Schleswig-Holstein CDU erntet Spott für Schweinefleisch-Offensive

Ein "Pork-Day" in öffentlichen Kantinen? Die CDU in Schleswig-Holstein will Schweinefleisch auf den Tellern sehen - Politiker anderer Parteien reagierten mit Häme.

Frikadellen aus Schweinefleisch
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Frikadellen aus Schweinefleisch


Es muss ein Recht auf Schweinefleisch in Kantinen geben, findet die CDU in Schleswig-Holstein.

Der Vorstoß aus dem Norden hat Schlagzeilen gemacht und auch Bundespolitiker auf den Plan gerufen: "Ich hab so'nen Quatsch noch nicht gehört. Man muss auch aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert, das wäre mein Rat", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel dazu.

Für die rot-grüne Landesregierung in Schleswig-Holstein nahm Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Stellung: "Staatlichen Handlungsbedarf kann ich nicht erkennen. Und schon gar nicht teile ich die Verkürzung unserer grundgesetzlichen Werte auf die Pflicht, Kotelett oder Hack zu essen."

In den sozialen Netzwerken gab es parteiübergreifend reichlich Häme zu der Schweinefleisch-Offensive aus Kiel. SPD-Bundesvize Ralf Stegner spottete: "Vegetarier,Veganer + Moslems in politischer Dreieinigkeit: Machtübernahme in SH-Kantinen." FDP-Parteichef Christian Lindner twitterte: "Erst #Veggieday, jetzt #Schweinefleischpflicht." Sein Partei-Vize und Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki warnte vor der "Diskriminierung von Rindfleisch."

"Nein, es ist nicht der 1. April", schrieb der Grünen- Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz, seine Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt meinte bei Twitter: "#CDU fordert Integrationspflicht für Vegetarier."

"Als Verfassungspatriot erkläre ich: Das Schweinefleisch gehört nicht zu den Werten unserer Verfassung", so Volker Beck, Grünen-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Religionspolitik. "Es ist die autoritäre Denke der Rechtspopulisten, wenn Juden, Muslime, Vegetarier und Veganer zum Schweinefleischkonsum gezwungen werden sollen." Wer keine anderen kulturellen Werte als Schweinefleisch habe, "ist eine arme Sau".

Auch von Gewerkschaften kam Kritik: "Die Kantinenköche und ihre Gäste brauchen keine Aufpasser und Speisepläne aus dem Parteibüro", monierte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. Die GEW in Schleswig-Holstein hielt der CDU vor, "mit ihrem Antrag weniger die gesunde Ernährung unserer Kinder im Auge zu haben als Wählerstimmen vom rechten Rand. Da wird gleichsam mit der Schweinewurst nach rechtspopulistischen Wählerinnen und Wählern geworfen."

Die CDU-Fraktion im Landtag in Kiel hatte in ihrem Antrag zum Schweinefleisch geschrieben: "Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt." Immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen würden Schweinefleisch aus ihrem Angebot nehmen, um auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen, begründete CDU-Fraktionschef Daniel Günther die Forderung.

Die CDU halte das für falsch. "Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch", so Günther. Eine "Schweinefleischpflicht" freilich plane die CDU nicht. "Wer dies - aus welchen Gründen auch immer - nicht essen möchte, muss dies nicht tun", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Man wolle aber auch nicht, dass die Mehrheit deshalb auf Schweinefleisch verzichten müsse.

SPIEGEL ONLINE

anr/dpa



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