Berlin - SPD-Chef Sigmar Gabriel umgeht die Frage, wer der neue Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten werden soll. Es ergebe keinen Sinn, bereits jetzt die Personaldebatten zu führen, sagte Gabriel am Sonntag im ZDF-Sommerinterview.
"Natürlich ist die Verlockung groß, über Personen zu philosophieren", sagte der Parteichef. Die Menschen hätten allerdings einen Anspruch darauf, dass sich die Politik zunächst um die Sachthemen kümmere. Gabriel verwies darauf, dass der frühere SPD-Kanzler Gerhard Schröder auch erst ein halbes Jahr vor der Wahl 1998 nominiert worden sei.
Die SPD will den Kanzlerkandidaten Anfang 2013 nominieren. Im Gespräch sind neben Gabriel auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der frühere Finanzminister Peer Steinbrück. Die größere Beliebtheit der beiden letzteren könne damit begründet werden, dass die beiden die erste Finanzkrise von 2008 "gut gemeistert" hätten, sagte Gabriel. Steinmeier war damals Außenminister, Steinbrück leitete das Finanzressort.
Auch Steinbrück hatte sich zuvor dagegen ausgesprochen, die Kandidatenkür vorzuziehen. Wer länger als sechs bis acht Monate "im Ring steht, wird schnell wund gerieben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Man muss omnipräsent sein und ist in der heißen Wahlkampfphase ausgelaugt."
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hatte die Debatte um den Kanzlerkandidaten am Wochenende neu angeheizt und sprach sich für SPD-Bundestagsfraktionschefs Frank-Walter Steinmeier aus. Steinmeier sei eine starke Führungspersönlichkeit, habe als Fraktionschef "eine tolle Arbeit" gemacht und sei seit der letzten Bundestagswahl sehr gereift, sagte der SPD-Regierungschef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Er wäre ein guter Kanzler für unser Land."
kha/AFP/dpa/dapd
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