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Streit über Studie: Deutsche sind wohl doch nicht so Roma-feindlich

Sinti und Roma in Berlin-Neukölln: Das Bild der Deutschen ist differenzierter als gedacht Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Sinti und Roma in Berlin-Neukölln: Das Bild der Deutschen ist differenzierter als gedacht

Sind die Deutschen feindlich gegen Sinti und Roma gesinnt? Eine Regierungsstudie erweckte diesen Eindruck. Doch beteiligte Wissenschaftler sehen das nach SPIEGEL-Informationen ganz anders.

Berlin - Die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte Anfang September für Aufsehen gesorgt. Darin wurde behauptet, dass unter den Deutschen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma weit verbreitet seien. Unter anderem lehne es jeder dritte Bürger ab, Sinti und Roma als Nachbarn zu haben.

Nun distanzieren sich nach SPIEGEL-Informationen mehrere Forscher, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle die Studie erstellt haben, von der Interpretation der Ergebnisse, wie sie die Leiterin der Behörde, Christine Lüders, der Öffentlichkeit mitgeteilt hatte. (Lesen Sie mehr zum Thema hier im aktuellen SPIEGEL.)

Während sich die Wissenschaftler beispielsweise bewusst dazu entschieden hatten, bei den einzelnen Fragen nur die obersten zwei von sieben Skalenwerten als Ablehnung zu werten, rechnete die Behörde auch den Skalenwert fünf hinzu, um auf höhere Werte zu kommen. Deshalb hieß es in einer Pressemitteilung daraufhin, ein Drittel der Deutschen lehne Sinti und Roma als Nachbarn ab. Bliebe man bei den klaren Ablehnungswerten, sind es nur 20,4 Prozent.

Außerdem stammt das Vorwort nicht von den Forschern, sondern von den Auftraggebern. Die Forscher hatten deshalb vorab darum gebeten, alle darin enthaltenen Bezüge auf sich zu entfernen.

Die Antidiskriminierungsstelle weist die Vorwürfe zurück, ihre Interpretation der allesamt auch veröffentlichten Zahlen sei legitim, es seien nie negative Ergebnisse gewünscht gewesen.

syd

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1. Das alte
habu 05.10.2014
Sebstverständlich hätte "nie ein negatives Ergebnis herauskommen" sollen, aber so ist es schon auch recht und ein kleines bischen Nachhilfe hat der Statistik noch nie geschadet. Wo viel Diskriminierung zu beklagen ist auch besonders viel Antidikriminierung gefordert. Und die haben wir zum Glück ja institutionalisiert. Wer wollte es einer Behörde verdenken, dass sie ihre eigene Bedeutung unterstreicht. Schließlich winken mit der wachsenden Aufgabe mehr Geld, mehr Stellen und eine dann unvermeidliche Höhergruppierung der Leitung.
2. Traue keiner Statistik
nichtinvasiv 05.10.2014
...die du nicht selbst gefälscht hast. Wieder mal ein wunderbares Beispiel für eine interessensgeleitete Studie. Wo Ideologie vorherrscht ist kein Platz mehr für Vernunft. Genau deshalb muss die Beeinflussung der Wissenschaft durch die Politik eingedämmt werden!
3.
outsider-realist 05.10.2014
Was oll man den von solchen Umfragen halten? Solange man real gar nicht mit der Situation konfrontiert wird, ist die Antwort doch völlig irrelevant. Die tatsächliche Reaktion ist doch das einzige was zählt. Gegner würden vielleicht gar nicht merken, das ein Roma nebenan wohnt und ein Befürworter wird plötzlich zum Gegner. So viele Faktoren beeinflussen die Meinung und Einstellung eines Menschen. Ich gebe auf solche Umfragen nichts, habe aber natürlich auch eine Meinung- ganz aus dem Bauch heraus und vermutlich auch ohne Sinn und Verstand.
4. Äußerst ärgerlich
wauz 05.10.2014
für die beteiligten Wissenschaftler. Und ein typisches Beispiel, wie man bei der Gruppierung von Daten verfälschen kann. Es sollte verboten werden, dass Auftraggeber, die eine Studie veröffentlichen wollen, die gegen den Willen der Autoren verändern können. Grundsätzlich sieht man aber, dass man eigentlich immer selbst in die Originaldaten schauen muss. Und noch etwas ist problematisch: nämlich die Verwendung von Likert-Skalen, bei denen der Proband sich selbst einordnet. Viel besser sind eine Menge Fragen/Stichworte, die der Proband auf sich bezogen verwendet. (Beispiel: Variable "Einstellung" mit den drei Ausprägungen "modern", "gemäßigt modern" und "traditionell". Man bietet zum Beispiel "altmodisch" und "konservativ" als Stichwort an und wertet beides als "traditionell" (Dieses Verfahren geht natürlich noch feinsinniger und Soziologen fahren gut damit, bei der Konstruktion der Interviews einen empirischen Psychologen zu Rate zu ziehen)
5.
meier12 05.10.2014
Ich glaube allen offiziellen Studien und Umfragen. Besonders der, nach die Deutschen immer reicher werden. Ironie aus. In der Antidiskriminierungsstelle hatte man wohl angesichts der Studienergebnisse Angst, überflüssig zu werden.
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