Bundeswehr: "Gorch Fock" sticht wieder in See

Es ist die erste Fahrt nach den Skandalen: Das Segelschulschiff "Gorch Fock" fährt nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin vor zwei Jahren wieder zur See. Neue Offiziersanwärter sind auf der Ausbildungsreise noch nicht an Bord.

Die "Gorch Fock" sticht in See: Die Ausbildung soll verbessert werden Zur Großansicht
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Die "Gorch Fock" sticht in See: Die Ausbildung soll verbessert werden

Kiel - Um 9.57 Uhr hieß es im Heimathafen Kiel "Leinen los": Das Segelschulschiff "Gorch Fock" ist am Dienstag mit etwa 150 Besatzungsmitgliedern in See gestochen. Das Schiff nimmt Kurs auf die Kanarischen Inseln. Die Reise dient der Schulung der Stammbesatzung.

Es ist das erste Mal, das die "Gorch Fock" wieder zur See fährt, seitdem eine 25-jährige Offiziersanwärterin bei einer Segelübung im November 2010 in den Tod gestürzt war. Die Kadetten-Ausbildung der "Gorch Fock" war unmittelbar nach dem Unfall ausgesetzt worden. Zwei Jahre zuvor war bereits eine 18-Jährige während eines Trainings aus ungeklärten Gründen ertrunken.

Die "Gorch Fock" geriet wegen fragwürdiger Ausbildungsmethoden und Vorwürfen zu sexueller Belästigung in die Schlagzeilen. In einem Bericht des Verteidigungsministeriums wurden auch Fehler bei der Dienstaufsicht an Bord festgestellt. Der damalige Kapitän wurde entlassen. Neuer Kapitän ist Helge Risch.

Die Ausbildung auf dem Schiff soll nun besser sein: Das Ausbildungskonzept der Marine wurde vor dem Auslaufen der "Gorch Fock" überarbeitet. Künftig verbringen die Kadetten sieben statt bislang sechs Wochen an Bord.

Zudem wurde das Schiff für etwa 10 Millionen Euro modernisiert. Das Schiff hatte starken Rostschäden.Durch neue Sicherungen sei die Gefährdung der Soldaten in der Takelage erheblich reduziert worden, sagte Risch. "Eine risikolose Takelage gibt es jedoch nicht", sagte der Kommandant.

Die "Gorch Fock" segelt von Kiel erst nach Las Palmas, wo die Besatzung Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen wird. Am 20. Januar 2013 werden die ersten von insgesamt 220 neuen Offiziersanwärtern an Bord gehen.

Die "Gorch Fock" ist seit 1958 im Einsatz. Seitdem wurden auf dem Schiff 15.000 Offizier- und Unteroffizieranwärter ausgebildet.

