Segler in Zwangspause: Offenbar neuer "Gorch Fock"-Kommandant gefunden

Die Suche nach einem neuen Kommandanten auf der "Gorch Fock" ist offenbar beendet: Ein Jahr nach dem tragischen Tod einer Kadettin steht Berichten zufolge fest, wer in Zukunft das Kommando auf dem Segelschulschiff führen soll. Mehrere Kandidaten hatten abgelehnt.

Segelschulschiff "Gorch Fock": Soll 2012 wieder im Einsatz sein Zur Großansicht
dapd

Segelschulschiff "Gorch Fock": Soll 2012 wieder im Einsatz sein

Kiel - Neuer Kommandant der "Gorch Fock" soll Kapitän zur See Helge Risch werden. Der Offizier, der zurzeit auf dem größten Nato-Marinestützpunkt in Norfolk im US-Bundestaat Virginia tätig ist, werde das Segelschulschiff Mitte 2012 übernehmen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Marine-Kreisen. Zuvor hatte dies bereits der NDR berichtet. Ein Sprecher des zuständigen Marineamtes in Rostock wollte sich nicht dazu äußern.

Der designierte Kommandant kennt die "Gorch Fock" aus eigener Erfahrung. Vor zehn Jahren war er unter Kapitän John Schamong ein Jahr lang Erster Offizier auf der Bark.

Zu Rischs Aufgaben soll es gehören, ein neues Ausbildungskonzept für das Segelschulschiff zu erarbeiten. Er ist Kapitän zur See wie seine zwölf Vorgänger, die seit 1958 gedient haben. Das ist der höchste Offiziersgrad unterhalb der Admiralsdienstränge.

Im Zuge der Ermittlungen zum Tod einer im November 2010 verunglückten Kadettin war der damalige Kommandant der "Gorch Fock", Norbert Schatz, im Januar suspendiert worden; schließlich verzichtete er "auf eigenen Wunsch" auf das Amt.

Es entbrannte eine öffentliche Debatte, ob ein Segelschulschiff in einer hochtechnisierten Marine überhaupt noch Sinn macht. Alle Parteien - bis auf die Linke - wollten den Segler beibehalten.

Die Suche nach einem neuen Kommandanten für das Segelschulschiff hatte sich für die Marine schwieriger als erwartet gestaltet, mehrere potentielle Kandidaten lehnten ab.

Zur Zeit legt das Segelschulschiff der Bundesmarine eine Zwangspause ein. Rostbefall macht ein Auslaufen der "Gorch Fock" unmöglich.

amz/dpa/dapd

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Legende auf See: Das Schulschiff "Gorch Fock"

Chronologie: Die "Gorch Fock"-Affäre im Überblick
7. November 2010 - Tod aus der Takelage
Bei einer Ausbildungsfahrt in Brasilien stürzt eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage des Dreimasters in den Tod.
19. November 2010 - Offiziere werden abgezogen
Die Offiziersausbildung an Bord wird ausgesetzt. Die gut 70 Offiziersanwärter kehren aus Brasilien nach Deutschland zurück. Das Ausbildungskonzept soll überprüft werden.
18. Januar 2011 - Bericht von Königshaus
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, übermittelt dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dem Verteidigungsausschuss des Bundestags einen Bericht über die Zustände auf der "Gorch Fock". Es geht um den Vorwurf der Meuterei, sexuelle Belästigung und massiven Druck auf Kadetten beim Aufstieg in die Takelage.
20. Januar 2011 - Rückkehr nach Argentinien
Ein Ermittlungsteam der Marine soll die Vorgänge nach dem Tod der Offiziersanwärterin aufklären. Die "Gorch Fock" kehrt zu ihrem letzten Hafen Ushuaia in Argentinien zurück, bis das Ermittlerteam eintrifft.
21. Januar 2011 - Guttenberg suspendiert Schatz
Guttenberg enthebt den Kommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz, bis zum Abschluss der Ermittlungen seines Postens. Der Öffentlichkeit kündigt er dies per Zeitungsinterview an. Die Opposition kritisiert die Entscheidung als überstürzt. Guttenberg räumt Tage später vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Informationspannen ein.
28. Januar 2011 - Untersuchungen starten
Das Untersuchungsteam der Marine geht an Bord. In einem offenen Brief an Guttenberg weist die "Gorch Fock"-Besatzung die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück und beklagt fehlenden Rückhalt in der Bundeswehr. Das Ermittlerteam hat zwei Wochen später seine Untersuchungen abgeschlossen. Es befragte 221 Offiziersanwärter und 192 Angehörige der Stammbesatzung.
30. Januar 2011 - Das Schiff segelt heim
Unter dem Befehl des kurzfristig eingeflogenen Kommandanten Michael Brühn macht sich die "Gorch Fock" auf den Weg zurück nach Deutschland.
8. März 2011 - Schatz wird entlastet
Kommissionsleiter Horst-Dieter Kolletschke übergibt Marineinspekteur Axel Schimpf den Marine-Untersuchungsbericht. Das Fazit der Ermittler lautet: Die erhoben Vorwürfe hätten sich "zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen".
14. März 2011 - Affäre rückt in den Hintergrund
Für den neuen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sei die Aufklärung der "Gorch Fock"-Affäre keine Chefsache mehr, sagt der stellvertretende Ministeriumssprecher.
16. März 2011 - Eklat im Bundestag
Der Verteidigungsausschuss des Bundestags berät über die "Gorch Fock"-Affäre. Die Sitzung wird ergebnislos abgebrochen, weil das Ministerium noch keine Bewertung abgeben und erst den Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten will.

6. Mai 2011 - "Gorch Fock" trifft in Kiel ein
Nach achteinhalb Monaten läuft das Schulschiff im Heimathafen ein. An Bord: 181 Besatzungsmitglieder. 1500 Angehörige, Besucher und Berichterstatter heißen das Schiff in Kiel willkommen. Die Zukunft des Dreimasters ist ungewiss.
6. Juli 2011 - Der Dreimaster bleibt Schulschiff
Der Bundestag stimmt zu, dass das Schiff weiter zur Marineausbildung genutzt werden soll. Das Lehrkonzept auf dem Viermaster wird allerdings erheblich umgestaltet.