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Klage des Wirtschaftsministers: Gabriel schimpft über "irre Zustände" bei Energiewende

SPD-Chef Gabriel: "Die Kollegen in Österreich kommen vor Lachen nicht aus dem Schlaf" Zur Großansicht
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SPD-Chef Gabriel: "Die Kollegen in Österreich kommen vor Lachen nicht aus dem Schlaf"

Sigmar Gabriel ist sauer: Bei der Energiewende in Deutschland herrschten "irre Zustände", klagte der SPD-Chef vor Arbeitgebervertretern. Dabei ist er als Wirtschaftsminister selbst für das Mega-Projekt verantwortlich.

Berlin - Als Bundeswirtschaftsminister ist Sigmar Gabriel auch für die Energiewende zuständig. Umso ungewöhnlicher sind die Äußerungen des SPD-Chefs beim Arbeitgebertag in Berlin. Gabriel klagte vor den Wirtschaftsvertretern über "irre Zustände" bei der Energiewende.

In Süddeutschland werde ein Atomkraftwerk nach dem anderen abgeschaltet. Weil der im Norden im Überfluss produzierte Windstrom aber wegen fehlender Leitungen nicht in den Süden komme, müsse dort manchmal Strom aus veralteten Ölkraftwerken in Österreich zugekauft werden. Das sei eine "Karnevalsveranstaltung", schimpfte Gabriel. "Die Kollegen in Österreich kommen vor Lachen nicht in den Schlaf."

Der Minister forderte einen raschen Ausbau der Stromnetze. Die Energiewende müsse endlich systematisiert und europäisch gedacht werden. Zwischen der Bundesregierung und Bayern gibt es unverändert Differenzen, wo und in welchem Umfang in den nächsten Jahren neue Stromautobahnen vom Norden in den Süden gebaut werden sollen. Eine Stromtrasse, die von Sachsen-Anhalt nach Bayern führt, soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sogar bis zu 200 Kilometer länger werden als geplant.

Einmal in Fahrt, nahm sich Gabriel auf dem Arbeitgebertag auch jene vor, die bei privaten Investitionen immer sofort auf steuerliche Anreize schauen. Wörtlich sagte der Vizekanzler: "In Deutschland ist der Steuerspartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb."

syd/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
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1. Lustiger Kerl
Andreas-Schindler 04.11.2014
"In Deutschland ist der Steuerspartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb." Wenn es so sehr Stört dann Streich doch einfach die Steuervorteile. Das ist der Vorteil wenn man an der Regierung ist, man kann Gesetze und Steuern ÄNDERN.
2. Kompetenz
Aguilar 04.11.2014
ist eigentlich gefordert, sowohl in der Industrie wie auch in der Politik, die immerhin die Rahembedingungen stellt. Aber vielleicht ist der Satz "In Deutschland ist der Steuerspartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb." auch entlarvend für einen mit der Materie überlasteten Minister, der sich vielleicht auf anderen Gebieten besser auskennt als auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik.
3. Steuerspartrieb
abc1234 04.11.2014
Warum wohl Herr Gabriel, weil in Deutschland einfach zu viele Abgaben entrichtet werden müssen! Ich sage nur Erbschaftssteuer ... Der Staat soll doch bitte erstmal sein Ausgabenproblem in den Griff bekommen! Dieser Herr Gabriel gehört doch endlich abgewählt, wie die SPD, denn die braucht schon lange keiner mehr !
4. Tja, Siechmar....
nachtmacher 04.11.2014
jetzt schon mit dem Latein am Ende? Überrascht, dass es mit einem kosmetischen Reförmchen nicht getan war? Selber verantwortlich, aber die Schuld bei anderen suchen. Da wollen Privatpersonen bei Investitionen Steuern sparen. Potzblitz! Und die wollen ums Verrecken auch nicht ohne Rendite in seine E&E-Geschichten investieren! Sauerei! Und dann wollen die Menschen hier im lande auch nicht daran glauben, dass die Stromtrassen Windstrom verbreiten. Dabei werden die doch genau so gebaut, dass zwei Pleitebundesländer ihre Fehlplanung in die südlichen Bundesländer exportieren können. Und was machen die pösen Bayern? Die kaufen den Wasserkraftstrom aus Tirol. Potzblitz. Sorry, aber die Mär von den veralteten Öl-Kraftwerken in Österreich kannst Dir in die Haare schmieren!
5. Heuchler
brendan33 04.11.2014
"In Deutschland ist der Steuerspartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb." Toller Vorwurf. Ja, wer hat denn mit der Gier angefangen ? Doch wohl unsere Finanz- und Sozialminister. Ein Single, der gut verdient, zahlt in Deutschland an reinen direkten Abgaben eine Lohnsteuer, hart an der Grenzbesteuerung, zusätzlich kommt auf diesen Betrag nochmal 14,5 % Soli und Kirchensteuer drauf. Daneben werden rund 20 % Sozialabgaben fällig (eigentlich 40 %, der Arbeitgeber zahlt die Hälfte, aber faktisch ja auch von Arbeitnehmer´s Gehalt). Bei 50-60% Abgabenquote kann man schon mal nachdenklich werden und über Denkmalschutz und Windenergiefonds nachdenken. Völlig legitim. Und ohne Steuervorteile wären in den neuen Ländern immer noch 80 % aller Klos in Altbauten auf dem Treppenflur.
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