SPD-Chef Gabriel verteidigt Stinkefinger gegen Neonazis

Vizekanzler Gabriel steht im ZDF-Sommerinterview zu seiner deutlichen Geste gegen pöbelnde Nazis. Er bereue bloß eines.

Sigmar Gabriel zeigt den Stinkefinger
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Sigmar Gabriel zeigt den Stinkefinger


SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seine Stinkefinger-Geste gegenüber pöbelnden Neonazis vor rund zwei Wochen verteidigt. "Ich habe nur einen Fehler gemacht, ich habe nicht beide Hände benutzt", sagte Gabriel laut vorab verbreiteten Ausschnitten aus dem ZDF-Sommerinterview, das am Sonntagabend ausgestrahlt wird.

Der SPD-Chef und Vizekanzler war bei einem Wahlkampfauftritt im niedersächsischen Salzgitter von einer Gruppe rechtsextremer Demonstranten angegangen worden. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie sie Gabriel unter Anspielung auf die Nazi-Vergangenheit seines Vaters als Volksverräter beschimpften. Er reagierte mit der eindeutigen Geste.

Die SPD-Zentrale verteidigte Gabriels Geste anschließend als "emotionale Reaktion", die "angesichts der massiven Beleidigungen der Person und auch der Familie von Sigmar Gabriel" verständlich sei.

Gabriel glaubt an Ja der Sozialdemokraten zu Ceta

Der SPD-Chef spricht seit einigen Jahren offen über das schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, der auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein überzeugter Nationalsozialist gewesen sein soll. Wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ist auch Gabriel Anfeindungen ausgesetzt. Im Sommer 2015 hatte er die Verantwortlichen für die Krawalle um eine Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau als "Pack" bezeichnet.

Gabriel ist mit seiner Geste nicht allein in der SPD: 2013 hatte der damalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Bundestagswahlwahlkampf mit ausgestrecktem Mittelfinger auf dem Cover des "Süddeutsche Zeitung Magazins" posiert.

Im aktuellen Sommerinterview äußerte sich Gabriel auch zuversichtlich zur Zukunft des umstrittenen Freihandelsabkommens Ceta. Er rechnet trotz Widerstands innerhalb der SPD weiter mit einer Zustimmung der Sozialdemokraten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Sozialdemokratie Europa anhält und sagt, wir wollen lieber bei den ganzen schlechten Abkommen bleiben", sagte er.

Die SPD will am 19. September auf einem Parteikonvent in Wolfsburg ihre Position zum Ceta-Abkommen zwischen der EU und Kanada festlegen. "Wir werden das ganz sicher klug beraten und am Ende auch entscheiden", sagte Gabriel.

Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, hatte dabei erst am Sonntag der "Berliner Morgenpost" gesagt: "Bei Ceta habe ich große Bedenken." Wenn es nicht dramatische Weiterentwicklungen und Verbesserungen gebe, könne er sich nicht vorstellen, dass Berlin das unterstützt. Müller will am 18. September die Abgeordnetenhauswahl erneut für die SPD gewinnen.

apr/AFP/dpa



insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
ich-geb-auf 27.08.2016
1. ich könnte manchmal Gabriel
auch den Stinkefinger zeigen... und es auch noch verteigigen mit: - Flexisteuer bei Sprit - TTIP egoistisch vorantreiben wo es kein Bürger will und es defintiv schaden wird. kleiner Vorgeschmack: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/warum-die-usa-der-europaeischen-union-mit-steuerkrieg-drohen-a-1109670.html Nur, dass Gabriel sehr dünnhäutig ist udn schon viele (Jusos und co) erfahren konnten, wie Gabriel auf Kritik reagiert, wie ein kleines Kind manchmal.
Ein mündiger Bürger 27.08.2016
2. Klaro ... als Vizekanzler...
... scheint man ebenfalls zu glauben, unfehlbar zu sein. Aber lassen wir ihm einfach seinen gestreckten Mittelfinger ... sowas zeugt vom Niveau des Trägers, oder nicht?
Ekatus Atimoss 27.08.2016
3. Freibrief
Gibt es einen Freibrief für Nazi Beleidigung durch Politiker, oder ist das für die genau so strafbar, wie die Beleidigung einer beliebigen Person durch eine andere beliebige Person?
ironrider 27.08.2016
4. lieber würde...
...er sich wahrscheinlich den mittelfinger abhacken als einmal einen fehler einzugestehen - das ist genau das was ich an ihm so schlimm finde. und das ist auch das was ihm zum kanzler fehlt: selbstreflektion, ehrlichkeit und ein wenig mehr bescheidenheit.
Leser161 27.08.2016
5. Nja
Ich mag ihn nicht den TTIP-Freund und Totengräber der Sozialdemokratie. Aber wenn man sich einem so fiesen Angriff ausgesetzt sieht sollte man entsprechend reagieren dürfen.
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