen wie der Wegfall der Zivildienstleistenden infolge der Reformen beim Wehrdienst. Mit dem Anspringen unserer Exportwirtschaft werden die Währungsspannungen im Euroraum noch schärfer. Hieraus erwachsen auch politische Risiken. Was im Artikel aufgeführt ist, sind vielleicht die Probleme der Parteivorsitzenden der CDU, nicht aber die Probleme der Kanzlerin aller Deutschen. Und wir sollten das deutlich trennen und von ihr verlangen, dass sie endlich den Kanzlerjob ausfüllt!
Kandel 22.07.2010
In der Auflistung der noch abzuarbeitenden Aufgaben vermisse ich - einmal mehr - den Klimaschutz. Oder sollte ich den überlesen haben? Der Beitrag zu der Atomkraftwerke-Laufzeit ist über die Fokussierung auf die [...]
In der Auflistung der noch abzuarbeitenden Aufgaben vermisse ich - einmal mehr - den Klimaschutz. Oder sollte ich den überlesen haben? Der Beitrag zu der Atomkraftwerke-Laufzeit ist über die Fokussierung auf die Brennelementsteuer auch gleich wieder auf eine finanzielle Schiene/ wirtschaftliche Frage gelenkt worden, doch in meinen Augen sind Klimawandel und CO2-Ausstossminimierung die ganz zentralen Herausforderungen unserer Zeit, die viel tiefgreifendere Umwälzungen im Denken und Handeln (auch jedes Einzelnen von uns) erfordern. Alle anderen im Artikel genannten Themen sind mit Sicherheit außerordentlich wichtig. Wenn wir den Klimawandel aber nicht in den Griff kriegen, sind sie alle nur Makulatur und wir können den Laden eh dichtmachen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass diese Tatsache und weltweit größte Herausforderung so wenig wahrgenommen/ thematisiert wird...
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Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im Öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.




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