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08. Februar 2018, 19:52 Uhr

Streit bei den Sozialdemokraten

Gabriel wirft SPD-Führung Wortbruch vor

Nach der Einigung über einen Koalitionsvertrag mit der Union gibt es Streit in der SPD: Der scheidende Außenminister Sigmar Gabriel macht der Parteiführung wegen seiner geplanten Absetzung schwere Vorwürfe.

Zoff in der SPD-Führung: Sigmar Gabriel klagt über mangelnde Wertschätzung seiner Arbeit durch die Parteispitze und den Umgang mit seiner Person. Er sei gern Außenminister und habe in den Augen der Bevölkerung das Amt auch ganz gut und erfolgreich geführt, sagte Gabriel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Und da ist es ja klar, dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war."

Gabriel wird der neuen Regierung vermutlich nicht mehr angehören. Parteichef Martin Schulz soll stattdessen Außenminister werden. "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", wird Gabriel zitiert.

Welches Versprechen er damit meint, sagte er nicht. Gabriel hatte im Januar zugunsten von Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet, um Außenminister zu werden. Es wird kolportiert, dass Schulz ihm damals für den Fall einer neuen Großen Koalition versprach, dass er das Außenamt behalten darf. Ob das stimmt, ist aber unklar.

Er wisse, dass in der Politik auch schon mal mit harten Bandagen gestritten wird, sagte Gabriel. "Aber es sollte mit offenem Visier erfolgen."

Gabriel sagte weiter: "Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt. Das ist scheinbar aus der Mode gekommen."

Schulz hatte am Mittwoch erklärt, dass er selbst Außenminister werden will, obwohl er nach der Wahl ausgeschlossen hatte, in ein Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einzutreten. Gabriel droht damit der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit, obwohl er laut letztem ARD-"Deutschlandtrend" der beliebteste Politiker im Land ist.

Zu seiner persönlichen Zukunft sagte Gabriel selbst, für ihn beginne "jetzt eine neue Zeit". "Zu Hause freuen sich schon mal alle darauf", fügte er hinzu. Seine kleine Tochter Marie habe ihm am Donnerstagmorgen gesagt: "Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht."

als/dpa/Reuters

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