lat/AFP/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Bitte mal den Abschlußbericht lesen
andre_jordan 27.11.2012
Nicht nur Spiegel und Süddeutsche sind auf Springers Märchenmeldungen hereingefallen. Schlußendlich verpufften die angeblichen Skandale! Der einzige Skandal in diesem Fall war das Verhalten von Guttenberg.
2. Sehr vernünftig
Stauxx 27.11.2012
Diesmal sind keine Frauen an Bord. Es wird nur von Offiziersanwärtern gesprochen. Es gab nur 2 schwere Unfälle an Bord in den letzten 10 Jahren. Und beide Male waren weibliche Kadetten betroffen, die einfach nicht die Kraft haben, die der Offiziersberuf nun mal verlangt.
3.
Hamberliner 27.11.2012
Zitat von sysopEs ist die erste Fahrt nach den Skandalen: Das Segelschulschiff "Gorch Fock" fährt nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin vor zwei Jahren wieder zur See. Neue Offiziersanwärter sind auf der Ausbildungsreise noch nicht an Bord. Segelschulschiff "Gorch Fock" sticht wieder in See - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/segelschulschiff-gorch-fock-sticht-wieder-in-see-a-869576.html)
Über die neuen Sicherungsleinen kann man nicht meckern, und über den Übungsmast in der MSM ebensowenig. Problem gelöst. Mein Neffe wird nun bei den nächsten OAs dabei sein, 27 Jahre nach mir, und ich mach mir um ihn jetzt keine Sorgen. Ein Absturz, und zwar ein beruflicher, droht erst nach den 12 Jahren. ---Zitat--- Seitdem wurden auf dem Schiff 15.000 Offizier- und Unteroffizieranwärter ausgebildet. ---Zitatende--- Nunja, wenn der SPIEGEL dauernd Schiffbau mit s schreibt und nun anfängt, Offiziersanwärter ohne s zu schreiben, dann gleicht natürlich der eine Fehler den anderen aus.
4.
Hamberliner 27.11.2012
Zitat von StauxxDiesmal sind keine Frauen an Bord. Es wird nur von Offiziersanwärtern gesprochen.
Dieses Jahr segeln noch keine OAs, sondern die Stammbesatzung. Unter den derzeitigen OAs (Crew VII/2012), die Anfang 2013 segeln werden, befinden sich jede Menge Frauen. Kann das jemand bestätigen, dass die alle nicht mitsegeln?
5. Kraft
Garrincha 27.11.2012
[...] Und beide Male waren weibliche Kadetten betroffen, die einfach nicht die Kraft haben, die der Offiziersberuf nun mal verlangt.[...] Schon erstaunlich, dass es im 21. Jahrhundert noch solche Aussagen gibt. Ich würde annehmen, dass Kraft heute nicht mehr zwingend verlangt wird, sondern primär Intelligenz.
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Die "Gorch Fock"
Das Schiff
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Das legendäre Segelschulschiff "Gorch Fock" ist das älteste Schiff der deutschen Marine, es gilt als Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren. Gebaut wurde es auf der Hamburger Werft Blohm & Voss, im August 1958 lief es vom Stapel. Benannt ist das Schiff nach dem Schriftsteller Gorch Fock, der im Ersten Weltkrieg in einer Seeschlacht starb.

Die "Gorch Fock" ist 89 Meter lang und 12 Meter breit, der Tiefgang beträgt 5,25 Meter. Fock- und Großmast sind 45,30 Meter hoch, der Besanmast etwa 40 Meter. Eine Diesel-Antriebsanlage erlaubt eine Geschwindigkeit mit dem Motor von 12 Knoten (etwa 23 Kilometer in der Stunde). Die Höchstgeschwindigkeit unter Segeln liegt bei rund 17 Knoten, bei ihrem Rekord war sie 18,2 Knoten schnell. Die "Gorch Fock" untersteht der Marineschule Mürwik bei Flensburg, Heimathafen ist Kiel.
Die Besatzung
Der Dreimaster hat eine 85-köpfige Stammbesatzung, dazu kommen bis zu 138 junge Lehrgangsteilnehmer. In mehr als 50 Jahren wurden rund 14.500 Kadetten auf der "Gorch Fock" ausgebildet - viele berichteten anschließend von einer extrem harten Ausbildung. 1989 kamen mit fünf Sanitätsoffiziersanwärterinnen erstmals Frauen an Bord.
Die Ausbildung
Offizier- und Unteroffizieranwärter erhalten dort ihre praktische und theoretische Ausbildung für spätere Aufgaben in der Flotte. Laut Marine sollen die Lehrgangsteilnehmer an Bord das "grundlegende seemännische Handwerk" erlernen. "Sie erfahren in der Praxis die Bedeutung von Teamwork und Kameradschaft." Allerdings werde den Lehrgangsteilnehmern und der Crew "sowohl beim Aufentern in bis zu 45 Meter Höhe als auch beim Segelsetzen viel abverlangt", heißt es auf der Marine-Homepage.

Trotz modernster Technik ist der Ausbildungsabschnitt Segelschulschiff nach Ansicht der Marine weiterhin von großer Bedeutung. "Nirgendwo wird der Einfluss des Wetters auf Schiff und Besatzung so intensiv erlebt und zur gesicherten Erfahrung wie auf einem Großsegler", heißt es auf der Internetseite der Marine. Gerade die Ausbildung auf einem Segelschulschiff präge die Charaktereigenschaften und Gemeinschaftssinn, die für einen militärische Vorgesetzten unerlässlich seien.
Die Todesfälle
Während der Lehrgänge kam es mehrfach zu Todesfällen. Seit 2008 verloren gleich zwei Soldatinnen an Bord ihr Leben: Im vergangenen November stürzte eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage auf das Deck. Im September 2008 war eine 18-jährige Soldatin während ihrer Wache bei rauer See in die Nordsee gefallen und ertrunken.
Der Kommandant
Seit 2006 hatte Kapitän Norbert Schatz, 53, das Kommando über die "Gorch Fock" - im Zusammenhang mit dem Unfalltod der 25-jährigen Sarah wurde er Ende Januar 2011 von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg abgesetzt. Die Dreimastbark sei schon immer sein Ziel gewesen, erklärte der 53-Jährige einst. Nach dem Abitur trat er deshalb 1976 in die Marine ein und entschied sich für eine Laufbahn als Fregattenfahrer. Gleich zu Beginn sammelte er erste Erfahrungen auf dem Segelschiff. Von 1997 bis 1999 war er als Erster Offizier an Bord.

