Angriffe auf Einsatzkräfte an Silvester "Unverantwortlich und widerwärtig"

Feuerwehrleute und Polizisten sind in der Silvesternacht in mehreren Städten massiv angegriffen worden. In Berlin wurden Retter mit Schusswaffen bedroht. Politiker und Gewerkschaftler sind entsetzt.

Ein Mann wirft in Leipzig eine Flasche in Richtung eines Wasserwerfers der Polizei.
DPA

Ein Mann wirft in Leipzig eine Flasche in Richtung eines Wasserwerfers der Polizei.


Politiker und Gewerkschaftsvertreter haben die Angriffe auf Rettungskräfte in der Silvesternacht in mehreren deutschen Städten verurteilt.

Justizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: "Angriffe auf Rettungskräfte - egal wann, wo und von wem - sind völlig inakzeptabel."

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), sagte der Zeitung "Die Welt": "Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an." Deshalb müssten die Straftäter die ganze Härte des Gesetzes erfahren.

SPD-Innenexperte Burkhard Lischka erklärte, die Straftaten in der Silvesternacht seien "unverantwortlich und widerwärtig". Wer Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Polizisten angreife, "attackiert uns alle", sagte Lischka der "Welt".

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte dem Blatt, die Attacken gegen Einsatzkräfte hätten inzwischen lebensbedrohliche Ausmaße angenommen. Immer wieder würden Silvesterraketen gezielt auf Menschen oder Fahrzeuge gerichtet."Letztlich muss die Justiz mit entsprechenden Urteilen dafür sorgen, dass auch der letzte Verrückte begreift, dass dies kein Spaß ist, sondern hier schwere Gewaltdelikte begangen werden."

Angriffe auf Einsatzkräfte in mehreren deutschen Städten

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, forderte "endlich eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, dass Gewalt in keiner Weise akzeptabel ist". Dies fange im Elternhaus an und betreffe auch die Schulen, sagte Radek der "Welt". Selbst Beleidigungen seien bereits eine Form von Gewalt. Es sei "besonders verwerflich, dass sich Gewalt ausgerechnet gegen jene richtet, die als Polizisten, Sanitäter oder Feuerwehrleute helfen und schützen wollen". Es sei richtig, dass entsprechende Strafen in diesem Zusammenhang zuletzt verschärft wurden.

Im vergangenen Jahr hatte der Bund ein Gesetz verabschiedet, wonach tätliche Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungskräfte künftig härter bestraft werden. Schon auf Attacken etwa auf Streifen stehen nun drei Monate bis fünf Jahre Haft.

In der Silvesternacht wurden in mehreren deutschen Städten Einsatzkräfte attackiert.

  • In Berlin berichtet die Feuerwehr von acht Angriffen auf Einsatzkräfte und 57 Angriffen auf Einsatzfahrzeuge. In einem Fall wurde die Besatzung eines Rettungswagens von mehreren Männern mit Schusswaffen bedroht. Der Vorfall ereignete sich in Berlin-Mitte. Die Feuerwehrleute hätten die Polizei alarmiert, diese habe zwei scharfe Schusswaffen sichergestellt, teilte die Feuerwehr mit. Bei einem Vorfall im Stadtteil Berlin-Lichtenrade wurde demnach ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt, in Charlottenburg erlitt ein weiterer Kollege Verletzungen durch einen Feuerwerkskörper.
  • In Stuttgart gab es Verletzte, weil Polizisten und Feuerwehrleute durch Böller und Raketen bei der Arbeit behindert wurden.
  • In Bremen haben etwa 50 Randalierer in der Silvesternacht Bahnmitarbeiter und Polizisten mit Raketen beschossen und mit Böllern beworfen. Ein Beamter sei am Oberschenkel verletzt worden, habe aber weiterarbeiten können, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Der Vorfall ereignete sich auf dem Bahnhofsvorplatz. Einsatzkräfte nahmen mehrere Männer vorläufig fest und erteilten Platzverweise.
  • In Leipzig haben in der Silvesternacht Dutzende Randalierer Polizisten angegriffen. Wie die Polizei am Neujahrsmorgen mitteilte, wurden im Stadtteil Connewitz zunächst zwei Wasserwerfer zum Löschen eingesetzt, nachdem dort unter anderem Mülltonnen angezündet worden waren. In diesem Zusammenhang hätten etwa 40 bis 50 Menschen Flaschen, Steine und Böller auf die Polizeifahrzeuge und die eingesetzten Beamten geworfen. Mehrere Menschen wurden demnach wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen; weitere Ermittlungen wurden eingeleitet.
  • In Dortmund wurden einem Bericht der "Welt" zufolge Polizisten beim Versuch, eine Massenschlägerei zu beenden, angegriffen und mit einer täuschend echt aussehenden Schusswaffe bedroht.

VIDEO: So lief Deutschlands größte Silvesterparty

REUTERS

anr/dpa/AFP



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