Zoff über Bundestagskandidatur: CDU-Rebell Siegfried Kauder will gegen eigene Partei antreten

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CDU-Mann Siegfried Kauder: Gegen die eigene Partei

Die CDU hat ihn nicht mehr aufgestellt, doch Siegfried Kauder gibt nicht auf. Der Bruder von Unionsfraktionschef Volker Kauder will wieder für den Bundestag kandidieren - gegen seine eigene Partei. Die droht ihm mit Ausschluss.

Villingen-Schwenningen - Seit 2002 sitzt Siegfried Kauder im Bundestag - und er würde dort gern noch ein bisschen bleiben. Dass ihn die CDU für die Wahl im Herbst nicht mehr aufgestellt hat, will Kauder nicht akzeptieren. Jetzt plant er, am 22. September gegen seine eigene Partei anzutreten - als unabhängiger Kandidat.

Dafür sammelt der Bruder von Unionsfraktionschef Volker Kauder derzeit Unterschriften von Unterstützern. Er bekomme für seine Kandidatur viel Zuspruch, sagte der bisherige Vorsitzende des Rechtsausschusses am Freitag in Villingen-Schwenningen der Nachrichtenagentur dpa. Laut "Schwarzwälder Bote" soll Kauder bereits mehr als hundert Unterschriften von Wahlberechtigten des Wahlkreises zusammen haben. 200 müssen bis Montagabend beim zuständigen Kreiswahlleiter vorliegen.

Die seit Monaten anhaltenden Querelen im CDU-Kreisverband Schwarzwald-Baar erreichen damit einen neuen Höhepunkt. Teile der Basis hatten gegen Kauder aufbegehrt, sie warfen ihm schlechten Führungsstil und fehlende Gesprächsbereitschaft vor. Ein Schlichtungsversuch von Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel scheiterte.

Sollte er zur Wahl zugelassen werden, würde Kauder gegen den CDU-Bewerber Thorsten Frei antreten, den die Union an seiner Stelle als Kandidat nominiert hatte. Der 40-jährige Frei, CDU-Landesvize und Oberbürgermeister von Donaueschingen, hatte sich bei der Nominierungsversammlung im vergangenen November mit deutlicher Mehrheit gegen den 62-jährigen Kauder durchgesetzt. Eine erste Versammlung, bei der nur Kauder antreten wollte, war wenige Monate zuvor vertagt worden. In diesem Zusammenhang hatte Kauder seinen Kritikern jüngst Manipulation vorgeworfen. Der Kreisverband weist dies zurück.

Dass Kauder seine Niederlage nicht eingestehen und nun sogar den offiziellen CDU-Kandidaten herausfordern will, empört die Parteifreunde. Der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Schwab rief ihn dazu auf, seine Pläne fallenzulassen. Eine Kandidatur widerspreche der Satzung der CDU. Trete Kauder tatsächlich an, drohe ihm ein Parteiausschlussverfahren.

In diesem Sinne äußerte sich auch der baden-württembergische CDU-Landeschef Thomas Strobl. "Das ist der Klassiker für ein Parteiausschlussverfahren", sagte Strobl der "Welt". "Wenn ein Mitglied gegen ein von der Partei nominiertes Mitglied bei einer Wahl antritt, dann sind die Regelungen im Statut klar. Dieser Fall erfüllt die klassischen Voraussetzungen."

phw/dpa

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