Skandal-Schiff: Guttenberg besucht die "Gorch Fock"

Er will nicht warten, bis das umstrittene Segelschulschiff wieder in Kiel ist. Verteidigungsminister Guttenberg wird noch vor der Rückkehr der "Gorch Fock" in ihren Heimathafen die Besatzung an Bord besuchen. Die SPD lästert über den "Macher-Typ".

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Verteidigungsminister Guttenberg: Will mit der Besatzung sprechen

Berlin - Der Tod einer Kadettin, bizarre Rituale an Bord, der Ärger der Stammbesatzung: Es gibt viel zu besprechen, wenn Karl-Theodor zu Guttenberg die "Gorch Fock" in Augenschein nimmt. Bis Ende April oder Anfang Mai will der Verteidigungsminister damit aber nicht warten - so lange noch dauert die Fahrt des Schiffs bis in den Heimathafen Kiel.

Der CSU-Politiker will vorher mit der Besatzung reden. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie sein Sprecher sagt. Der Minister wird die "Gorch Fock" also besuchen, bevor sie Kiel anläuft.

Wann und wo? Noch unklar. Über den Zeitpunkt schweigt das Verteidigungsministerium. Derzeit liegt der Dreimaster im chilenischen Hafen Valparaíso. Am Abend war allerdings aus dem Verteidigungsministerium zu hören, dass Guttenberg nicht vorhabe, der Gorch Fock Richtung Südamerika entgegenzufliegen. Erwogen werde vielmehr, dass der Minister das Schiff kurz vor dem Einlaufen in Kiel in der Nordsee an Bord des Schiffes gehen werde.

Offiziell verlautbart wurden diese Pläne jedoch nicht. Wohl auch deswegen lästert den Opposition. Die SPD findet den Besuch vor der Ankunft nämlich keine gute Idee. Deren Verteidigungsexperte Rainer Arnold ging Guttenberg via "Rheinische Post" frontal an. Der solle "nicht schon wieder den Macher-Typ spielen, sondern das Verfahren schnell zum Abschluss bringen". Arnold meint die Untersuchung der Vorfälle an Bord, über die ein Untersuchungsbericht angefertigt wird.

Guttenberg hatte die "Gorch Fock" nach Berichten über chaotische Zustände an Bord und die Umstände des Todes der 25-jährigen Offiziersanwärterin, die im November aus der Takelage stürzte, von Südamerika nach Deutschland zurück beordert und Kommandant Norbert Schatz suspendiert.

Daraufhin hatte sich die Stammbesatzung in einem offenen Brief enttäuscht vom Verhalten der politischen und militärischen Führung in der Affäre gezeigt. Guttenberg hat darauf inzwischen geantwortet, die Inhalte des Briefs aber nicht veröffentlicht. Nach Informationen der ARD haben nun mehrere Besatzungsmitglieder angekündigt, nach Rückkehr des Schiffs ihren Dienst quittieren zu wollen.

Bereits am Montag besuchte der Minister zudem die Marineschule Mürwik in Flensburg. Dort sprach er mit Offiziersanwärtern, die an Bord der "Gorch Fock" waren, als die Kadettin vor drei Monaten verunglückte. Dabei sicherte er den Offiziersanwärtern seine volle Unterstützung zu: "Ich stehe vor jedem Soldaten." Fragen nach der Zukunft des Segelschulschiffs wich Guttenberg aus. Zunächst müssten Vorwürfe "sauber" abgearbeitet werden und das Ausbildungskonzept zukunftsfest sein. Er würde sich aber freuen, wenn es eine Zukunft für das Schiff gäbe.

Guttenberg sprach in der Aula des Flensburger Kasernengeländes über das Thema "Ausbildung, Erziehung, Fürsorge" und diskutierte anschließend hinter verschlossenen Türen eine Stunde lang mit den 300 Soldaten, darunter 60 Offiziersanwärter. Zu einem anderen Zeitpunkt sprach Guttenberg auch mit der Mutter der verunglückten Kadettin. Zum Inhalt wollte er sich aber ebenfalls nicht äußern.

sef/dpa

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insgesamt 111 Beiträge
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1. Oh Lotte, immer diese Zukurzgeratenen ...
maan 15.02.2011
Zitat von sysopEr will nicht warten, bis das umstrittene Segelschulschiff wieder in Kiel ist. Verteidigungsminister Guttenberg wird noch vor der Rückkehr der "Gorch Fock" in ihren Heimathafen die Besatzung an Bord besuchen. Die SPD lästert über den "Macher-Typ". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745694,00.html
Als ich den Titel des Blogs las, dachte ich erst an einen Faschingsscherz! Na, da gibt es sicher bald wieder tolle Fotos!
2. Vorschlag...
roger-x 15.02.2011
Bitte das Meeting mitten auf dem Ozean anberaumen: per Fallschirmabsprung aus einem Eurofighter (geht schon irgendwie wenn man will) bei acht Windstärken ca. 1000m entfernt vom fahrenden Schiff punktlanden und dann in einem heldengleichen (natürlich Oberkörper freiem) Kampfschwimmen die Gorch Fock eingeholt... Alles andere wäre erbärmlich... Ach ja: Frau Guttenberg nicht vergessen...
3. :-p
cemi 15.02.2011
Ich frage hier mal in die Runde: Was bitteschön ist so dermaßen Dramatisches auf dem Schiff passiert, dass ein Bundesminister keine paar Tage warten kann, sondern sich von der BW für immense Kosten zu dem Kahn karren lässt? Oder ist es doch vielleicht wieder ein klein wenig Eigen-PR? Die BILD findet das sicher wieder GUTT! Nur schade, dass Barbie diesmal nicht mitfahren soll.
4. Stillos
Akka 15.02.2011
Zuerst die Jammerlappen in Mürwick, dann höchst gnadenvoll aufs Schiff. Umgekehrt hätte es sich gehört Herr von und zu Guttenberg!
5. Dass die SPD lästert
chico 76 15.02.2011
Zitat von sysopEr will nicht warten, bis das umstrittene Segelschulschiff wieder in Kiel ist. Verteidigungsminister Guttenberg wird noch vor der Rückkehr der "Gorch Fock" in ihren Heimathafen die Besatzung an Bord besuchen. Die SPD lästert über den "Macher-Typ". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745694,00.html
spricht für Guttenberg.Einer der ihren hat lieber erlaucht gebadet,während die Soldaten im Kosovo waren.
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