Hamburg - Bislang fiel Horst Seehofer meist mit Sticheleien gegen Kanzlerin Angela Merkel und die schwarz-gelben Koalitionäre in Berlin auf. Doch nun fordert ausgerechnet Bayerns gerne nörgelnder Ministerpräsident die Bundesregierung auf, ihre Politik besser zu verkaufen.
"Die schwarz-gelbe Koalition ist die erfolgreichste Regierung in Europa", sagte CSU-Chef Seehofer der "Bild am Sonntag". Sie habe die größte Wirtschafts- und Finanzkrise der Nachkriegszeit am besten gemeistert. Dies müssten Merkel und Co. "viel stärker in die Köpfe der Menschen bringen".
Schwarz-Gelb habe die Arbeitslosigkeit gesenkt, den Haushalt saniert und für Geldwertstabilität gesorgt. "Das soll uns erst mal einer nachmachen", prahlt Seehofer.
Was der CSU-Chef dabei unterschlägt: Die wesentlichen Entscheidungen im Kampf gegen Krise und Arbeitslosigkeit hat die Große Koalition getroffen. Schwarz-Gelb profitierte 2010 stark von der Vorgängerregierung und fiel selbst vor allem mit Streit und gebrochenen Wahlversprechen auf - etwa mit dem Abschied von "Mehr Netto vom Brutto". Tatsächlich werden Arbeitnehmer 2011 weniger in der Tasche haben als im Vorjahr.
Doch Seehofer ficht das anscheinend nicht an. Er sagt zur derzeitigen Lage der Deutschen: "Solange in Deutschland die stellenweise Knappheit von Streusalz und eine neue Benzinsorte die Hauptprobleme sind, klagen wir auf sehr hohem Niveau."
Ein Land, das über solche Fragen diskutiere, müsse ein glückliches Land sein.
cte
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