28. Januar 2013, 08:46 Uhr

Sexismus-Vorwurf

FDP-Politikerin hält Brüderle-Entschuldigung für unnötig

Die Liberalen stellen sich vor ihren Spitzenkandidaten Rainer Brüderle. Dieser soll eine "Stern"-Reporterin bedrängt haben. Viele Deutsche fordern laut einer Umfrage, Brüderle solle sich entschuldigen. Doch FDP-Vorstandsmitglied Katja Suding meint: Eine öffentliche Abbitte sei nicht nötig.

Hamburg - Die Sexismus-Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle treffen die Partei zu einem empfindlichen Zeitpunkt: Immerhin ist Brüderle erst vor kurzem zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gekürt worden.

Die Partei verteidigt ihn - jeder auf seine Weise. Mal verbreiten Parteifreunde wilde Verschwörungstheorien, mal hält FDP-Mann Wolfgang Kubicki ein Plädoyer fürs Anbaggern ("Ich flirte für mein Leben gern"), mal sagt Minister Dirk Niebel ein Interview ab, mal jubelt die Basis Brüderle mit "Bravo"-Rufen zu.

Brüderle selbst hält vorläufig still. In der Öffentlichkeit kommt das nicht gut an: In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" sprachen sich 90 Prozent der Befragten dafür aus, dass sich Brüderle bei der "Stern"-Journalistin entschuldigen müsse - wenn die Vorwürfe, die sie gegen den Politiker erhoben hatte, wahr seien.

Eine Entschuldigung hält FDP-Vorstandsmitglied Katja Suding allerdings für überflüssig. "Öffentlich halte ich das für unnötig", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt" am Montag. Politik sei im Übrigen nicht sexistischer als andere Branchen. "Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, wird nun einmal auch geflirtet. Und das darf auch so sein."

Die "Stern"-Autorin Laura Himmelreich hatte über ihre persönlichen Erfahrungen mit Brüderle berichtet und ihm Sexismus vorgeworfen. Konkret ging es um eine eine Begegnung am 5. Januar 2012, dem Vorabend des traditionellen Dreikönigstreffens der FDP in Stuttgart. Brüderle habe dabei unter anderem gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Suding, die auch FDP-Fraktionschefin in der Hamburger Bürgerschaft ist, sagte, sie wundere sich über den Zeitpunkt der Veröffentlichung. "Wenn ich eine Geschichte ein Jahr nach dem Ereignis veröffentliche und zwei Tage nachdem die betroffene Person zum Spitzenkandidaten gemacht wurde, dann muss ich mir sehr kritische Fragen gefallen lassen, welche Intention dahinterstecken könnte."

"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn hatte dagegen argumentiert, der erste Eindruck der Redakteurin von Brüderles Umgang mit Frauen "bestätigte sich im Laufe der Zeit bei weiteren Beobachtungen und Begegnungen. Ich halte unsere Berichterstattung deshalb für legitim".

Kritik an Brüderle oder eine größere Debatte über Sexismus gibt es bislang wenig in der FDP. Anders als Suding beklagte aber die Liberale Silvana Koch-Mehrin vor einigen Tagen, die Partei habe ein Problem mit Frauen in den eigenen Reihen. "Die FDP ist das Schlusslicht, wenn es darum geht, Gleichberechtigung in der eigenen Partei zu leben", sagte sie. Wirksame Schritte, um den Frauenanteil zu erhöhen, gebe es bei der FDP nicht. Schon jetzt gebe es kaum Frauen in der Partei, und es würden immer weniger. "Dadurch werden viele relevante Themen aus einer nicht sehr repräsentativen Sichtweise betrachtet", sagte Koch-Mehrin, die dem Frauenausschuss des Europäischen Parlaments angehört.

Auch im "Jauch"-Talk verteidigte die FDP-Politikerin den Artikel im "Stern" und konnte über den Fraktionsvorsitzenden der Liberalen - offenbar leidgeprüft - nur sagen: "Wer Rainer Brüderle kennt, kennt seine saloppe Ausdrucksweise."

kgp/dapd


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