Chronologie: Die "Gorch Fock"-Affäre im Überblick
7. November 2010 - Tod aus der Takelage
Bei einer Ausbildungsfahrt in Brasilien stürzt eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage des Dreimasters in den Tod.
19. November 2010 - Offiziere werden abgezogen
Die Offiziersausbildung an Bord wird ausgesetzt. Die gut 70 Offiziersanwärter kehren aus Brasilien nach Deutschland zurück. Das Ausbildungskonzept soll überprüft werden.
18. Januar 2011 - Bericht von Königshaus
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, übermittelt dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dem Verteidigungsausschuss des Bundestags einen Bericht über die Zustände auf der "Gorch Fock". Es geht um den Vorwurf der Meuterei, sexuelle Belästigung und massiven Druck auf Kadetten beim Aufstieg in die Takelage.
20. Januar 2011 - Rückkehr nach Argentinien
Ein Ermittlungsteam der Marine soll die Vorgänge nach dem Tod der Offiziersanwärterin aufklären. Die "Gorch Fock" kehrt zu ihrem letzten Hafen Ushuaia in Argentinien zurück, bis das Ermittlerteam eintrifft.
21. Januar 2011 - Guttenberg suspendiert Schatz
Guttenberg enthebt den Kommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz, bis zum Abschluss der Ermittlungen seines Postens. Der Öffentlichkeit kündigt er dies per Zeitungsinterview an. Die Opposition kritisiert die Entscheidung als überstürzt. Guttenberg räumt Tage später vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Informationspannen ein.
28. Januar 2011 - Untersuchungen starten
Das Untersuchungsteam der Marine geht an Bord. In einem offenen Brief an Guttenberg weist die "Gorch Fock"-Besatzung die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück und beklagt fehlenden Rückhalt in der Bundeswehr. Das Ermittlerteam hat zwei Wochen später seine Untersuchungen abgeschlossen. Es befragte 221 Offiziersanwärter und 192 Angehörige der Stammbesatzung.
30. Januar 2011 - Das Schiff segelt heim
Unter dem Befehl des kurzfristig eingeflogenen Kommandanten Michael Brühn macht sich die "Gorch Fock" auf den Weg zurück nach Deutschland.
8. März 2011 - Schatz wird entlastet
Kommissionsleiter Horst-Dieter Kolletschke übergibt Marineinspekteur Axel Schimpf den Marine-Untersuchungsbericht. Das Fazit der Ermittler lautet: Die erhoben Vorwürfe hätten sich "zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen".
14. März 2011 - Affäre rückt in den Hintergrund
Für den neuen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sei die Aufklärung der "Gorch Fock"-Affäre keine Chefsache mehr, sagt der stellvertretende Ministeriumssprecher.
16. März 2011 - Eklat im Bundestag
Der Verteidigungsausschuss des Bundestags berät über die "Gorch Fock"-Affäre. Die Sitzung wird ergebnislos abgebrochen, weil das Ministerium noch keine Bewertung abgeben und erst den Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten will.

6. Mai 2011 - "Gorch Fock" trifft in Kiel ein
Nach achteinhalb Monaten läuft das Schulschiff im Heimathafen ein. An Bord: 181 Besatzungsmitglieder. 1500 Angehörige, Besucher und Berichterstatter heißen das Schiff in Kiel willkommen. Die Zukunft des Dreimasters ist ungewiss.
6. Juli 2011 - Der Dreimaster bleibt Schulschiff
Der Bundestag stimmt zu, dass das Schiff weiter zur Marineausbildung genutzt werden soll. Das Lehrkonzept auf dem Viermaster wird allerdings erheblich umgestaltet.