Schleswig-Holstein Abgeordnete verhohnepipeln Schweinefleisch-Offensive der CDU

Die CDU in Schleswig-Holstein will in öffentlichen Kantinen Schweinefleisch auf den Tellern sehen. Im Kieler Landtag sorgt der Antrag für viel Spott.

Daniel Günther, CDU-Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein
DPA

Daniel Günther, CDU-Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein


Soll es ein Recht auf Schweinefleisch in Kantinen geben? Ja, sagt die CDU in Schleswig-Holstein. Fraktionschef Daniel Günther verteidigte den Antrag seiner Partei, Titel: "Pluralismus im Nahrungsmittelangebot öffentlicher Kantinen".

"Der Minderheitenschutz - auch aus religiösen Gründen - darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird", sagte Günther am Mittwoch im Landtag in Kiel.

Die anderen Parteien warfen den Christdemokraten vor, Rechtspopulismus zu betreiben und letztlich Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, der CDU-Antrag wirke politisch hochgefährlich und sei ausschließend, weil die Mehrheit gegen die Minderheit ausgespielt werde. Kantinen sollten einfach selbst über ihr Essensangebot entscheiden.

Der SSW-Abgeordnete Flemming Meyer von der dänischen Minderheit sagte, die CDU fische im Trüben am rechten Rand.

Es ging auch recht heiter im Plenum zu: Gejohle, Gelächter und Wortspiele rund ums Schwein prägten die Debatte nach der Mittagspause. Die Abgeordneten hatten zuvor in der Kieler Landeshauskantine zwischen Matjes, Entenkeule und Schweinenacken wählen können.

Der SPD-Abgeordnete Martin Habersaat erklärte ironisch-spöttisch:

"Wir stehen auf einem neuen Höhepunkt des jahrtausendealten Kulturkampfes zwischen Orient und Okzident. Heute kommen die muslimischen Flüchtlinge bekanntlich zu keinem anderen Zweck nach Mitteleuropa, als uns, Seite an Seite mit Vegetariern, Veganern und Rheumatikern, das Schwein madig zu machen. Hier gilt es, den Anfängen zu wehren und unsere Freiheit am Schwenkgrill zu verteidigen."

Der CDU-Vorstoß hatte zuvor schon im Internet für großes Aufsehen und Spott gesorgt (lesen Sie hier mehr). Sogar US-Medien hätten berichtet, erzählte Günther. Und der regierungstreue russische Auslandsfernsehsender "RT Deutsch" habe ihn interviewen wollen.

Am Ende verwarfen alle anderen Fraktionen den CDU-Vorstoß.

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heb/dpa

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