"Die Rechte"-Kandidat im Dortmunder Stadtrat "SS-Siggi" gibt sein Mandat ab

Der Rechtsextremist Siegfried Borchardt hat seinen Rückzug aus dem Dortmunder Stadtrat angekündigt. Der als "SS-Siggi" bekannte Neonazi begründete seinen Rückzug mit seiner Gesundheit - dabei könnte er von Anfang an geplant gewesen sein.

Siegfried Borchard alias "SS Siggi": Mehrfach vorbestrafter Rechtsextremist
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Siegfried Borchard alias "SS Siggi": Mehrfach vorbestrafter Rechtsextremist


Hamburg - Nur zwei Monate nach seiner Wahl tritt Siegfried Borchardt schon wieder zurück: Der als "SS-Siggi" bekannte Rechtsextremist hat laut Medienberichten angekündigt, sein Mandat im Dortmunder Stadtrat zum Ende des Monats abzugeben.

Die "Westdeutsche Allgemeine" berichtet, Borchardt habe seinen Rückzug mit gesundheitlichen Gründen erklärt. Zudem führte der 60-Jährige die "zeitliche Belastung in seiner Doppeltätigkeit" an, hieß es unter Berufung auf einen Stadtsprecher. Borchardt ist auch Mitglied der Dortmunder Bezirksvertretung Innenstadt-Nord, dieses Mandat will er weiter ausüben.

Der mehrfach vorbestrafte Politiker war für die Partei "Die Rechte" in den Stadtrat eingezogen. Bei der konstituierenden Sitzung hatte es Proteste gegeben, etwa 200 Menschen demonstrierten vor dem Rathaus gegen den Neonazi.

"Die Galionsfigur reichte für den Wahlkampf"

Borchardts Platz im Stadtrat soll Dennis Giemsch einnehmen. Gegen den Landesvorsitzenden der "Rechten" wurde erst kürzlich das Hausverbot im Dortmunder Rathaus aufgehoben: Der Neonazi hatte nach der Kommunalwahl mit einigen Kameraden eine Wahlparty im Dortmunder Rathaus gestürmt.

Bei den Krawallen wurde eine Landtagsabgeordnete der Grünen geschlagen und ein Ratsmitglied der Piraten mit einer Flasche beworfen und am Kopf verletzt. Auch zuvor war Giemsch mit seinem rechtsextremen Aktionen schon in den Fokus der Staatsanwaltschaft gekommen. So soll er der Gruppe "Nationaler Widerstand Berlin" Server zur Verfügung gestellt haben.

Beobachter hatten den frühen Rückzug Borchardts erwartet. Die "Ruhrnachrichten" zitieren den Dortmunder Pfarrer Friedrich Stiller: "Dieses Manöver war zu erwarten: Die folkoristische Galionsfigur Borchardt reichte für den Wahlkampf und ein paar spektakuläre Auftritte." Borchardts Nachfolger Giemsch gilt als einer der klügeren Köpfe der Partei.

kes



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