Fall Sergej Skripal Russland will Zugang zu Agenten-Tochter

Moskau weist jede Schuld an der Vergiftung des russischen Ex-Agenten Skripal von sich. Jetzt will der Kreml den Fall selbst untersuchen - und Kontakt zu Skripals ebenfalls vergifteter Tochter aufnehmen.

Julia Skripal
AFP/ FACEBOOK ACCOUNT OF YULIA SKRIPAL

Julia Skripal


Russland hat erneut jede Verwicklung in das Nervengift-Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia, die in Salisbury bewusstlos aufgefunden worden waren, dementiert. Die Vorwürfe der britischen Regierung entbehrten jeder Grundlage, erklärte Präsidenten-Sprecher Dmitrij Peskow.

Moskau erneuerte aber sein Angebot, mit London in dem Fall zusammenzuarbeiten. Für eigene Analysen hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow London aufgefordert, Ermittlungen und Giftproben zur Verfügung zu stellen. Nun will die russische Botschaft in London auch offiziell konsularischen Zugang zu der ebenfalls schwer erkrankten 33-jährigen Julia Skripal beantragen. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax.

Allerdings befindet sich die russische Staatsbürgerin nach offiziellen Angaben weiterhin in einem kritischen Gesundheitszustand, kämpft in einer britischen Klinik um ihr Leben.

Der 66-jährige Ex-Spion und seine Tochter waren am 4. März vor einem Einkaufszentrum in Südengland bewusstlos aufgefunden worden.

Bei dem Anschlag wurde nach britischen Angaben ein Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte eingesetzt, die das sowjetische Militär in den Siebziger- und Achtzigerjahren entwickelt habe.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte danach erklärt, Russland sei "sehr wahrscheinlich" für die Vergiftung verantwortlich. Am Montag forderte sie Moskau auf, sich binnen 24 Stunden der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu erklären und darzulegen, wie das Gift nach Großbritannien gelangen konnte. Sie drohte mit Konsequenzen, die sie aber zunächst nicht näher ausführte. Russland ließ die Frist verstreichen.

mho/Reuters/dpa



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