Medienbericht Gabriel mahnt zu wirtschaftlich verträglichem Klimaschutz

Vor dem Klimagipfel in Bonn betont Außenminister Gabriel, Klimaschutz dürfe Arbeitsplätze und industriellen Erfolg nicht gefährden. Deutschland trage eine besondere Verantwortung.

Sigmar Gabriel
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Noch-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wirbt für eine Vorreiterrolle Deutschlands bei der Vereinbarung von Klimaschutz und wirtschaftlichem Erfolg. Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" sagte Gabriel: "Wir müssen zeigen, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind. Nur wenn wir unter Beweis stellen, dass eine anspruchsvolle Klimapolitik nicht dazu führt, dass Arbeitsplätze und industrieller Erfolg darunter leiden, werden uns andere Länder folgen."

Der Klimaschutz ist wie erwartet ein Knackpunkt in den Koalitionsverhandlungen zwischen FDP, Grünen und Union. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf den anderen Parteien vor, in diesem Punkt zu blockieren. "Wir sind mit dem Pariser Abkommen konkrete Verpflichtungen eingegangen. Nun gilt es zu liefern", sagte Göring-Eckardt der "Bild am Sonntag". "Doch ausgerechnet jetzt blockieren Union und FDP. Gelingt es uns, den Knoten zu durchschlagen, gewinnt nicht nur das Weltklima. Ich bin zuversichtlich, dass so auch die Sondierungen besser vorankommen."

50 Prozent der Befragten wollen keine SUVs mehr in den Städten

Die Bundesregierung wird ihre selbst gesteckten Klimaziele für die Jahre 2020 und sehr wahrscheinlich auch 2030 nicht erreichen. Wie eine Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen im März ergab, findet derzeit praktisch kein Rückgang der Treibhausemissionen statt. Zahlen des Bundesumweltamtes bestätigten dies. Die Uno hatte zuletzt bekannt gegeben, dass die Erdtemperatur bis Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad Celsius im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung steigen wird - selbst bei Einhaltung aller bisher vorgelegten Klimaschutzziele.

Die Wahrheit über die Erwärmung

Die "Bild am Sonntag" hatte das Umfrageinstitut Emnid mit einer Erhebung beauftragt, um herauszufinden, wie wichtig den Deutschen der Umwelt- und Klimaschutz im Verhältnis zu wirtschaftlichen Interessen ist. Das Ergebnis: 59 Prozent der Deutschen seien dafür, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt. Nein sagt dazu fast ein Drittel der Befragten (weiß nicht, keine Angabe: neun Prozent). Knapp 70 Prozent der Befragten wollen Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben. Nur 27 Prozent wollen das nicht (weiß nicht, keine Angabe: fünf Prozent).

Demonstration in Bonn
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Demonstration in Bonn

Keine SUVs mehr in den Städten? Das fände fast die Hälfte der Befragten in Ordnung. Sie sagen: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks habe mit ihrer Forderung recht, dass Bewohner von Städten keine SUVs mehr kaufen sollten, damit das Klima geschützt wird. 34 Prozent sehen das nicht so (weiß nicht, keine Angabe: 18 Prozent).

Ab Montag tagt die Weltklimakonferenz in Bonn. Ziel ist es, die Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens von 2015 konkret umzusetzen. Am Samstag haben mehrere Tausend Menschen in Bonn für den Kohleausstieg und eine umfassende Energiewende demonstriert.

mja

insgesamt 105 Beiträge
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rkinfo 05.11.2017
1. Rationierung von Sprit bis Strom ?
Vielleicht sollten wir den Sprit rationieren, was die SUV's aussterben miese ? Ohne Kohlekraftwerke muss Strom rationiert werden, bzw. Großverbraucher erzeugen ihn in KWK selbst vor Ort. Energieintensive Produktion wandert dann ab, wobei China mit Atomstrom eh CO2 optimierter Stahl und Zement herstellen könnte.
interessierter Laie 05.11.2017
2. 59 Prozent...
Die hoffentlich auch nicht protestieren, wenn die Strompreise weiter steigen, wenn immer mehr schlecht geeignete Standorte und Natur- und Wasserschutzgebiete zur Windenergiegewinnung genutzt, immer mehr Flüsse aufgestaut und immer mehr Kabel durch die Republik gelegt werden. Und natürlich werden sie auch gerne mehr Steuern und Sozialabgaben zahlen, denn irgendwie müssen ja die vielen Tausend ehemaligen Beschäftigten in energieintensiven Betrieben, der Kohle, der Stahl- und der chemischen Industrie versorgt werden, bis sie eine Anschlussverwendung im Weltverbesserungsgewerbe gefunden haben. Am besten man beschäftigt sie bei der Bundeswehr, denn wenn durch den gleichzeitigen Ausstieg aus der konventionellen Landwirtschaft der Flächenverbrauch auf das dreifache anwächst, wird mehr Land gebraucht. Neuer ökologischer Lebensraum sozusagen...
toscana57 05.11.2017
3. Die heilige Kuh Wirtschaft
Der heiligen Kuh Wirtschaft und Arbeitsplätze wird auch in Zukunft alles geopfert werden. Das unsere Umwelt mehr und mehr vor die Hunde geht - was soll's ? Das unsere Enkel nur noch von den von uns verschwendeten Ressourcen träumen können ? Was soll's. Grundwasser nitratbelastet, Regenwälder verschwinden, dramatischer Artenrückgang seit Jahrzehnten (nicht nur Insekten), Böden mit diversen Pestizidrückständen etc. belastet, Überbevölkerung etc. etc.....Hauptsache die Arbeitsplätze bleiben erhalten....und wir können für 29€ nach Mallorca fliegen. Wie lange wird es dauern, bis der Mensch merkt was er angerichtet hat und dass man eben Geld nicht essen kann ?
enforca 05.11.2017
4. Wirtschaft first
Wirtschaftswachstum um jeden Preis. Die Konsequenzen sind egal. Die deutsche Autoindustrie darf auch lügen, betrügen und vergiften wie sie will. Das ergaunerte Geld macht die Managergehälter noch üppiger und die Großspenden an Parteien fließen. Den Bossen und der ReGIERung geht es blendend. Das macht auch den deutschen Michel zufrieden.
jtely 05.11.2017
5.
Herr Gabriel spricht von der Verantwortung, die Deutschland gegenüber der Wirtschaft hat. Deutschland trägt auch gegenüber der Welt in der wir leben, in der unsere Kinder leben und in der viele andere Menschen leben eine besondere Verantwortung. Wir alle verbrauchen die natürlichen und regenerierenden Ressourcen der Erde und haben bald mit anderen Problemen zu kämpfen als mit einer stagnierenden Wirtschaft. Die Natur wird uns die Grenzen aufzeigen.
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