Sexismus-Debatte Brüderle sieht sich als Opfer einer Medienkampagne

Ex-FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle hat sich nun doch noch zur Sexismus-Debatte geäußert, die seine Äußerungen gegenüber einer Journalistin ausgelöst hatten. Im "Handelsblatt" beklagt sich Brüderle darüber, dass die Medien ihn und die FDP "erledigen" wollten.

Rainer Brüderle (Archiv): "Rein politisch motivierte Attacke"
DPA

Rainer Brüderle (Archiv): "Rein politisch motivierte Attacke"


Berlin - Mehr als ein Jahr nachdem im "Stern" unter dem Titel "Der Herrenwitz" ein Artikel über Rainer Brüderle und sein Verhalten gegenüber einer Reporterin der Zeitschrift erschienen ist, hat der frühere FDP-Spitzenkandidat sein Schweigen gebrochen. "Der Stern wollte die FDP und mich beschädigen. Es war eine rein politisch motivierte Attacke", sagte Brüderle dem "Handelsblatt".

Der frühere FDP-Fraktionschef beklagt sich in der Zeitung über eine Medienkampagne gegen seine Partei und ihn "als Person": "Es gab doch in Redaktionen regelrechte Freudenfeste, als die FDP aus dem Bundestag geflogen ist", sagte Brüderle. In den darauffolgenden Wochen sei mit einer Häme über die Liberalen hergezogen worden, die er in vierzig Jahren Politik noch nie erlebt habe. Schon während des Wahlkampfs habe er den Eindruck gehabt, "die Medien wollten erst Ruhe geben, wenn die FDP und ihr Spitzenkandidat erledigt sind".

Brüderle reagiert damit zum ersten Mal auf die am 24. Januar 2013 im "Stern" erschienenen Geschichte. Die Reporterin Laura Himmelreich schildert darin, wie der Politiker sich ihr gegenüber ein Jahr zuvor in einer Stuttgarter Hotelbar anzüglich geäußert haben soll. Dabei sollen die Sätze: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen" und "Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen" gefallen sein

"Artikel war von langer Hand geplant"

"Was ich gesagt habe, war nicht böse gemeint. Es standen viele Journalisten um uns herum, und keiner hat sich darüber aufgeregt, auch die Dame nicht", sagte Brüderle darüber im "Handelsblatt". Einen Grund zur Entschuldigung sieht er nicht. Die "Stern"-Reporterin habe ihn danach auf mehreren Terminen begleitet. "Sie ist mit mir im Auto mitgefahren. Das macht doch niemand, der sich belästigt fühlt. Sie hat sich ein Jahr lang nicht bei mir beschwert."

Für Brüderle war der Artikel "von langer Hand" geplant. "Schauen Sie sich mal den Zeitablauf an: Am Montag werde ich zum Spitzenkandidaten gewählt. Am Mittwoch liegt der gedruckte "Stern" auf meinem Schreibtisch", sagte Brüderle. Der "Stern" habe die FDP und ihn nachhaltig beschädigen wollen. Das sei ihm auch gelungen. Auf die Frage warum er bisher zu den Vorwürfen geschwiegen habe, antwortete der frühere Bundeswirtschaftsminister: "Ich bin heute noch überzeugt, dass ich die politische Debatte anders nicht überstanden hätte. Da kommen Sie mit der Wahrheit nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind."

Auf einen möglichen Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines Buches in der kommenden Woche sprach das "Handelsblatt" Brüderle nicht an. Dafür kündigte der FDP-Politiker an, künftig als Berater tätig zu werden, er habe gerade die Firma "Rainer Brüderle Consult" angemeldet.

nck

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renatedietrich 06.04.2014
1. Brüderle - FDP
Der Stern ist ein Schmierenblatt - mit 5 Buchstaben - Das sagt alles! Siehe Himmelreich, Hönnes und co.! Das ist kein Journalismus mehr, das ist eine Sauerei!
Blankoscheck 06.04.2014
2. Peinlich
mehr kann man zu diesem Mann nicht sagen! Und mit Politik und Partei hat die Meinung nichts zu tun.
KnutHB 06.04.2014
3. ... also selbst erledigt...
.... hat sich die FDP selbst. Dafür war nicht die Presse verantwortlich.
buntesmeinung 06.04.2014
4. Ich hoffe, dass niemand auf die Masche hereinfällt.
Möge das Buch ein Ladenhüter bleiben. Was die "Kampagne" angeht, so will ich nicht ausschließen, dass im Stern die Fakten gezielt veröffentlicht wurden. Jedenfalls hat Herr Brüderle dem veröffentlichten Inhalt nicht widersprochen. Auch jetzt nicht. Zur Beratertätigkeit: Ich würde zu gern wissen, wen Herr Brüderle zu was beraten möchte. Da geht es doch nur wieder darum, die entstandenen Kontakte für Lobbydienste zu verhökern. Armes Opfer, dieser Herr Brüderle!
markus maier 06.04.2014
5. Freiheit für Alle...
Die FDP ist doch für einen freien Markt, in dem der grössere den kleineren verdrängt und hat stets lobbyisten-gesteuert alles getan um sich entsprechenden Interessengruppen anzudienen, alles im Einsatz des ominösen "Wirtschaftswachstums", das heilige Kalb unserer Zeit. Nur wurde die FDP eben vom Politik-Markt der Gaukler und Schwätzer hinweggefegt und soll sich nun nicht beschweren. Die CDU/SPD ist "liberal" genug, die "regierenden" dienen der Wirtschafts- und Banken-Diktatur in der wir aktuell leben. Warum sonst stellt sich die CDU gegen die Trennung von Privatkundengeschäft und Investmentbanking? Die Leute die uns "vertreten" sollen vertreten uns symbolisch nur den Hintern, und wir bedanken uns noch artig. Erbärmlich ist das Wann wacht der deutsche Michel auf und geht auf die Strasse, für echte Demokratie und Frieden?
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